Bei der Wasserschutzpolizei in Konstanz bilden vier Beamte das sogenannte Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität Baden-Württemberg. Die verdeckt agierende Spezialeinheit arbeitet mit Fahndern aus vielen Ländern zusammen. In den 19 Jahren ihres Bestehens hat sie maßgeblich mitgeholfen, gestohlene maritime Vermögenswerte im Gesamtwert von 42 Millionen Euro sicherzustellen. Dabei kann es zu filmreifen Aktionen kommen.

Während in der Fernsehserie „Wapo Bodensee“ Nele Fehrenbach und ihre Kollegen auf und um den Bodensee Verbrecher jagen, gibt es genau dort ein Quartett von echten Wasserschutzpolizisten, das weltweit in die Fahndung nach gestohlenen Booten und wertvollem Zubehör eingebunden ist: das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität Baden-Württemberg (KBK). Angesiedelt ist es bei der Wasserschutzpolizei-Station Konstanz. In den 19 Jahren seines Bestehens war das KBK an der Sicherung maritimer Vermögenswerte von über 42 Millionen Euro maßgeblich beteiligt, schildert die Fahndungsgruppe in ihrer Bilanz für das Jahr 2019.

Anfang April 2019 versuchte die Fernseh-Wapo im Vorabendprogramm in einem Kloster auf der Reichenau einen Mörder dingfest zu machen. Derweil befanden sich die Konstanzer Ermittler in einem Wettlauf gegen die Zeit. Eine gestohlene 25-Meter-Yacht im Zeitwert von drei Millionen Euro drohte auf Nimmerwiedersehen in Richtung Russland zu verschwinden. Die Yacht vom Typ Princess 75 hatte am 3. April mit fremder Besatzung den Hafen von Palma de Mallorca verlassen. Erst vier Tage später bemerkte der deutsche Besitzer den Diebstahl.

Nach Angaben des KBK war schnell klar, dass die Yacht unter geändertem Namen und neuer Registrierung den Kanal von Korinth passiert hatte. Über einen Kontaktmann und Hinweise des KBK sei die Princess 75 am 9. April im türkischen Mittelmeerhafen Güllük aufgespürt worden. Die Besatzung soll gerade die Weiterfahrt ins Schwarze Meer vorbereitet haben. KBK, Wasserschutzpolizei Berlin und Bundeskriminalamt Wiesbaden überzeugten die türkischen Behörden, die Yacht sicherzustellen. Dies geschah laut KBK am 10. April unmittelbar vor dem geplanten Auslaufen in russische Gewässer.

Dieser Fall mit seiner filmreifen Dramaturgie ist ein Beispiel für die internationale Zusammenarbeit der Fahnder. Ermittler aus Deutschland und zwölf europäischen Ländern haben im vergangenen Jahr 21 Sportboote, drei Jetski, 99 Außenbordmotoren und 15 Bootstrailer im Gesamtwert von über 6,2 Millionen Euro sichergestellt, der bislang höchste Jahreswert. Im Vorjahr lag er bei 5,1 Millionen Euro. Der sogenannte Beifang (Autos, Motorräder, E-Bikes) wird mit 160.000 Euro beziffert.

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Das Konstanzer KBK-Quartett möchte lieber unerkannt weiter ermitteln. Aber einer, der acht Jahre lang dazu gehört hat, kommt aus der Deckung: Andreas Dummel. Er ist heute Chef der Wapo-Station Konstanz und bezeichnet die acht Jahre beim KBK als die schönsten in seiner bisherigen Polizeiarbeit. „Das Kompetenz-Zentrum ist eine Spezialeinheit der Wasserschutzpolizei und ein Aushängeschild der Polizei in Baden-Württemberg“, sagt er gut gelaunt. Da die Vorgesetzten die Erfolge des Quartetts sähen, werde es auch nach Kräften unterstützt. Beispielsweise durch die Genehmigung von Dienstreisen zu Fachtagungen und Ausbildungsveranstaltungen mit Polizeibeamten aus ganz Europa oder zu internationalen Fahndungsaktionen, wie im vergangenen Jahr in Montenegro.

„Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität ist eine Spezialeinheit der Wasserschutzpolizei und ein Aushängeschild der Polizei in Baden-Württemberg.“Andreas Dummel, Leiter der Station Konstanz der Wasserschutzpolizei.
„Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität ist eine Spezialeinheit der Wasserschutzpolizei und ein Aushängeschild der Polizei in Baden-Württemberg.“Andreas Dummel, Leiter der Station Konstanz der Wasserschutzpolizei. | Bild: Wapo Konstanz

Seine Anerkennung zollt Andreas Dummel insbesondere dem Initiator der Einheit: „Wenn der Kollege nicht seit Jahrzehnten so viel Herzblut ins KBK gesteckt hätte, wäre es nicht da, wo es heute ist.“

Heute, das heißt, gewissermaßen mit im Boot zu sein, wenn in Thailand ein gestohlener Katamaran im Zeitwert von 770.000 Euro sichergestellt wird. Meist spielt sich das Geschehen aber in zwölf europäischen Ländern ab. Die im vergangenen Jahr dingfest gemachten mutmaßlichen Täter stammen laut KBK aus 16 Nationen, zumeist aus Osteuropa. Die gut organisierten Banden hätten auf ihren gezielten Beutezügen ihre „Reisekasse“ auch durch den Diebstahl einzelner Außenbordmotoren aufgebessert.

Die Betrüger sind nach Erfahrungen des Kompetenz-Zentrums überaus kreativ. So verwiesen sie auf Internet-Links von scheinbar existierenden oder auch seriösen Speditionen oder Bootshändlern aus dem Ausland, wo das angebotene Boot angeblich zu besichtigen sei. Auch verwendeten sie gescannte, eventuell gefälschte Pässe und Bootsurkunden. Falsche oder betrügerisch erlangte echte Kontodaten verstärkten das Gefühl eines ernsthaften Verkaufs durch ein seriöses Gegenüber.

Trotz raffinierter Maschen der Kriminellen ist in Deutschland die Zahl der registrierten Diebstähle laut KBK rückläufig: Im vergangenen Jahr waren es bei 179 entwendeten Sportbooten neun Prozent weniger als im Jahr 2018. Bei den gestohlenen Außenbordmotoren ging die Zahl auf 795 zurück, 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Hier stellen die Ermittler aber einen Trend zum Diebstahl stärkerer Motoren fest. Ab 60 PS stieg der Anteil von drei auf elf Prozent, bei Motoren ab 100 PS von drei auf neun Prozent. Ein neuwertiger 100-PS-Außenborder ist unter 10.000 Euro legal kaum zu bekommen.

Hier gibt‘s Infos und Unterstützung

Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität überprüft auf Wunsch zum Verkauf angebotene Objekte. Telefonische Anfragen können an die Nummer (07531) 5902-300 gerichtet werden. Dieses Angebot gilt auch für Österreich und die Schweiz. Im Internet gibt es auch ein Faltblatt zu Risiken und Hinweisen beim Kauf eines gebrauchten Sportbootes.

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