Sie wabern im flachen Uferbereich sanft hin und her: Grünliche bis durchsichtige Blasen, auf den ersten Blick von Steinen kaum zu unterscheiden. In ihrem Innern ist eine Struktur erkennbar, die an Quallen erinnert. Fasst man die weichen Teile an, die unter anderem in Allensbach bei der Lände gesichtet wurden, stößt man auf eine glibberige Masse.

Ein Blick ins Internet scheint Klarheit zu verschaffen: Das müssen Süßwasserquallen sein. Die stammen eigentlich aus Südostasien, leben aber seit geraumer Zeit auch im Bodensee. 1999 wurden die harmlosen Quallen hier zum ersten Mal gesichtet. Doch Halt: Laut Experten überleben Süßwasserquallen nur bei einer Wassertemperatur über 25 Grad Celsius. Entdeckt wurden die Glibberteile in Allensbach allerdings im kühlen Mai.

Gallertkugeltierchen, Gattung Ophrydium

Wir begeben uns weiter auf die Suche nach einer Auskunft und werden beim Institut für Seenforschung in Langenargen fündig. Mitarbeiter Thorsten Rennebarth ist nicht überrascht von der Anfrage, denn Fischer des Gnadensees hatten die seltsamen Gebilde auch schon entdeckt und dem Institut eine Probe davon geschickt. „Dieses Material konnten wir am Mikroskop genauer untersuchen“, so Rennebarth. „Dabei handelt es sich um grüne Gallertkugeltierchen aus der Gattung Ophrydium, höchstwahrscheinlich um Ophyridium versatilis. Ich gehe davon aus, dass es sich bei den von Ihnen fotografierten Gallertobjekten auch um Kolonien der grünen Gallertkugeltierchen handelt“, schreibt er.

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Ophrydium gehört zu den Ciliaten (Wimpertierchen) und ernährt sich zum Teil über Bakterien und Algen, die aus dem umgebenen Wasser ausgefiltert werden, zum anderen Teil über Grünalgen, die die Körper der einzelnen Tierchen grün färben.“ Die Gallertkugeln sind Kolonien, bei denen viele dieser winzigen Wimpertierchen sich mit der Gallerte zu großen Gebilden zusammenkleben.

Kugeln sind „völlig harmlos“

Sind diese Kugeln gefährlich? Der Experte gibt Entwarnung: „Ophyridium versatilis ist eine einheimische Art, die als Anzeichen für sauberes Wasser angesehen wird und nach unserem Kenntnisstand völlig harmlos ist.“ Er erinnere sich daran, dass Ophrydium während seiner Studienzeit bei gewässerökologischen Untersuchungen separat erfasst wurde und ähnlich wie Armleuchteralgen als Indikator dafür gewertet wurde, dass das Gewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand ist.

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„In die heutige Gewässerbewertung fließt Ophrydium nicht mehr ein, da es keiner der Organismengruppen in den standardisierten Bewertungsverfahren angehört (also planktische Algen, Kieselalgen, Makrophyten, Makrozoobenthos, Fische)“, so Rennebarth. Warum es im Gnadensee in diesem Jahr zu der ungewöhnlich starken Vermehrung von Ophyridium gekommen ist, gibt auch ihm Rätsel auf.