Umweltkatastrophen werden Deutschland künftig häufiger treffen. Erst diesen Sommer wurde deutlich, welche Auswirkungen Phänomene wie Starkregen haben können, mit dem prominentesten Beispiel bei der Flut im Ahrtal. Doch auch im Landkreis hat Starkregen für Überschwemmungen in bisher kaum gesehenem Ausmaß gesorgt.

Stark betroffen war die Gemeinde Mühlhausen-Ehingen. „Wir sind hier immer noch daran, Dinge, die im Juli kaputt gegangen sind, zu reparieren“, sagt Bürgermeister Patrick Stärk. „Noch immer sind nicht alle Betroffenen zurück in ihren Häusern“, schildert er die Situation.

Der Schock ist noch nicht überwunden

Der Schock über jene Nacht, in der Wassermassen vom Berg heruntergeschossen kamen und mit voller Wucht durch die Gemeinde zogen, sitzt auch jetzt noch tief. „Das war ein Ereignis, das es zuletzt vor 120 Jahren gab“, sagt Stärk. Er ist sich aber sicher, dass die Gemeinde nicht wieder 120 Jahre lang Ruhe hat, bis so etwas noch einmal passiert.

Deswegen will Mühlhausen-Ehingen Konsequenzen ziehen. Im Gemeinderat soll demnächst darüber entschieden werden, ob es ein Starkregenkonzept für die Gemeinde braucht. Ob das aber bewilligt wird und wie lange es dauert, bis daraus die ersten Maßnahmen abgeleitet werden können, kann Stärk nicht sagen. Fest steht: Es dauert lange, mehrere Jahre mindestens.

Bürgermeister will schnell reagieren

Dabei ist für Stärk klar, in der Einflugschneise, wie Stärk die für Starkregen besonders anfälligen Stellen nennt, sind die Kanäle zu unterdimensioniert. Deswegen will er versuchen, hier möglichst schnell größere Rohre einbauen zu lassen. Klar ist ihm aber auch: „Einen 100-prozentigen Schutz vor den Wassermassen gibt es nicht.“

Für den Kreis keine Katastrophe

In Mühlhausen-Ehingen wurden die Dimensionen einer Katastrophe erreicht. Für den Kreis gelten die Vorfälle aber nicht als Katastrophe. Wann der Katastrophenfall für den gesamten Landkreis ausgerufen wird, ist im Landeskatastrophenschutzgesetz festgelegt. Was darin steht, ist allerdings Auslegungssache.

Grob gesagt spricht das Gesetz von einer Katastrophe, wenn viele Menschen oder Tiere betroffen sind, sodass es erforderlich ist, dass unterschiedliche Behörden zusammenarbeiten. „Was sind viele Menschen?“, fragt Egger. Entscheiden müsse darüber letztlich der Landrat.

Kaum Katastrophenfälle im Kreis

Egger kann sich in seiner langen Zeit als Feuerwehrmitglied nicht entsinnen, dass schon einmal der Katastrophenfall im Kreis ausgerufen wurde. „Und wenn, dann ist es schon sehr lange her“, sagt er. Er meine, dass selbst das Jahrhunderthochwasser im Jahr 1999 nicht als Katastrophe galt.

Bis also kreisweit der Katastrophenfall ausgerufen wird, muss schon etwas sehr Großes passieren. Ein starkes Erdbeben beispielsweise. Bei lokalen Ereignissen müsse die Kommune selbst reagieren, sie könne aber Hilfe aus dem Kreis anfordern.

Doch was passiert, wenn der Katastrophenfall eintritt?

Dann werden zwei Stäbe gebildet – der Verwaltungs- und ein Führungsstab. „Der Verwaltungsstab ist eigentlich wie die normale Verwaltung, nur schlanker“, schildert Egger. Dieser bespreche, was im Katastrophenfall zu tun sei und teile das dann dem Führungsstab mit. Er sorge dann für die Durchführung und arbeite mit Rettungs- und Hilfsorganisationen wie den Feuerwehren, dem DRK und dem THW zusammen.

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Alle paar Jahre würden Katastrophenszenarien in einer sogenannten Vollübung auch geprobt. Das sei allerdings sehr aufwendig, so Egger. Denn viel müsse geplant und Einsatzkräfte gefunden werden.

Er selbst sei dabei gewesen, als beispielsweise der Katastrophenfall eines Erdbebens geübt wurde. „Das Szenario war: Der Hohentwiel-Tunnel ist teilweise eingestürzt, es kam zu einem großen Verkehrsunfall und Schwerverletzten.“

Umweltkatastrophen werden wohl häufiger

Egger glaubt, dass der Kreis vor allem mit Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen, Hitze, Schnee und Kälte künftig häufiger konfrontiert sein werde. „Die Extreme nehmen zu“, sagt er. Für all diese Fälle gibt es Pläne, die aufzeigen, was in welchem Fall getan werden muss. Egger sagt aber auch: „Auf alles kann man gar nicht vorbereitet sein.“

Während man gegen drohendes Hochwasser und Starkregen in gewisser Weise schon im Voraus Maßnahmen treffen kann, gibt es wenig, das vor einem Erdbeben oder starker Hitze vorbeugen kann. Dann kann nur gewarnt werden.

Wie Bürger gewarnt werden

Wege, die Bevölkerung vor einer solch drohenden Katastrophe zu warnen, gebe es viele, sagt Egger. Sirenen seien heute aber nicht mehr der primäre Weg. Das Problem dabei: „Viele Sirenen wurden abgeschafft, weil der Bund der Meinung war, dass sie nicht mehr gebraucht werden“, so Egger.

Er glaubt, viele Menschen wüssten ohnehin nicht mehr, was die einzelnen Warntöne bedeuten. Dennoch hat der Bund nach den Überschwemmungen im Ahrtal wieder ein Förderprogramm für Sirenen auf die Beine gestellt.

Heute seien vor allem das Radio, Fernsehen und das Smartphone die Wege der Warnung. Egger sagt: „Jeder sollte eine Warnapp wie die Nina-App auf dem Handy haben.“ Je nachdem, wie groß ein Ereignis sei, würde die Warnung über die Leitstelle in eine mobile Warneinrichtung eingestellt und an alle Stellen weitergeleitet.

Was die Katastrophe im Ahrtal bewirkt hat

Haben Katastrophen wie die im Ahrtal im Landkreis schon zu Anpassungen geführt? „Das ist ein Landesthema“, sagt Egger. Doch durch den Hilfseinsatz mit Kräften aus dem Kreis Konstanz seien schon Probleme deutlich geworden.

„Die Einsatzkräfte, die entsandt wurden, haben gemeldet, dass die Ausrüstung für die Arbeiten nicht optimiert war“, sagt Egger. Beispielsweise seien die Lederhandschuhe der Hilfskräfte nach dem Einsatz kaputt, die Löschzüge mit zu wenig Handwerksmitteln ausgestattet gewesen.

„Diese Baustelle wird auf einer anderen Ebene bearbeitet.“ Denn Einsatzfahrzeuge seien deutschlandweit genormt. Änderungen müsse also der Bund anstoßen.

Ähnliches ist hier unwahrscheinlich

Dass Überschwemmungen wie im Ahrtal auch am Bodensee möglich sind, glaubt Egger nicht. Hier seien die Gegebenheiten andere. „Es gibt kein Tal, in das Wassermassen hineinlaufen können.“

Knapp an der Katastrophe vorbei

Die Überschwemmungen in Mühlhausen hätten Eggers Meinung nach allerdings fast zu einer kreisweiten Katastrophe werden können. Denn betroffen war auch ein Umspannwerk. „Das versorgt den halben Hegau mit Strom“, so Egger.

Dort habe im Keller ebenfalls Wasser gestanden. „Sagen wir mal so, für eine Katastrophe haben noch zehn Zentimeter gefehlt“, sagt Egger. Dann wäre womöglich der Strom für viele Haushalte ausgefallen.

Egger verdeutlicht: „Irgendwann funktioniert die Wasserversorgung nicht mehr, die Kläranlagen fallen aus, die Infrastruktur und die Kommunikation kommen zum Erliegen.“ Die Einsatzkräfte hätten das aber im Griff gehabt. Eine Katastrophe blieb aus.