Morgens halb acht in Allensbach. Daniela Erdmann wartet am Bahnsteig auf den Seehas. Fast jeden Tag pendelt sie mit dem Zug nach Konstanz. Seit über 20 Jahren hat sie ein Fahrkartenabonnement für den Zug. Aber in letzter Zeit ist sie nicht mehr zufrieden. „Seit einer Woche kommt nur noch ein Zug“, sagt sie und meint damit, dass die Seehas-Züge in einer Einzeltraktion verkehren.

Daniela Erdmann pendelt jeden Tag mit dem Seehas von Allensbach nach Konstanz.
Daniela Erdmann pendelt jeden Tag mit dem Seehas von Allensbach nach Konstanz. | Bild: Steinert, Kerstin

Fahrgäste stehen Schulter an Schulter

Normalerweise sollten in Corona-Zeiten immer zwei aneinandergereihte Züge in einer Doppeltraktion fahren. Tun sie aber nicht. Das ärgert Erdmann: „Die Leute stehen Schulter an Schulter im Zug. In den Viererabteils sitzen auch immer vier Personen. Abstand halten ist nicht möglich. Da hilft dann auch eine FFP2-Maske nicht mehr viel gegen eine Ansteckung mit Corona.“

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Das gleiche Trauerspiel zeichne sich auch am Nachmittag ab, wenn sie gegen 16 Uhr wieder von Konstanz nach Allensbach will. „Egal welchen Zug ich genommen habe, es war immer ein kurzer Zug. Das geht doch nicht“, sagt Erdmann.

Wintereinbruch hat SBB GmbH hart getroffen

Dass kürzere Seehas-Züge in den vergangenen Tagen gefahren sind, bestätigt Daniel König, Pressesprecher der SBB GmbH. Das Schweizer Unternehmen betreibt die Seehas-Züge. „Einzelne Züge, bei weitem nicht alle, mussten in den vergangenen Tagen leider in Einzeltraktion verkehren, da uns der Wintereinbruch seit Donnerstag letzter Woche hart getroffen hat“, erklärt König. So seien zwei Züge mit Ästen kollidiert. Bei einem Zug sei die Frontscheibe zu Bruch gegangen. An anderen Zügen gebe es ebenfalls Schäden – auch Standständen, „da die Abstellung Klein-Venedig in Konstanz komplett eingeschneit war.“

Auch im Schwarzwald haben die Schneemassen den Schienenverkehr erschwert. Die Schwarzwaldbahn der Deutschen Bahn konnte zeitweise nicht fahren. „Das hat man auch gemerkt. Wer normalerweise mit der Schwarzwaldbahn von Allensbach oder Singen nach Konstanz gependelt ist, musste eben auch den Seehas nutzen“, hat Erdmann festgestellt.

Die Passagiere in der Schwarzwaldbahn konnten sich auf der Strecke zwischen Allensbach und Radolfzell an einem seltenen Anblick erfreuen: Tief verschneit breitete sich vor ihren Augen der Markelfinger Winkel aus.
Die Passagiere in der Schwarzwaldbahn konnten sich auf der Strecke zwischen Allensbach und Radolfzell an einem seltenen Anblick erfreuen: Tief verschneit breitete sich vor ihren Augen der Markelfinger Winkel aus. | Bild: Buchholz, Michael

Seehas-Züge waren in Konstanz eingeschneit

Zurück zu den Zügen der SBB GmbH: Allein drei Fahrzeuge hätten SBB-Techniker aus der Schweiz, dem Technischen Hilfswerk (THW) Konstanz und Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Samstag vor einer Woche vom Schnee befreien müssen. Es habe so viel auf den Dächern der Züge gelegen, dass die Stromabnehmer sich schlichtweg nicht hätten heben können. Und ohne Kontakt zur Oberleitung fahre kein Seehas.

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„Die Fahrzeuge, die aufgrund von Schäden in die Werkstatt mussten, wurden und werden seit Sonntag wieder instandgesetzt, womit wir über die Woche hinweg immer mehr Züge wieder in Doppeltraktion verkehren lassen konnten und können“, sagt König.

Ab Montag fahren die Züge wieder in Doppeltraktion

Im Normalfall stehen dem Seehas acht Züge und ein neunter Zug in Reserve zur Verfügung. Mit Stand Freitag (22. Januar) stehen für den Einsatz sieben Fahrzeuge bereit. „Für Montag sind wieder acht Fahrzeuge vorgesehen, das heißt, ab kommender Woche sollten wieder alle planmäßig in Doppeltraktion verkehrenden Züge auch so unterwegs sein“, versichert der Pressesprecher.

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Das sind gute Nachrichten für Daniela Erdmann und alle anderen Fahrgäste des Seehas. Wirklich verzichten kann sie nämlich nicht auf den Zug. Sie arbeitet als Beraterin bei einer Bank. „Das Bankgeheimnis kann aus meinem Wohnzimmer einfach nicht so gut gewahrt werden“, erklärt sie, warum Homeoffice für sie keine gute Alternative ist. Deshalb wird sie am Montag gegen 7.30 Uhr in Allensbach am Bahnhof stehen und hoffen, dass der Zug diesmal in der gewohnten Doppeltraktion fahren wird.