Der Gesundheitsverbund Kreis Konstanz (GLKN) ist in Finanznöten: Allein aus den Jahren 2020 und geschätzt für 2021 kommt ein Verlust von 22 Millionen Euro zusammen. Der Kreistag hat sich entschieden, diese Summe als Zuschuss für den angeschlagenen Verbund zu gewähren. Auf Dauer muss sich die Finanzsituation aber verbessern. Wie ist das möglich?

Diese Sparmaßnahmen sind denkbar

Klar ist, dass der Gesundheitsverbund Kosten einsparen muss. So könne man grundsätzlich immer noch etwas im Einkauf von Material sparen oder weitere Artikelstandardisierungen vornehmen, wie Bernd Sieber, Geschäftsführer des GLKN, erläutert. „Allerdings sind wir in diesen Dingen heute bereits gut dabei, der Gesundheitsverbund ist in einem kommunalen Einkaufsverbund organisiert.“ Die Apotheken wurden vor einigen Jahren zu einer Zentralapotheke zusammengefasst, die auch Krankenhäuser in zwei weiteren Landkreisen versorgt. Damit gebe es Einkaufsvorteile für den GLKN, erläutert Sieber. Allerdings seien in der Corona-Zeit die Einkaufspreise teilweise massiv gestiegen. Künftig müsse außerdem sichergestellt sein, dass gegenüber den Krankenkassen rasch abgerechnet werden kann.

Strukturveränderungen sind unverzichtbar

Klar ist auch, dass kleine Veränderungen nicht ausreichen werden. Deshalb soll ein Gutachten, das der Kreistag in Auftrag gegeben hat, Vorschläge machen, wie die künftige Struktur des GLKN aussehen könnte. Was verändert wird, entscheidet dann der Kreistag auf dessen Grundlage. Bernd Sieber erläutert die Optionen: „Es wäre grundsätzlich denkbar, lediglich einen Klinikstandort im Kreis zu betreiben, was allerdings einen Neubau in zentraler Lage bedeuten würde, oder man entscheidet sich für die Zweihäusigkeit, also Kliniken in Singen und Konstanz.“

Standorte bleiben, spezialisieren sich jedoch

Genauso aber könne das Gutachten empfehlen, die bisherigen Krankenhaus-Standorte beizubehalten (die Kliniken Konstanz, Singen, Radolfzell, Stühlingen), dort aber die ambulanten, teilstationären und stationären Angebote noch stärker zu profilieren – eine gute Versorgung in der Fläche und eine Spezialisierung an den Standorten. Bernd Sieber nennt ein Beispiel: Ein medizinisch exzellent und wirtschaftlich gut aufgestellter Bereich des GLKN etwa sei das Vincentius-Krankenhaus mit Schwerpunkt Orthopädie und Gelenkersatz.

So schätzt es der Geschäftsführer ein

Bernd Sieber steht für einen pragmatischen Blick auf die Dinge. „In der Struktur, in der der Verbund heute steht, sehe ich nicht, dass es ein ausgeglichenes Betriebsergebnis geben kann.“ Welchen Weg die Träger des Verbunds, Kreis und Städte, aber einschlagen, wird eine politische Entscheidung sein. Das Gutachten kann nur Empfehlungen aussprechen.

In welchen Bereichen tun sich private Träger leichter?

Ein privater Träger könne noch besser Leistungen konzentrieren und Größenvorteile nutzen. Er sei – anders als ein Landkreis, der einen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag hat – in der Regel auch nicht verpflichtet, die gesamte Fläche einzubeziehen. „Im Gegensatz zu einem kommunalen Träger muss er die Versorgungssicherheit nicht komplett gewährleisten“, erläutert Bernd Sieber, der vor seiner Tätigkeit am Gesundheitsverbund schon an privaten Häusern tätig war. Das bedeutet konkret: Ein privater Träger ist in seinen betrieblichen Entscheidungen freier als ein Träger, der in kommunaler oder in Verantwortung des Landkreises ist.