Seit Anfang April können SÜDKURIER-Leser in der gedruckten Ausgabe fast täglich eine Grafik mit der Entwicklung der Corona-Fallzahlen im Landkreis Konstanz studieren. Diese Grafik soll visualisieren, wie schnell sich der Virus verbreitet, aber auch, wie viele Menschen genesen sind. Sie ist ein Zeitdokument, das sich jeden Tag aktualisiert. Aber wie genau muss man die Kurven deuten?

Warum geht die Zahl der Infizierten nicht zurück?

Aktuell gibt es im Landkreis Konstanz 454 Corona-Fälle (Stand 24.4.). Den ersten Infizierten meldete das Gesundheitsamt, welches dem Landratsamt Konstanz zugeordnet ist, am 6. März. Hierbei handelte es sich um eine Person, die aus dem Ski-Urlaub in Tirol zurückkehrte. Die rote Kurve zeigt also den Verlauf der Coronafälle ab der ersten labordiagnostisch bestätigten Infektion eines Bürgers des Landkreises Konstanz. Das bedeutet, dass die rote Linie fortschreitend immer mehr Fälle dokumentiert – unabhängig, wie viele Menschen zwischenzeitlich genesen sind. Im Klartext: Im Landkreis Konstanz wurden im Zeitraum März und April offiziell 454 Menschen offiziell positiv getestet. Eine Dunkelziffer in unbekannter Höhe wird nicht berücksichtigt. Deshalb spricht man in diesem Fall von bestätigten Fällen.

Wird die grüne Linie der Genesenen jemals die rote Linie der Infizierten übersteigen?

Die grüne Kurve steht für die Genesenen im Landkreis Konstanz. Also für die Menschen, die in der roten Kurve bereits dokumentiert sind und nach der offiziellen Quarantäne-Zeit oder der Behandlung im Krankenhaus wieder als gesund gelten. offiziell ersten genesenen Patienten gab es am 17. März, also elf Tage nach dem ersten Corona-Fall. Die Quarantäne-Zeit von Corona-Patienten liegt zwischen zehn und 14 Tagen. Auch diese Kurve ist fortschreitend und zeigt den Verlauf der Heilung.

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Warum aber wird die grüne Linie die rote Linie nicht treffen? Zum einen ist sie ungefähr zwei Wochen zeitverzögert zur roten Kurve. Zum anderen gibt es leider auch Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das heißt: Von den 452 Fällen sind acht Menschen (Stand: 24.4.) gestorben und können folglich nicht mehr genesen. Aber wenn es keine Neuinfektionen mehr gibt, wird sich die grüne an die rote Linie annähern. Die rote wird im Idealfall zu einer Geraden.

Was besagen die orange und die schwarze Linie?

Die orange und die schwarze Linie sind relativ flach – zum Glück. Denn sie zeigen die wirklich schweren Verläufe der Erkrankung auf. Während die orange Linie für die Covid-19-Patienten steht, die eine Behandlung im Krankenhaus brauchen, steht die schwarze Linie für die Todesfälle. Wichtig ist, dass die orange Linie relativ flach bleibt. Je steiler diese Kurve ansteigt, desto mehr Plätze im Krankenhaus werden für diese Personen benötigt.

„Musik-Virus“ ist der Titel dieses Kunstwerks, das Cornel Hutter im Mai 2019 beim Bildhauer-Symposium in Radolfzell geschaffen hat. Es steht im Mettnau-Park und hat eine unerwartete Aktualität erfahren.
„Musik-Virus“ ist der Titel dieses Kunstwerks, das Cornel Hutter im Mai 2019 beim Bildhauer-Symposium in Radolfzell geschaffen hat. Es steht im Mettnau-Park und hat eine unerwartete Aktualität erfahren. | Bild: Buchholz, Michael

Woran erkennt man, dass sich der Virus im Kreis Konstanz nicht so schnell verbreitet?

Je flacher die rote Linie, desto langsamer verbreitet sich der Erreger Sars Cov-2. Je steiler die Kurve, desto schneller haben sich die Menschen gegenseitig angesteckt. In der Grafik ist also gut zu erkennen, dass sich seit ungefähr dem 10. April weniger Menschen angesteckt haben. Die sogenannte Reproduktionszahl ist also geringer geworden. Unter der Reproduktionszahl verstehen Gesundheitsexperten, wie effizient sich eine Infektionskrankheit ausbreitet. Sie gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. Aktuell liegt die Reproduktionszahl in Baden-Württemberg bei 0,8 (Stand: 23.4.). Eine offizielle Zahl für den Landkreis Konstanz gibt es nicht.

Wie zählt das Gesundheitsamt die Corona-Patienten? Bis zum 24. März hat das Gesundheitsamt Konstanz nur Corona-Fälle als bestätigt angesehen, die labordiagnostisch nachgewiesen sind. Patienten mussten einen Rachenabstrich machen. Wer danach einen positiven Befund zurückbekam, galt als erkrankt. Ab dem 25. März zählte das Amt auch Menschen dazu, die im engen Kontakt mit einem nachweislich Infizierten stehen – beispielsweise einen Ehepartner – und die Symptome aufwiesen. Diese Erweiterung des Patientenkreises ist auch in der roten Kurve zu erkennen. Ab dem 25. März steigt die Kurve steiler an.

Die Deutsch-Schweizer Grenze an der Kunstgrenze auf dem Konstanzer Areal Klein Venedig ist jetzt mit zwei Zäunen abgesperrt.
Die Deutsch-Schweizer Grenze an der Kunstgrenze auf dem Konstanzer Areal Klein Venedig ist jetzt mit zwei Zäunen abgesperrt. | Bild: Scherrer, Aurelia

Wie steht der Landkreis im Vergleich zum Rest von Deutschland da? Bundesweit sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) die Länder Bayern (39.939, alle Stand: 24.4.), Nordrhein-Westfalen (31.196) und Baden-Württemberg (29.792) am stärksten betroffen. Von insgesamt 294 Landkreisen deutschlandweit liegt der Kreis Konstanz aktuell auf Platz 131. Laut einer Hochrechnung des RKI erkranken pro 100.000 Einwohner im Kreis Konstanz 141,1 Menschen an dem Erreger.

Und hier die Zahlen aus der Region

Bodenseekreis: 276 Coronafälle, 7 Tote.

Schwarzwald-Baar-Kreis: 464 Fälle, 14 Tote.

Tuttlingen: 414 Fälle, 11 Tote.

Sigmaringen: 734 Fälle, 29 Tote.

Waldshut: 285 Fälle, 32 Tote. (Quelle: Robert-Koch-Institut)

Thurgau: 358 Fälle, 14 Tote.

Schaffhausen: 70 Fälle, 5 Tote. (Quelle: Kantonsverwaltungen, alle Daten Stand 24.4.).