Ein Zusammenschluss aus Deutscher Umwelthilfe, Anne Overlack aus Moos und Luigi Pantisano, der 2020 für den Posten des Oberbürgermeisters in Konstanz kandidierte, hat eine Petition eingereicht, ein 365-Euro-Ticket für den Kreis Konstanz einzuführen. Es geht dabei um ein Jahres-Abo für den öffentlichen Verkehr, das jeder nutzen könnte, wie aus einer Sitzungsvorlage des Technischen Ausschusses hervorgeht. Im Moment ist lediglich ein Jugendticket konkret geplant, das zu 70 Prozent aus Landesmitteln finanziert wird. Ziel des 365-Euro-Tickets sei es, dass durch den geringen Fahrpreis mehr Nutzer des Nahverkehrs gewonnen würden und somit der Autoverkehr zurückgehe.

Ein Ticket wäre teuer für den Kreis

Eine Modellrechnung der Verwaltung ergibt allerdings, dass der Kreis dem Verkehrsverbund (VHB) etwa 3,1 Millionen Euro an fehlenden Einnahmen ausgleichen müsste. Diese Rechnung unterstellte die Annahme, dass im Abo-Bereich 90 Prozent der Nutzer auf das 365-Euro-Ticket wechseln würden, im Bereich Monatskarten 20 Prozent. Unklar sei, ob die Züge und Busse die Kapazitäten hätten, etwa die doppelte Menge an Fahrgästen aufzunehmen.

Zustimmung und Skepsis

Die Reaktionen aus dem Technischen und Umwelt-Ausschuss: Georg Geiger (FDP) äußerte sich skeptisch gegenüber einem 365-Euro-Ticket. „Überfüllte Busse und Bahnen haben wenig Anziehungskraft. Stattdessen müssen wir die Infrastruktur ausbauen“, sagte er. Ein 365-Euro-Ticket sei Wunschdenken, solang die Infrastruktur so mangelhaft sei. Nina Röckelein (Grüne) zeigte sich offener für die Idee. „Das 9-Euro-Ticket des Bundes ist eine große Chance, um eine Erfahrung mit solchen Tickets zu machen“, sagte sie und verwies darauf, dass nach einer Phase mit einem 9-Euro-Ticket die Erwartungen in der Bevölkerung an den öffentlichen Verkehr höher sein werden.

Landrat bleibt zögerlich

Landrat Zeno Danner signalisierte seitens der Verwaltung eine abwartende Haltung. Er sei auch für ein steuerfinanziertes System des öffentlichen Nahverkehrs. Er verwies aber auf den Aufwand, den das 9-Euro-Ticket und das Jugendticket bedeuteten. „Wir haben in der Infrastruktur komplexe Herausforderungen, wie etwa die Bahnschranke in Petershausen, die bei engerer Zugtaktung ständig geschlossen wäre.“ Danner fasste die Aussagen der Räte als „verhalten interessiert“ zusammen und stellte in Aussicht, dass man das Thema aufgreifen werde, sobald erste Erfahrungen mit dem Jugendticket vorlägen. Das sei voraussichtlich im Herbst 2023 der Fall.

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Die Linke Liste sieht in dem Zögern zu viel an abwartender Haltung. Sie schlägt laut Pressemitteilung eine weitere Alternative vor: ein kostengünstiges Modell für Nahverkehrstickets für Geringverdienende und Sozialleistungsempfänger. Die Arbeit im Bereich Verkehrsplanung wird dem Kreistag so schnell also nicht ausgehen.