In den vergangenen Tagen sind etliche Fälle betrügerischer Telefonanrufe im Kreis Konstanz bekannt geworden. Die Polizei ruft die Bürger dazu auf, bei unbekannten Telefonanrufern misstrauisch zu bleiben. Was steckt hinter diesen Anrufen? Kriminalhauptkomissarin Heidrun Angele, tätig im Referat Prävention beim Polizeipräsidium Konstanz, erläutert die Hintergründe.

Welche Betrugsmaschen nutzen die Täter?

Es gibt mehrere. Beinahe ausschließlich wurde in den vergangenen Tagen die Masche „falscher Kommissar“ genutzt. Dabei gibt sich der Anrufer als Kriminalbeamter aus und behauptet, in Wohnungen in der Nähe des Angerufenen sei eingebrochen worden. Man habe Erkenntnisse, dass die Diebesbande auch bei dem Angerufenen einen Einbruch plane. Der Anrufer fordere sein Opfer dann dazu auf, Wertsachen und Bargeld in eine Tüte zu packen und vor der Wohnung abzulegen. Ein Polizist werde vorbei kommen und die Wertsachen sicher verwahren.

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Wo sind solche Anrufe in den vergangenen Tagen vorgekommen?

Es habe eine massive „Welle“ im Kreis Konstanz gegeben, sagt Heidrun Hangele. In Konstanz wurden 15 Anrufe mit der Masche „falscher Kommissar“ gemeldet. Keiner der Angerufenen sei auf die Geldforderung eingegangen. Außerdem gab es Anrufe in Mühlhausen-Ehingen, in Eigeltingen, zwei in Aach, in Gottmadingen und anderen Gemeinden.

Begünstigt der Corona-Lockdown diese Form des Betrugs?

Eindeutig ja, sagt Heidrun Angele. Zum einen seien mehr Menschen als sonst zuhause. Zweitens seien viele Senioren von ihren Angehörigen isoliert. Bundesweit habe es eine Steigerung von 200 bis 300 Prozent gegeben seit dem Frühjahr.

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Mit welchen anderen Geschichten versuchen die Betrüger zu ködern?

Der „falsche Kommissar“ sei die mit Abstand häufigste Masche, berichtet Heidrun Angele, er werde etwa zu 70 Prozent eingesetzt. An zweiter Stelle folge der Enkeltrick. Dabei behauptet der Anrufer, dass ein Sohn oder Enkel des Angerufenen einen Unfall gehabt habe und dringend Geld für die Behandlung benötigt werde. Im Moment gebe es die Geschichte auch mit der Behauptung, der Angehörige sei im Krankenhaus und schwer an Covid-19 erkrankt. Beim Enkeltrick setzten die Betrüger auf die Schockwirkung der schlechten Nachricht. Eine weitere Masche ist das Gewinnversprechen: die Summe gebe es nur, wenn der Angerufene gewisse Gebühren entrichte.

Warum kommt es vor, dass der Angerufene die Betrugsmasche nicht durchschaut?

Beim Enkeltrick setzten die Täter klar auf die Schockwirkung, der Angerufene werde durch eine schlechte Nachricht im Denken gelähmt, erläutert Heidrun Angele. Beim „falschen Kommissar“ gingen die Anrufer äußerst professionell vor und verwickelten die Angerufenen in ein Gespräch.

Wer steckt hinter den Anrufen?

Die Anrufe kommen meist von einer unterdrückten Nummer, wie Hangele berichtet, manchmal sei auch die -110 im Display zu sehen. Dies solle dem Opfer suggerieren, dass die Polizei anrufe. Tatsächlich erfolgten die Anrufe oft aus einem Callcenter aus dem Ausland, häufig der Türkei. Die Betrüger seien bandenmäßig organisiert. Es gelinge manchmal, die Geldabholer zu erwischen, viel seltener die dahinter stehende kriminelle Struktur.

Wie sollte man sich bei einem solchen Anruf verhalten?

Erstes Alarmzeichen sei die Tatsache, dass angeblich die Polizei anrufe und nach Wertsachen frage. „Das würden wir als Polizisten niemals tun“, sagt Angele mit Nachdruck. Auch wenn auf dem Display eine -110 erscheine, solle man misstrauisch werden. Dies sei eine Notrufnummer, von der aus keine Anrufe möglich seien. Beim Enkeltrick sollte man nichts über Angehörige preisgeben. Niemals solle man Geld an Unbekannte übergeben. „Am besten legt man den Hörer schnell auf“, rät die Präventionsexpertin. Danach sollte man die Polizei informieren.