Familie Baumann streicht gerade das Motorschiff Alet, das am Steg in Allensbach liegt, während Familie Gieß in Wallhausen Hand an das MS Möwe legt. Die Betriebsamkeit täuscht über die Tatsachen hinweg.

Schiffe liegen weiter auf dem Trockenen

Auch wenn die Schiffe eigentlich startklar wären, so liegen sie dennoch auf dem Trockenen, denn an Auslaufen ist nicht zu denken. „Man sucht die Arbeit, die man sonst nicht machen würde“, meint Ralph Gieß, Inhaber der Personenschifffahrt Wilfried Gieß.

Und dann die stete Ungewissheit. „Wir wissen nicht, wann und wie es losgeht – und das zum zweiten Mal. Da resigniert man“, sagt Alexandra Gieß, sagt aber auch: „Wir sind Grund-Optimisten.“ Aufgeben komme nicht in Frage, zumal mit der 15-jährigen Tochter Alina die vierte Generation darauf wartet, Aufgaben zu übernehmen.

Knapp 40 Prozent Verlust

„Im vergangenen Jahr haben wir knapp 40 Prozent Minus gemacht“, stellt Alexandra Gieß fest. Eine Prognose für 2021 wagt sie nicht. „Linie darf man fahren, aber touristische Reisen sind untersagt.“ Wie ist die Möwe, die von Konstanzer Hafen über die Seestraße bis zur Therme fährt, einzustufen? Vom Landratsamt haben sie erfahren, dass dies als Linienschifffahrt zu betrachten sei und sie fahren dürften ohne Kioskverkauf, berichtet Alexandra Gieß.

Große Unsicherheit

„Ist es vielleicht doch eine touristische Reise?“ Die Unsicherheit überwiegt, denn falsch machen will die Familie nichts. „Was ist, wenn wir am Wochenende von den Leuten überrannt werden?“, gibt Ralph Gieß zu bedenken. Das will er sich nicht ausmalen.

Rentabel ist es erst, wenn Ausflüge hinzukommen

Der Schiffsbetrieb sei nur dann rentabel, wenn auch unter der Woche das Angebot in Anspruch genommen werde. „Die Mainau hat offen und die Überlinger Landesgartenschau starte auch. Aber man weiß nicht, ob die Leute kommen werden“, sagt Ralph Giess. Allein auf weiter Flur wollen sie nicht sein. Wenn Gastronomie und Hotels wieder geöffnet hätten, wäre es sinnvoll, denn dann könnten sie auch unter der Woche rentabel fahren.

Wann geht es weiter?

Doch wann kommt der Startschuss? Und wie ist mit der Notbremse umzugehen? Loslegen und drei Tage später wieder aufhören zu müssen, weil die Inzidenz wieder die Marke überschritten hat, das verunsichere zusätzlich, und zwar nicht nur die Schiffsbetreiber, sondern auch die Gäste.

Hochzeiten, Ausflüge – das klappt alles nicht

Birgitta Baumann von Schifffahrt Baumann – der Allensbacher Familienbetrieb wird in der sechsten Generation geführt – bestätigt das Gefühl der Ungewissheit. „Hochzeiten, Ausflüge, Goldene Hochzeiten, Geburtstagsfeiern – schon 2020 musste fast alles storniert werden“, schildert sie. Auch der Allensbacher Betrieb hatte Umsatzeinbußen. Der Sommer 2020 sei sehr gut gewesen. „Wir konnten bis Oktober fahren. Das war gut, aber das fängt die Einbußen nicht auf“, sagt sie. „Jetzt trauen sich viele schon gar nicht, ein Schiff für einen Anlass zu buchen.“

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Das könne Birgitta Baumann gut verstehen, denn planbar sei aktuell nichts. Sie nimmt eine Hochzeit als Beispiel. Niemand wisse, ab wann wie viele Personen feiern dürften. „Und selbst wenn sie dürften: Haben die Lokale geöffnet?“, wirft sie in den Raum.

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Wie verkraftet ein Familienbetrieb solche Einbußen? „Man spart hinten und vorne“, sagt sie und hoffe auf das Startsignal. „Zu Pfingsten, das wäre ein Traum. Aber ob das klappt?“ Im Gegensatz zu jenen Schiffsbetrieben, die auf dem Obersee kursieren, beschäftigt Baumann ein weiteres Problem. „Wir bräuchten dringend Wasser“, sagt sie mit Blick auf den niedrigen Wasserstand. „Am Untersee wirkt sich das gravierender aus, denn er ist viel flacher. Der Obersee hat andere Tiefen.“