Sie dachte, er meine es ernst mit der großen Liebe, stattdessen wollte er nur große Gelbeträge. Eine 53-jährige Frau aus dem Landkreis Konstanz ist einem Internetbetrüger aufgesessen. Das teilte das Polizeipräsidium Konstanz in einer Pressenotiz mit.

Angefangen hatte die virtuelle Beziehung bereits vor einigen Monaten, so die Polizei. Über die Dating-Plattform Tinder lernte die Frau einen Mann kennen, der sich als Richard Javier Davis aus Manchester ausgab. Über längere Zeit hinweg täuschte der Mann Verliebtheit vor und erschlich sich so das Vertrauen der 53-Jährigen.

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In der Folge brachte der Unbekannte die Frau durch Vortäuschung verschiedenster Notlagen mehrfach dazu, Geld an ein von ihm genanntes Konto in Indonesien zu überweisen. Auf diese Weise ergaunerte er fast 30.000 Euro. Erst danach sei die Frau misstrauisch geworden und habe sich an die Polizei gewandt, so Polizeisprecherin Katrin Rosenthal.

Netflix-Serie macht Fälle bekannt

Betrugsfälle wie diese kommen immer wieder vor. Längst gibt es für die moderne Form des Heiratsschwindels sogar einen eigenen Begriff: Romance Scam oder Love Scam, also Liebesbetrug. Bekannt wurde die Betrugsmasche auch durch die Netflix-Dokumentation „Der Tinder-Schwindler“.

Die Betrüger seien oft daran zu erkennen, dass sie ihrem Opfer schon nach dem ersten Kontakt die große Liebe vorspielen und es mit Liebeserklärungen und leeren Versprechungen über eine gemeinsame Zukunft überhäufen, so die Polizei. Meist schmücken sie sich mit Bildern von attraktiven Personen, die sie im Internet finden und kopieren.

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„Keinesfalls sollte man bei solchen Bekanntschaften auf Geldforderungen eingehen“, betont Rosenthal. Stattdessen rät sie, die ausgetauschten Mail- und Chat-Texte vorsichtshalber immer zu sichern.

Laut der Online-Partnervermittlung Parship bedienen sich Scammer bevorzugt bestimmter Persönlichkeitsmerkmale, um Vertrauen zu erwecken. Männliche Betrüger sind demnach in ihren Profilen oft 30 bis 55 Jahre alt, verwitwet oder geschieden und suchen vorwiegend 35- bis 70-jährige Frauen.

Vorsicht vor britischen Ingenieuren

Als Berufe werden häufig Soldat und Ingenieur (Gas, Öl, Bau, Gold, Edelstein-Branche), als Nationalität US-Amerikaner oder Brite angegeben. Die Kommunikation finde fast immer auf Englisch statt und wechsele schnell in einen vertrauten Tonfall mit Einsatz von Kosenamen, heißt es auf der Internetseite von Parship.

Üblich seien auch Stimmungsschwankungen (auf rüde E-Mails folgen lange, sanfte Entschuldigungen), sehr nachdrückliche und emotionale Argumentation bei der Einforderung von Geld sowie ein schneller Wechsel auf externe Kommunikationswege wie Skype oder E-Mail.