Es scheint ruhiger geworden zu sein auf den Straßen der Bodensee-Region. Dafür wird es enger auf den Radwegen. Diese Erkenntnis kann man aus der jüngsten Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz ziehen. Denn die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in den Landkreisen Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Zahl der Radunfälle aber gestiegen. „Dass es im ersten Halbjahr 2020 weniger Unfälle gab, hat sicher mit dem Lockdown im Frühjahr zu tun“, interpretiert Uwe Vincon, Pressesprecher des Polizeipräsidium Konstanz, die Zahlen.

Viele sind auf das Fahrrad umgestiegen

Die Menschen seien vermehrt zu Hause geblieben und hätten im Homeoffice gearbeitet. Kein Arbeitsweg bedeutet in diesem Fall auch, weniger Möglichkeiten auf dem Weg in einen Unfall verwickelt zu sein. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel blieben in dieser Zeit eher verwaist – aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. „Viele sind auf das Fahrrad umgestiegen“, schlussfolgert Vincon. Das Coronavirus habe daher sehr deutliche Spuren in der Statistik hinterlassen. Das könne man sehr gut anhand der Zahlen ablesen. Wobei der Kreis Konstanz hier mit seiner leicht gesunkenen Zahl eine Ausnahme bildet.

Bild: Steinert, Kerstin

Im Klartext heißt all das: Von Januar bis Juni ist es im Landkreis Konstanz 3043 Mal zum Verkehrsunfall gekommen. Im Vergleichszeitraum 2019, dem Jahr vor dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland, waren es noch deutlich mehr: 3814 Mal sind Verkehrsteilnehmer – ob im Auto, auf dem Motorrad, dem Fahrrad oder zu Fuß – in Unfälle verwickelt worden. Das ist ein Rückgang von 20,2 Prozent. Auch die Zahl der Leicht- und Schwerverletzten und tödlich verunglückten Personen ist signifikant gesunken. „2020 gab es bis zur Jahreshälfte nur zwei Todesopfer. 2019 hatten wir schon fünf Tote zu beklagen“, sagt Vincon.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Hauptursache für Unfälle

Zur Hauptunfallursache gehören aber nach wie vor nicht angepasste und überhöhte Geschwindigkeiten. „40 Prozent der Unfälle passieren, weil sich die Fahrer nicht an die vorgegebenen Geschwindigkeiten halten“, sagt Vincon. Er macht eine kleine Pause. Man hört, dass ihm das Thema wichtig ist. „Neben der überhöhten Geschwindigkeit sind Überholmanöver und mangelnde Verkehrstüchtigkeit Ursachen für Unfälle. Also fahren unter Alkoholeinfluss und Drogenkonsum“, erklärt der Polizeibeamte. Die Unfallstatistik sei für die Polizei sehr aufschlussreich.

Als Konsequenz hat das Polizeipräsidium Konstanz die Verkehrs- und Schutzpolizei angewiesen, ab September schwerpunktmäßig und flächendeckend Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Insbesondere auf Bundesstraßen werde man nun vermehrt auf Tempoverstöße achten und diese ahnden. „Viele Menschen denken bei solchen Aktionen, wir wollen sie abzocken. Dem ist aber nicht so. Es geht um Sicherheit. Wir sehen ja an den Zahlen, wo die Unfallursachen liegen. Wir sehen auch genau, wo die meisten Unfällen passieren“, sagt Vincon. Eine Unfallschwerpunkte-Strecke ist zum Beispiel die B 14 zwischen Stockach und Tuttlingen. Auf dieser Strecke komme es immer wieder zu schweren bis hin zu tödlichen Verkehrsunfällen wegen zu hohen Tempos.

Fahrradunfälle nehmen zu, nur im Kreis Konstanz nicht

Sorgen bereitet der Polizei auch die Anzahl der Fahrradunfälle. In den Landkreisen Tuttlingen, Rottweil, Konstanz und Schwarzwald-Baar sind die Gesamtzahlen diesbezüglich angestiegen. Es gab 2020 insgesamt 384 Unfälle, 14,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019. Der Trend nur auf den Landkreis Konstanz bezogen sieht aber anders aus. Hier ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. 2020 gab es 247 Unfälle, an denen Radler beteiligt waren, 2019 waren es 252. Das entspreche nicht dem bundesweiten Trend.

Das könnte Sie auch interessieren

Auffällig sei aber die Risikogruppe. „Mehr Senioren sind in die Unfälle verwickelt. Besonders in Bezug auf Pedelecs„, sagt Vincon. Seine Erklärung: Pedelecs sind nicht unbedingt billig, es könnten sie sich also mehrheitlich vermögendere Bevölkerungsgruppen leisten. „Das sind meist lebensältere Menschen“, sagt Vincon. Aber genau diese seien nicht so geübt im Umgang mit den schweren und schnelleren Fahrrädern.