Frank Stolz ist einiges gewöhnt. Er ist Physiotherapeut und Leiter einer eigenen Praxis mit elf Mitarbeitern in Bohlingen. Neben dem Geschäft in der Praxis gehen er und seine Mitarbeiter auch in Pflegeheime, um dort Patienten zu behandeln. Physiotherapeuten gehören beim Impfen daher der höchsten Prioritätsgruppe an – da sie dicht bei den Senioren arbeiten.

Wie ein Physiotherapeut einen Termin vereinbart

Inzwischen hat Frank Stolz seinen Impftermin – in gut zwei Wochen. Der Weg dahin war allerdings höchst verschlungen. Zunächst habe er es in der vergangenen Woche online probiert und bekam gleich einen Impftermin angeboten. „Als ich den zweiten Termin buchen wollte, wurde ich gleich aus dem System geworfen“, berichtet Stolz.

Die Webseite zeigte Wartungsarbeiten an. In der Folge wurde ihm der erste Termin wieder abgesagt. Bei einem Versuch am Telefon konnte ihm seine Ansprechpartnerin nicht weiterhelfen. Erst nach mehreren weiteren Versuchen, online Impftermine zu bekommen, war Stolz erfolgreich.

Wichtig für den Zutritt zu Pflegeheimen

„Es mag nicht repräsentativ sein, aber ich habe es bestimmt 100 mal versucht“, sagt er. „Hier geht es auch um Arbeitszeit, die wir dafür aufbringen.“ Inzwischen hat nicht nur Stolz seine Impftermine, sondern auch zehn seiner Mitarbeiter, die Hälfte ist bereits geimpft. Stolz, der sich für seine Mitarbeiter verantwortlich fühlt, ist das wichtig. „Wir sind viel in den Seniorenheimen Emil-Sräga und St. Verena tätig. Wir haben bereits erlebt, dass unsere Patienten dort an Corona starben. Mir ist wichtig, zu tun, was wir können, um sie zu schützen.“

Pflegeheim zwischen den Impfterminen geschlossen

Dominik Eisermann, Leiter des Emil-Sräga-Pflegeheims in Singen, wäre dankbar, wenn es rasch voranginge mit dem Impfen jener Personen, die zum Seniorenheim Zutritt haben. Die Bewohner wurden am 31. Dezember geimpft – das Emil Sräga-Haus war die erste Einrichtung im Kreis, deren Bewohner geimpft wurden. „Bis zum zweiten Impftermin habe ich das Haus für Besucher geschlossen“, erläutert er, „ich wollte nicht riskieren, dass die zweite Impfung abgesagt wird.“

Inzwischen dürfen Besucher das Heim wieder betreten, aber nur nach einem Schnelltest wie in anderen Senioreneinrichtungen auch. Er habe die Erfahrung gemacht, dass bei jeder Testung jemand ein positives Ergebnis erhalten habe. Das mache ihm Sorgen. Schon deshalb wäre es ihm deutlich lieber, wenn alle, die regelmäßig ein und ausgehen, geimpft wären.

Besser wäre, wenn auch Handwerker geimpft wären

„Das hört aber nicht beim Physiotherapeuten auf“, sagt Eisermann, „Eigentlich müsste auch das Personal des Sanitätshauses, der Zahnarzt, Wartungsfirmen und Handwerker geimpft werden.“ Ein weiteres Thema seien die neu einziehenden Bewohner, die noch nicht geimpft seien. „Wenn sie pflegebedürftig sind, kann ich nicht mit ihnen ins Kreisimpfzentrum“, sagt Eisermann. Er rechne damit, zu warten, bis sie beim Hausarzt geimpft werden können.

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Für dieses Problem hat Bärbel Sackmann, Leiterin des Marienhauses in Konstanz, eventuell eine Lösung in Aussicht. Sie sei mit zuständigen Stellen im Landratsamt im Gespräch darüber, dass das mobile Impfteam das Pflegeheim nochmals besuchen könne, sobald 15 neue Bewohner aufgenommen seien. Auch andere Pflegeeinrichtungen könnten möglicherweise auf diese Lösung zurückgreifen, bei allen vorausgesetzt, dass ausreichend Impfstoff vorhanden ist.

Ansonsten habe sie Arbeitgeberbescheinigungen für Berufsbetreuer und Physiotherapeuten ausgestellt. „Ich finde es extrem wichtig, dass Physios geimpft werden, da sie sehr nah am Patienten arbeiten“, sagt Sackmann.

Heimleiterin gibt sich optimistisch

Ärzte hingegen seien in der Regel bereits geimpft. Bei der Friseurin, die regelmäßig komme, sei sie nicht sicher. „Insgesamt bin ich aber im Moment optimistisch. Die pflegenahen Bereiche werden geimpft, es geht jetzt schneller.“ Etwa 65 Prozent des Pflegepersonals habe sich im Marienhaus impfen lassen, bei den Bewohnern sei es ein ähnlicher Prozentsatz. „Mit dieser Quote waren wir ganz zufrieden“, sagt sie.

Auch bei jenen, die täglich mit den Jüngsten zu tun haben, geht es voran, allerdings nicht ohne Komplikationen. Lata Schauenburg, Erzieherin im St.-Josef-Kindergarten in Radolfzell, bekam zunächst keinen Termin am Impfzentrum Singen und meldete sich stattdessen in Tuttlingen an.

Lata Schauenburg kurz vor ihrer Impfung am Kreisimpfzentrum Singen.
Lata Schauenburg kurz vor ihrer Impfung am Kreisimpfzentrum Singen. | Bild: Susanne Toepfer

Nach mehreren Versuchen hatte sie bei der Online-Terminvergabe für Singen am Wochenende doch noch Glück. Sie wurde am Montag geimpft. „Auch bei der Hotline habe ich angerufen – aber dabei bekommt man Aggressionen. Es funktioniert gar nicht.“ Mehrere ihrer Kolleginnen organisierten ebenfalls Impftermine in Singen, einige aber fahren für die Impfung nach Tuttlingen.