„Investition statt Kurzarbeit!“, lautet der prägnante Aufruf der Kreishandwerkerschaft Westlicher Bodensee an die öffentlichen Verwaltungen. „Sorgen Sie jetzt schnell und einfach für Aufträge im Handwerk“, bittet hierin Kreishandwerksmeister Hansjörg Blender den Landrat und die Bürgermeister, aber auch private Auftraggeber, um drohende Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Nach der Corona-Krise mangelt es wahrscheinlich an Geld

Denn einige Betriebe mussten aufgrund der Pandemie-Verordnungen schließen. Schwer hätten es auch alle jene kleinen Werkstätten, die sich zudem über ein Ladengeschäft finanzieren, so Blender gegenüber dem SÜDKURIER.

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Sorgen bereitet ihm nicht nur die aktuelle Krisenzeit, sondern insbesondere die langfristigen Auswirkungen. „Die große Frage ist: Investieren die Leute noch?“, meint Blender. Nicht nur Privatleuten, auch Städten und Gemeinden, davon geht er aus, würde es im Nachklang der Corona-Krise längere Zeit an Geld mangeln. Daher hofft er zumindest, dass – wenn Aufträge vergeben werden – die lokalen Handwerksbetriebe bevorzugt würden.

„4000 Anträge bei uns eingegangen“, berichtet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz mit seinen etwa 12.500 Mitgliedsbetrieben im Kammerbezirk.
„4000 Anträge bei uns eingegangen“, berichtet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz mit seinen etwa 12.500 Mitgliedsbetrieben im Kammerbezirk. | Bild: Larissa Hamann

Mehr als 4000 Anträge für Soforthilfe

Die angespannte Situation im Handwerk spiegelt sich in der hohen Nachfrage an Soforthilfe wider. Bislang seien mehr als „4000 Anträge bei uns eingegangen“, berichtet Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz mit seinen etwa 12 500 Mitgliedsbetrieben im Kammerbezirk.

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Bis Ostern seien 50 Mitarbeiter sieben Tage die Woche mit der Prüfung von Antragen sowie mit Beratung der Betriebe beschäftigt gewesen.

Vor allem Friseure betroffen

Die Handwerkszweige seien jedoch unterschiedlich betroffen. Jene, die im Baugewerbe tätig seien, hätten bislang die wenigsten Einbußen. Schwer hingegen sind all jene betroffen, die aufgrund der Pandemie schließen mussten.

Besonders schwer von der Corona-Krise sind Friseure betroffen.
Besonders schwer von der Corona-Krise sind Friseure betroffen. | Bild: Markus Scholz

Friseure, Kosmetik- und Nagelstudios nennt er als Beispiele und beschreibt deren Lage als „dramatisch“. „Gerade bei Solo-Selbständigen und Kleinstbetrieben ist der Hilferuf am allergrößten“, stellt Georg Hiltner fest.

Stehen 2500 Betriebe im Kreis Konstanz vor dem Aus?

„Wenn ein Betrieb schließen muss, vor allem wenn der Umsatzverlust auf Null – wie jetzt – abrupt kam, dann ist es in den meisten Fällen schnell existenzbedrohend, wenn keine ausreichende Liquiditätsrücklage vorhanden ist.“ In Beratungsgesprächen würde häufig deutlich, dass es in manche Branchen schwierig sei, Rücklagen zu bilden.

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Er geht davon aus, dass etwa 2500 Betriebe im Kammerbezirk Konstanz akut in ihrer Existenz gefährdet seien. Auch die vielen Mischbetriebe, die sowohl eine Werkstatt als auch ein Ladengeschäft betreiben, wie beispielsweise Goldschmiede, hätten ihre Not, berichtet Georg Hiltner.

Mischbetriebe haben es besonders schwer

Welche Auswirkungen der Shutdown auf Mischbetriebe hatte, zeigt sich am Beispiel des Konstanzer Graveurmeisters Thomas Keck.

Der Familienbetrieb, der vor 52 Jahren von seinem Vater Horst Werner Keck gegründet wurde, hat viele Höhen und Tiefen überstanden, weil der Gründer den Betrieb mit Werkstatt und Ladengeschäft auf drei Säulen aufbaute: Fertigung für Schilder, Stempel und Werbebeschriftungen dazu Sport- und Ehrenpreise sowie Industriegravuren. Die letztgenannten beiden Segmente sind durch die Corona-Krise „komplett weggefallen“, stellt Thomas Keck fest.

Werkstätten haben meistens auf

„Wir halten uns mit den verbliebenen Aufträgen, unseren Ersparnissen und der Soforthilfe über Wasser“, sagt Keck. Das große Problem, das er und seine Kollegen haben: „Geschlossene Geschäfte suggerieren, dass auch die Werkstatt geschlossen hat.“ So sei es schwierig bis unmöglich, Neuaufträge zu erhalten.

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Dabei ist die Werkstatt in Betrieb und die Ware könnte abgeholt, ausgeliefert oder versendet werden. Graveurmeister Keck hat deshalb extra ein Schild gefertigt und an die Ladentüre gehängt, um die Kunden auf diese Möglichkeiten hinzuweisen. Erleichtert ist er, dass die Bundesregierung jetzt zumindest die Öffnung der kleinen Geschäfte gestattet hat.

Kleine Geschäfte können wieder öffnen

„Gestern sind wir im Rahmen unserer üblichen Öffnungszeiten durchgestartet“, sagt Thomas Keck und fügt an: „Selbstverständlich werden wir alles dafür tun, um unsere Kunden und uns zu schützen.“ Dazu gehöre auch eine Acrylglasscheibe, die er selbst produziert hat.

Er steht hinter den politischen Entscheidungen, auch jenen der vergangenen Wochen, die dem Wohl aller Menschen dienten. Aber er freut sich, dass die kleinen Geschäfte wieder öffnen können. „Wenn alle Mitbürger die Unternehmen mit ihren Angeboten nutzen, dann bin ich mir sicher, dass viele – wenn auch mit einem blauen Auge – überleben werden.“

Ein zweiter Shutdown wäre eine Katastrophe

Auch Georg Hilner hofft, dass alle Maßnahmen greifen. Schließlich gelte es, die Pandemie zügig in den Griff zu bekommen, denn: „Ein zweiter Shutdown wäre volkswirtschaftlich eine absolute Katastrophe.“