Landrat Zeno Danner möchte mit guten Nachrichten in die Corona-Konferenz des Landratsamtes einsteigen. „Wir haben keine nennenswerten Rückstände mehr bei unseren Fallmeldungen“, sagt er. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis liegt laut dem Landesgesundheitsamt bei 1832,2 (Stand: 22. März). Danner verweist aber auch darauf, dass es ein hohe Dunkelziffer bei den Corona-Fällen gebe. „Wir haben den Eindruck, dass es viele gibt, die infiziert sind, sich aber nicht testen lassen und insofern in keiner Statistik auftauchen“, erklärt der Landrat.

So ist die Lage in den Kliniken

„Wir befinden uns in einer Phase mit hohem Druck. Das generiert sich durch die zahlreichen Patienten, die in die Notaufnahme kommen, weil sie besorgt sind und abgeklärt werden müssen“, sagt Ivo Quack, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Konstanz. Momentan seien 14 Corona-Patienten zur Behandlung im Klinikum, eine Frau davon liege auf der Intensivstation.

Ivo Quack, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Konstanz: „Wir befinden uns in einer Phase mit hohem Druck. Das generiert ...
Ivo Quack, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Konstanz: „Wir befinden uns in einer Phase mit hohem Druck. Das generiert sich durch die zahlreichen Patienten, die in die Notaufnahme kommen, weil sie besorgt sind und abgeklärt werden müssen.“

Besonders heftig wirke sich weiterhin der hohe Personalausfall aus. „Es ist immer so, dass es gerade noch funktioniert. Gott sei Dank. Aber das zermürbt natürlich die Mitarbeiter extrem“, sagt Quack. Elektive, also planbare, Eingriffe würden daher auch künftig wieder abgesagt oder verschoben werden.

So sieht es in Singen und Radolfzell aus

Marc Kollum, Chefarzt in den Hegau-Bodensee-Kliniken (HBK), bestätigt den hohen Druck in den Standorten Singen und Radolfzell. „Wir sind mit Covid- und Non-Covid-Patienten gut ausgelastet“, sagt Kollum. In Singen liegen 18 Patienten mit Covid-19 und mit Verdacht, drei davon auf der Intensivstation, Radolfzell behandelt 25 Personen stationär. Einschränkend sei auch hier die Personalsituation. „Viele Pflegende und Ärzte sind in Quarantäne“, erklärt er.

Marc Kollum, Chefarzt in den Hegau-Bodensee-Kliniken: „Wir sind mit Covid- und Non-Covid-Patienten gut ausgelastet.“
Marc Kollum, Chefarzt in den Hegau-Bodensee-Kliniken: „Wir sind mit Covid- und Non-Covid-Patienten gut ausgelastet.“ | Bild: Andrea Jagode/GLKN

Das sind die Infiziertenzahlen:

„Wenn man hört, wie es in den Krankenhäusern zugeht, ist es schwer nachzuvollziehen, warum wir jetzt in eine allgemeine Lockerungsorgie verfallen“, sagt Landrat Danner und ergänzt, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. „Wir haben anhaltend hohe Fallzahlen“, sagt er. Aktuell gibt es im Kreis 7800 Infizierte.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht:

Seit dem 15. März müssen Pflegeeinrichtungen ungeimpfte Mitarbeiter melden. 51 Einrichtungen haben dies nach Auskunft von Stefan Basel, Sozialdezernent des Kreises Konstanz, bereits getan. 460 nicht geimpfte Personen haben daher vom Landratsamt ein Anhörungsschreiben erhalten. „Wir schreiben die nicht immunisierten Personen an, fragen nach, ob es Gründe dafür gibt und weisen daraufhin, dass sie die Möglichkeit haben, sich noch impfen zu lassen. Anhand dieser Rückmeldungen entscheiden wir dann einrichtungsweise das weitere Vorgehen“, erklärt Basel.

Landrat Zeno Danner bei der Ukraine Demo auf dem Münsterplatz mit Gottesdienst und Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie Bild: ...
Landrat Zeno Danner bei der Ukraine Demo auf dem Münsterplatz mit Gottesdienst und Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie Bild: Oliver Hanser | Bild: Hanser, Oliver

Landrat Zeno Danner macht klar: „Wenn jemand dann nein sagt, dann kann es relativ schnell gehen. Dann gibt es da nicht mehr viel zu diskutieren.“ Bei stark betroffenen Einrichtungen könne es dann eine Mischlösung geben. Das bedeutet: Zum Teil Betretungsverbot, zum Teil Bußgeld.