Ein großes „Aber“ schwingt mit, wenn Landrat Zeno Danner sowie die Ärztlichen Direktoren Marcus Schuchmann (Klinikum Konstanz) und Frank Hinder (Singen) über eine zuversichtlich stimmende Tendenz bei den Coronafällen im Landkreis Konstanz sprechen. Denn alle äußerten bei einem Video-Pressegespräch zur aktuellen Lage am Freitagmorgen ihre Überzeugung, dass eine Lockerung der Corona-Verordnung auch zu einer wieder stärker steigenden Zahl von Infektionen führen dürfte. Deshalb steht Danner nach einem Gespräch mit dem Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt einer allgemeinen Maskenpflicht bei Lockerungen der Corona-Einschränkungen offen gegenüber.

Zeno Danner sah eine positive Entwicklung, als er einen signifikanten Rückgang der Zahl der aktuell infizierten Personen an drei aufeinanderfolgenden Tagen erwähnte. Dagegen habe die Zahl der Genesenen etwas stärker zugenommen. Danner hoffte, dass sich auf den entsprechenden Grafiken die Kurven der aktuell Infizierten und der Genesenen bald zugunsten der Genesenen kreuzen.

Zeno Danner: „Noch lange nicht das Ende der Krise„

Doch der Landrat dämpfte die Erwartungen umgehend: „Bloß weil wir drei Tage lang eine positive Tendenz haben, ist die Krise noch lange nicht beendet.“ Denn immerhin sind bis zum Freitag acht Todesfälle zu verzeichnen, drei der Opfer sind in dieser Woche gestorben. Allerdings sei das Coronavirus bei diesen drei hochbetagten Personen nur einer von mehreren Faktoren, die zum Tod geführt hätten, so Danner. Beklagenswert sei indes jeder Todesfall.

Nur wenige Stunden später erfüllte sich Danners Hoffnung: Am Nachmittag veröffentlichte das Landratsamt den Stand von Freitag, 12 Uhr: Zwar erhöhte sich die Zahl der insgesamt positiv getesteten Personen gegenüber dem Vortag um 14 auf 424 Personen. Doch ging die Zahl der aktuell Infizierten um eine Person auf 205 zurück, die Zahl der Genesenen stieg um 15 auf jetzt 211. 18 Personen (Vortag: 17) seien in stationärer Behandlung.

Ein positives Erlebnis für alle am Pressegespräch Beteiligten war die Abreise eines weiteren französischen Corona-Patienten, der im Konstanzer Klinikum behandelt wurde und nun wieder in einem so guten Zustand sei, dass er mit einem französischen Rettungshubschrauber abgeholt werden konnte. „Es ist ein schönes Gefühl, dass jemand mithilfe des Gesundheitsverbunds wieder heim konnte und überlebt hat, der ohne unsere Hilfe vielleicht gestorben wäre“, sagte Zeno Danner.

Marcus Schuchmann: „Rückkehr zu einer neuen Normalität“

Dem stimmten die Ärztlichen Direktoren Frank Hinder und Marcus Schuchmann zu. Letzterer sagte in dem Pressegespräch, dass er gerade auf der Hubschrauber-Landeplattform des Klinikums bei der Verabschiedung des Patienten dabei gewesen sei. Schuchmann sprach bei der aktuellen Entwicklung von einer „Rückkehr zu einer neuen Normalität“, denn Covid-19 werde die Menschen noch lange beschäftigen. Nun müsse der Gesundheitsverbund auch wieder die normalen Fälle angehen, denn auch bei diesen könnten Verzögerungen zu Problemen führen.

Er bestätigte die Ausführungen von Zeno Danner, dass in der kommenden Woche auch in anderen Bereichen die Kapazitäten wieder ausgebaut werden sollen. Der Landrat hatte den Ausbau der Kapazitäten aber ebenso im Hinblick auf das Personal gesehen: „Die Leute arbeiten am Anschlag und müssen mal ein freies Wochenende haben.“

Frank Hinder: „Ausreichend Testkapazitäten vorhanden“

Von einer ausreichend guten Lage der Testkapazitäten bei Personen mit entsprechenden Symptomen sprach Frank Hinder: „Bei allen Patienten können Abstriche gemacht werden.“ Nach Einschätzung der Verantwortlichen scheint ein sinkendes Bedürfnis nach solchen Rachen-Abstrichen vorzuliegen. Zum einen liege das laut Zeno Danner an fehlenden Symptomen oder Krankheitsgefühlen. Aber auch das Abklingen ganz normaler saisonaler Erkrankungen dürfte eine Rolle spielen.

Könnten, wie es in Mannheim angedacht ist, angemietete Jugendherbergen als Quarantäneort für ältere Patienten dienen, bevor sie in ein Altenheim zurück dürfen? Dies sei derzeit keine Option, sagte Marcus Schuchmann auf Nachfrage. Die Entlassenen müssten auch dort betreut werden. Lieber wolle man in den Kliniken durch weitere Abstriche sicherstellen, dass die Patienten genesen seien. Notfalls würde man sie auch länger in der Klinik behalten.

Öffnung der Wertstoffhöfe noch ungewiss

Und noch über ein anderes Thema denkt man im Landratsamt nach: Jene, die derzeit zwangsweise gesund daheim sind und Haus oder Wohnung entrümpeln, müssen sich hinsichtlich der Entsorgung noch etwas gedulden. „Wir sind an einer Regelung zur Öffnung der Wertstoffhöfe dran, es gibt aber noch keine Entscheidung“, erläuterte Zeno Danner. Dabei spiele auch eine Rolle, dass es in den Kommunen sehr unterschiedliche Verfahrensweisen bei der Entsorgung von Wertstoffen gebe.

Erwähnt wurde auch ein Coronafall im Flüchtlingswohnheim in Singen. Da die betroffene Familie jedoch bereits in einem abgetrennten Bereich gewohnt und sehr vernünftig reagiert habe, seien laut Zeno Danner keine Probleme aufgetreten.