Durchweg zufrieden können das Landratsamt und die Stadt- und Gemeindechefs mit diesem Ergebnissen nicht sein: 27.000 Bürger haben sich an den kreisweit ausgerufenen Testtagen beteiligt, knappe zehn Prozent der Bevölkerung. Das zuvor ausgegebene Ziel war es, dass sich etwa ein Drittel der Bevölkerung des Landkreises testen lässt, das wären etwa 95.000 Menschen gewesen.

Landratsamt wollte einen Überblick erhalten

Warum ist es so wichtig, dass sich viele testen lassen? Bei der Schnelltestaktion des Landkreises ging es darum, ein präziseres Bild über die Dunkelziffer der mit dem Coronavirus Infizierten zu bekommen und mögliche Infektionsketten zu durchbrechen. Letzteres ist in geringem Maße gelungen: In 95 Fällen wurden Personen positiv getestet, diese Ergebnisse werden noch durch PCR-Tests überprüft. Diese 95 Menschen hatten bis zum Testzeitpunkt keine Ahnung von ihrer Infektion, sie hätten also möglicherweise weitere Personen angesteckt.

Nach dem Test dauert es 15 Minuten, bis das Ergebnis feststeht.
Nach dem Test dauert es 15 Minuten, bis das Ergebnis feststeht. | Bild: Jarausch, Gerald

Unterschiedliche Ergebnisse in den Städten

In den einzelnen Städten und Gemeinden fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus, gemeinsam ist ihnen, dass die Beteiligung mäßig war. In Konstanz wurden etwa 12.500 Menschen getestet.

741 Tests in Engen

In Engen gab es 741 Tests, davon sei einer positiv ausgefallen, bei einem zweiten sei das Ergebnis nicht ganz klar gewesen, berichtet Bürgermeister Johannes Moser auf Nachfrage. Beide Ergebnisse müssten noch durch PCR-Tests überprüft werden. Das kreisweite Ergebnis, dass 95 positiv Getestete in Quarantäne geschickt wurden, bevor diese weitere Menschen anstecken konnten, sieht er positiv. „Der Aufwand war allerdings enorm“, räumt er ein. Die Verantwortlichen wollen nun die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung durch die Universität Konstanz abwarten, bevor sie entscheiden, wie sie weiter vorgehen.

Warum die mangelnde Begeisterung?

Woran die mangelnde Bürgerbeteiligung lag, kann sich Johannes Moser, der auch Vorsitzender des Kreisverbands des Städte- und Gemeindetags ist, nur zum Teil erklären. Möglicherweise sei es das schöne Wetter gewesen oder eine mangelnde Bereitschaft in der Bevölkerung, aktiv daran mitzuwirken, die Inzidenz langfristig zu senken. Manche Bürger hätten die Rückmeldung gegeben, dass ein konkreter Anreiz für das Testen fehlte, berichtet Marlene Pellhammer, Sprecherin des Landratsamts.

Michael Norgauer vom Malteser Hilfsdienst unterstützt in Allensbach bei der Testaktion.
Michael Norgauer vom Malteser Hilfsdienst unterstützt in Allensbach bei der Testaktion. | Bild: Gemeinde Allensbach

„Vielleicht fühlten sich auch viele bereits Geimpfte nicht mehr angesprochen“, sagt er. Am kommenden Freitag werde man im Kreis der Bürgermeisterkollegen nochmals besprechen, welche Arten an Testangeboten künftig im Fokus stehen sollen.

23 positive Ergebnisse in Radolfzell

Martin Staab, Oberbürgermeister von Radolfzell, hat die Aktion in großen Teilen koordiniert. Seine Bilanz fällt ebenfalls gemischt aus: „Das Testen und die dafür aufgebauten Strukturen haben reibungslos funktioniert. Wir konnten in Radolfzell 23 positive Fälle ausfindig machen – bei 3808 Tests. Ich hätte mir eine stärkere Beteiligung gewünscht. Auch wenn die Beteiligung geringer war als zu Beginn erwartet, konnten wir mit dieser Aktion doch einige Infektionsketten unterbrechen, um Öffnungsschritten ein kleines bisschen näher zu kommen“, schreibt er auf Anfrage. Die Testungen seien neben den Impfungen im Moment die Voraussetzung für mögliche Öffnungen.

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In Stockach ist die Bilanz ähnlich: Dort wurden 1209 Schnelltests gemacht. Zwei Fälle wiesen ein positives Ergebnis aus, wie Carsten Tilsner von der Stadt Stockach berichtet, allerdings war am Montagnachmittag noch nicht klar, ob sie durch PCR-Tests bestätigt wurden. Getestet wurde in Stockach in der Jahnhalle sowie in drei Ortschaften. Auch Firmen beteiligten sich. Die Helfer seien auf mehr Testwillige vorbereitet gewesen, schreibt Tilsner weiter. Er drückt Zweifel aus, ob das Angebot den Nerv der Bürger getroffen habe: „Wir sehen auch, dass wir mit dem Angebot solcher anlasslosen Tests am Wochenende am Bedürfnis vieler Bürger vorbei gehen und werden daher unsere Angebote unter der Woche ausweiten“.

Deutlich höhere Beteiligung in Allensbach

Mindestens einen Ausreißer in der Bilanz gab es allerdings. In Allensbach habe man 2143 Schnelltests nehmen können. Alle Tests seien negativ gewesen, worüber Daniel Hägele aus der Gemeindeverwaltung informiert. „Wir haben fast ein Drittel der Allensbacher Bevölkerung getestet, das war richtig stark“, wird Allensbachs Bürgermeister Stefan Friedrich in der Pressemitteilung zitiert, „vor allem, weil die Getesteten keinerlei Vorteile dadurch hatten“.

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Die Aktionstage hätten neben der Absicht, Infektionsketten zu durchbrechen den Zweck gehabt, gut vorbereitet zu sein für den Zeitpunkt, wenn Negativtests zur Eintrittskarte für Dienstleistungen den Zugang zu Kulturveranstaltungen werden. Dann müssen Städte und Gemeinde rasch eine Test-Infrastruktur aufbauen können. In den kommenden Tagen werden die Zahlen aller Tests erhoben und von der Universität Konstanz ausgewertet. Auch das Sozialministerium habe Interesse an der Testaktion gezeigt.