Ein toter Schwan liegt am Ufer des Seerheins in Konstanz. Der weiße Vogel ist aber nicht erfroren, verhungert oder einem Raubtier zum Opfer gefallen. Er ist der erste Vogel im Landkreis Konstanz, der an der aviären Influenza, besser bekannt als Geflügelpest oder Vogelgrippe, gestorben ist. Laboruntersuchungen haben das jetzt bestätigt: Der Schwan war mit dem Subtyp H5 der Geflügelpest infiziert. „Das Risiko weiterer Geflügelpestausbrüche bei Wildvögeln ist damit im Land weiterhin als hoch einzustufen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart.

Wasservögel und Aasfresser besonders betroffen

Die Geflügelpest ist eine Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird. „Betroffen sind vor allem Wasservögel und Aasfresser“, sagt Wolfgang Fiedler, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. Aasfresser infizieren sich, wenn sie einen infizierten toten Vogel fressen. Manche Vögel sterben sofort. Problematisch seien jedoch die Tiere, die nicht sterben und das Virus weitertragen. Manchmal über weite Strecken. „Die aktuelle Variante ist nur für Vögel gefährlich, vor allem für Wild- und Wasservögel“, sagt Wolfgang Fiedler. Anders als bei dem Virus-Typ in den Jahren 2005/2006 – damals war eine Variante der Geflügelpest im Umlauf, die auch für Menschen ansteckend war. Dieses Jahr seien zum Beispiel viele Wildgänse, Enten oder Möwen betroffen.

Kontakte zu Wildvögeln vermeiden

Auch Nutzgeflügel ist dadurch also gefährdet. Vor allem vermuten Forscher, dass das Virus – wenn es etwa in einer Geflügelhaltung ausbricht – mutieren und aggressiver werden kann. „Geflügelhalter werden aufgerufen, ihre Tiere bestmöglich vor einem Seucheneintrag über Wildvögel zu schützen“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung vom Landwirtschaftsministerium. Soweit es möglich sei, sollten die Tiere im Stall oder unter Schutzvorrichtungen gehalten werden, um Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln zu vermeiden.

Kleinvögel sind nicht betroffen

Wenn Futter oder Stroh offen gelagert werde, könne es außerdem passieren, dass ein infizierter Wildvogel Kot hinterlässt und damit auch das Virus. Deswegen werden Geflügel- und Vogelhalter hier ebenfalls zur Vorsicht aufgerufen. Wer im Garten einen Futterplatz für Amseln, Meisen und andere Vögel hat, braucht sich übrigens nicht zu sorgen, sagt Wolfgang Fiedler: „Bei all diesen kleinen Vögeln scheint die Vogelgrippe keine Rolle zu spielen.“

Erste Kadaverfunde in Kasachstan

Im Sommer waren erste Vogelgrippe-Fälle im Grenzgebiet zu Kasachstan aufgetreten. Zu dem Zeitpunkt sei es bereits klar gewesen, dass das Virus früher oder später auch nach Deutschland und damit an den Bodensee kommen würde. „Eine Ente kann diese Strecke in zwei bis drei Tagen fliegen“, sagt Wolfgang Fiedler, „Enten fliegen problemlos 1000 Kilometer am Tag.“

Zugvögel tragen das Virus weiter

Mit den Zugvögeln wird das Virus weitergetragen, vor allem im Winter. Um diese Jahreszeit ist es üblich, dass Wasservögel aus Finnland oder aus Sibirien – wenn es dort bitterkalt wird – in mildere Gebiete nach Süden und Westen ziehen. In Norddeutschland konnten Experten Ende Oktober erste Fälle der Vogelgrippe nachweisen. Ende Dezember wurde das Virus bei einem schwer erkrankten Mäusebussard in Donaueschingen festgestellt und jetzt bei dem toten Schwan in Konstanz. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich weiter verbreitet, wird als hoch eingestuft.

Tote Vögel bitte melden

Deswegen rufen die Behörden Bürger dazu auf, tote Vögel zu melden. Vor allem solche Vögel, bei denen nicht offensichtlich ist, woran sie gestorben sind. Die Gemeinden im Landkreis Konstanz sind dafür zuständig, einen gemeldeten, toten Vogel einzusammeln und zum Veterinäramt zu bringen. „Die Vögel werden dann betupfert“, erklärt Stefanie Fuhrmann vom Veterinäramt am Landratsamt. Ähnlich wie bei den Coronatests wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich im Schnabel beziehungsweise Rachen des Tieres gemacht. Ein zweiter Abstrich in der Kloake, also im Hinterteil.

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Die Mitarbeitenden vom Veterinäramt schicken die Wattestäbchen dann an das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg. Dort wird ein PCR-Test gemacht. Nach ein bis zwei Tagen hat das Veterinäramt ein Ergebnis. Beim toten Schwan vom Seerhein war es positiv. Auch wenn das aktuelle Virus für Menschen nicht gefährlich ist: Wolfgang Fiedler rät einen toten Vogel nur anzufassen, wenn es sein müsse. Außerdem sollte man den Kadaver nur mit Handschuhen berühren. Anschließendes Händewaschen sei Pflicht.