Knapp die Hälfte der Deutschen wohnt zur Miete, so viel wie nirgendwo in Europa. Dabei ist Wohnraum – gerade in Baden-Württemberg – knapp und deshalb mitunter sehr teuer. Aber nicht nur in Ballungsräumen haben Mieter heute mit teils extremen Wohnkosten zu kämpfen, sondern auch am Bodensee. Konstanz, Friedrichshafen oder Lindau gehören laut F+B-Wohnindex zu den 50 teuersten Städten in Deutschland für Mieter. Konstanz lag im ersten Quartal 2019 auf Rang 9, Friedrichshafen auf Platz 43. Wer hier im vergangenen Jahr einen neuen Mietvertrag unterschrieben hat, muss pro Quadratmeter kalt durchschnittlich 11,10 Euro (Konstanz) beziehungsweise 9,70 Euro (Friedrichshafen) bezahlen.

Damit die Mieten nicht weiter in astronomische Höhen steigen, führte der Gesetzgeber 2015 die Mietpreisbremse ein. Ziel der Vorgaben: Wo der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist, sollen Vermieter nicht mehr als zehn Prozent über der Vergleichsmiete verlangen dürfen. In Baden-Württemberg gehörten 68 Städte und Gemeinden dazu, von Beginn an auch Konstanz und Friedrichshafen. Doch so richtig griff die Bremse nicht: Die Preise stiegen weiter, auch in den Seestädten, vor allem deshalb, weil Vermieter keine Sanktionen fürchten mussten und Mieter kaum eine Chance hatten, ihr Recht einzuklagen.

Deshalb hat die Bundesregierung das Gesetz zum 1. Januar 2019 nachgebessert – und zum 1. April 2020 noch einmal geschärft. In welchen Städten und Gemeinden der Preisdeckel für Mieten nun gilt, bestimmen die Länder. In Baden-Württemberg gilt die neue Verordnung seit dem 4. Juni nun in 89 Städten und Gemeinden. Konstanz und Friedrichshafen gehören genau wie Radolfzell, Singen oder Weingarten weiterhin dazu. Rausgefallen sind Rielasingen-Worblingen, Tettnang und Ravensburg. Neu dabei sind Eigeltingen, Büsingen am Hochrhein, Reichenau und Überlingen.

Wie kann es sein, dass die Mietpreisbremse weiter in Singen gilt, im benachbarten Rielasingen-Worblingen aber nicht mehr? Grundlage der neuen Landesverordnung ist ein Gutachten des F+B-Instituts. Das hat für jede der 1101 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg eine Reihe von Daten ausgewertet. So wurde untersucht, ob es vor Ort an Wohnraum mangelt, wie hoch die Mietbelastung der Haushalte oder die Differenz zwischen Markt- und Vergleichsmiete ist.

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