Die Gastronomie der Schiffe auf dem Bodensee befindet sich im Wandel. Mitte Februar gab der Konstanzer Petershof bekannt, sich nach sieben Jahren Zusammenarbeit nicht mehr für die Bordgastronomie auf den Schiffen der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) bewerben zu wollen. Nach dem bestehenden Vertrag sollte der Petershof eigentlich trotzdem bis Ende des Jahres die Fahrgäste bedienen, Ende Mai kündigte der Hotellerie- und Gastronomiebetrieb dann aber wegen Unzufriedenheiten im Zuge der Corona-Krise den Vertrag vorzeitig fristlos. Aber nicht nur die BSB haben den Betreiber ihrer Bordgastronomie verloren. Auch der Gastronom, der die Reisenden auf den Fähren der Verbindung Meersburg – Konstanz versorgt hat, ist abgesprungen. Nur was bedeutet das für die Fahrgäste? Wo wird derzeit noch was angeboten?

Weiße Flotte

Ausschlaggebend für den Verzicht auf eine neue Bewerbung für den Bordgastronomiebetrieb auf den Schiffen der BSB waren laut Dieter Wäschle von der Geschäftsleitung des Petershofs gravierende Änderungen, die die BSB seinen Angaben nach planten. Die Schiffsbetriebe bestritten das. Zur fristlosen Kündigung Ende Mai kam es, weil die BSB den Petershof laut Dieter Wäschle während der Corona-Krise im Stich gelassen hatte. Auch dem widersprachen die BSB.

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Dennoch – Nach dem Streit zwischen den BSB und deren ehemaligen Bordgastronom gibt es für Fahrgäste nun gute Nachrichten: Mit der Müller und Springer Bordgastronomie wurde ein neues Gastronomieunternehmen gefunden. Geleitet wird es von Stefan Müller, der in Konstanz die Restaurants Steg 4 und Hafenmeisterei führt. Das Unternehmen soll ab Samstag, 27. Juni, zunächst auf der MS Überlingen das gastronomische Angebot übernehmen, und zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der MS Karlsruhe. Wann genau, das steht laut Christopher Pape, Pressereferent der BSB, derzeit aber noch nicht fest.

Die MS Überlingen vor Überlingen.
Die MS Überlingen vor Überlingen. | Bild: Jürgen Gundelsweiler

Im Kursverkehr ist dabei ein Bistrobetrieb geplant. Diesen hatten sich in einer Umfrage mehr als 85 Prozent der Gäste gewünscht, teilt BSB-Geschäftsführer Frank Weber mit. Auf den Themenfahrten dagegen soll es ein Vollgastronomiekonzept geben und auch Drei-Gänge-Menüs angeboten werden. „Da steht die Kulinarik bei vielen Fahrten im Mittelpunkt“, erklärt Pape.

Auf den Schiffen der Flotte, für deren Bordgastronomie bisher noch kein Betreiber gefunden wurde – laut Pape gibt es bis auf die Müller und Springer Bordgastronomie aktuell noch keinen Pächter auf den Schiffen – wird laut dem Pressereferenten von den BSB in Eigenbetrieb erst einmal ein Kioskbetrieb angeboten. Allerdings versuchen die BSB bereits, weitere Gastronomen zu gewinnen. „Da führen wir auch die Gespräche“, erklärt Pape. Diese stünden teilweise kurz vor dem Abschluss.

Fähre Romanshorn – Friedrichshafen

Während auf den meisten Schiffen der BSB nach und nach ein Bistrobetrieb erst noch eingeführt werden soll, gibt es diesen auf einigen Schiffen bereits jetzt – betrieben durch die Schiffsbetriebe. Laut Pressereferent Christopher Pape ist das der Fall bei der Fähre, die zwischen Romanshorn und Friedrichshafen verkehrt und der MS Stadt Radolfzell.

Fähre Meersburg – Konstanz

Nachdem er 27 Jahre mit den Stadtwerken Konstanz zusammengearbeitet hat, hat der bisherige Pächter der Fährengastronomie, Rüdiger Niedzwietzki, kurzfristig gekündigt. Das hatte Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke, bereits am Mittwoch mitgeteilt. Die Fahrgäste müssen vorerst also ohne ein gastronomisches Angebot auskommen.

Die Fähre „Lodi“ ist eines der Schiffe, die zwischen Meersburg und Konstanz verkehren. Und nicht nur Fahrgäste, sondern auch Autos werden transportiert.
Die Fähre „Lodi“ ist eines der Schiffe, die zwischen Meersburg und Konstanz verkehren. Und nicht nur Fahrgäste, sondern auch Autos werden transportiert. | Bild: Hilser, Stefan

Wie Niedzwietzki auf Nachfrage bestätigte, sei ohnehin geplant gewesen, bald aufzuhören, die Corona-Krise habe diesen Abschied jetzt aber beschleunigt. „Das war einfach nicht vorauszusehen“, bedauert der Gastronom. „Da können die Stadtwerke nichts dafür da können wir nichts dafür.“ Er habe durch die Krise viel Geld verloren und sei finanziell nicht in der Lage gewesen, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten.

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Ursprünglich war geplant, zum 1. Juli wieder zu öffnen, laut Josef Siebler ist das aber aufgrund noch nicht geklärter Fragen nicht möglich. Stattdessen rechnen die Stadtwerke mit einer Öffnung Mitte Juli. Wie es konkret weitergeht, steht ebenfalls noch nicht fest – ursprünglich haben die Stadtwerke laut Siebler mit einer endgültigen Entscheidung Ende dieser Woche gerechnet. Auf erneute Nachfrage erklärt der Pressesprecher nun: „Es zeigt sich aber, dass die Kollegen doch noch etwas Zeit brauchen, um alle Details zu klären. Es dürfte Ende nächster Woche werden.“ Es sei in der derzeitigen Situation jedenfalls schwierig, kurzfristig einen Nachfolger zu finden. Die Stadtwerke Konstanz prüfen daher, den Betrieb übergangsweise selbst zu betreiben. Allerdings müsse zunächst festgestellt werden, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist. „Ob und wann ein Betreiber gesucht wird, hängt davon ab, was die aktuelle Prüfung erbringt“, so Josef Siebler.

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