Mila und Lea sind schon Profis. Die fünfjährigen Zwillingsschwestern aus Konstanz packen in ihrer Kita selbst ihr Teststäbchen aus, lutschen es eine halbe Minute lang und stecken ihre Probe dann in ein Röhrchen, das später ins Labor gebracht wird. „Der Corona-Test ist gar nicht schlimm“, sagen Mila und Lea. Sie und alle anderen Kinder in Baden-Württemberg ab dem Alter von einem Jahr müssen seit Montag entweder mit zwei PCR-Tests oder mit drei Antigen-Schnelltests pro Woche getestet werden. Die Landesregierung überlässt den Trägern die Entscheidung, ob in den Einrichtungen oder zu Hause getestet wird.

Erst packen die fünfjährigen Zwillinge Lea (links) und Mila im Konstanzer Kinderhaus am Salzberg ihre Teststäbchen aus.
Erst packen die fünfjährigen Zwillinge Lea (links) und Mila im Konstanzer Kinderhaus am Salzberg ihre Teststäbchen aus. | Bild: Kirsten Astor

In Konstanz gibt es Pooltests in den Kitas

In Konstanz ist die Lage klar: Bereits im Oktober 2021 einigte sich die Stadtverwaltung mit den anderen Trägern und dem Kita-Gesamtelternbeirat (GEB) darauf, für Schulen und Kitas das Pool-PCR-Testverfahren zu etablieren. Dabei lutschen Kinder an einem medizinischen Wattetupfer (sogenannter Lolli). Je bis zu 15 Proben werden anschließend in einem Röhrchen (Pool) gesammelt, ins Konstanzer Labor Dr. Brunner gebracht und untersucht. Noch an demselben Tag erhalten die Eltern die Testergebnisse per E-Mail, im positiven Fall zusätzlich per SMS. Ist ein Pool positiv, müssen diese Kinder sich einzeln nachtesten lassen. „Das Verfahren ist sehr genau, sicher und einfach umzusetzen“, so Frank Schädler, Leiter des Konstanzer Amts für Bildung und Sport.

Kitaleitungen begrüßen Testpflicht

Während die Tests für Schüler schon länger verpflichtend waren, konnten Kitakinder bis zu den Weihnachtsferien freiwillig teilnehmen. Das geht nun nicht mehr. Der Konstanzer Kita-GEB kann den Strategiewechsel nachvollziehen, wie Heike Kempe vom Vorstand sagt: „Die Einführung der verpflichtenden Tests erscheint uns in der derzeitigen Pandemielage ein verhältnismäßig niederschwelliger Eingriff, um noch mehr Schutzwirkung zu erreichen, und vor allem, um die Kitas so gut und lange es geht offen zu halten.“ Zwar gab es bei der freiwilligen Lolli-PCR-Pool-Testung in Konstanzer Kitas vor Weihnachten eine Teilnahmequote von 78 Prozent, „doch laut Auskunft des Sozialministeriums Baden-Württemberg lag sie im Landesdurchschnitt bei nur 60 Prozent“, so Kempe.

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Dass der Ruf nach einer Pflicht lauter wurde, kann sie daher verstehen. Auch viele Konstanzer Kitaleitungen begrüßen die neue Regelung: „Durch die enge Arbeit mit den Kindern, in der Regel ohne Maske, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für Kinder und Mitarbeitende. Die Testungen bieten eine einfache Möglichkeit, mehr Sicherheit zu schaffen“, sagt Joachim Krieg vom Sozial- und Jugendamt. Nur wenige Eltern seien grundsätzlich nicht einverstanden mit den Tests.

Viele andere testen zu Hause

In Singen läuft es anders: Hier hatte die Stadt mit einem örtlichen Labor gesprochen, doch dessen Kapazitäten reichen für Kita-Pooltests nicht aus. Deshalb werden die 1890 Singener Kitakinder zu Hause mittels Antigen-Schnelltest getestet. Ob alle Familien zuverlässig ihrer Pflicht nachkommen, kann niemand kontrollieren. Doch Bürgermeisterin Ute Seifried meint auf SÜDKURIER-Nachfrage: „Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die Familien die Tests korrekt machen. Einer hohen Zahl von Eltern vertraue ich, dass sie ehrlich sind.“ Für das Testen in den Einrichtungen unter Aufsicht der Erzieher sei oft zu wenig Platz und Personal vorhanden, sagt die Bürgermeisterin.

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Auch die Eltern könnten die Tests dort nicht vornehmen, weil sie sich laut den Hygienekonzepten beim Bringen nicht länger als nötig in den Kitas aufhalten sollen. Bei den Schnelltests müssten sie aber 15 Minuten lang auf das Ergebnis warten. „Dazu kommt, dass unsere Antigen-Lollitests auf manche Nahrungsmittel und Getränke mit einem positiven Ergebnis reagieren. Deshalb wird am besten vor dem Frühstück getestet“, so Seifried. Ihrer Aussage nach seien die Singener Kitas froh über die Testpflicht. „Auch viele Eltern befürworten, dass dadurch endlich die Diskussionen aufhören.“ In Radolfzell erhalten die Eltern ebenfalls Schnelltests für zu Hause. Isabelle Steidle und ihre Kollegen vom Vorstand des Kita-GEB finden die Testpflicht gut: „Wir wollen Infektionsketten unterbrechen, auch wenn die Kinder selbst selten schwere Krankheitsverläufe haben. Sie können trotzdem die kranke Großmutter infizieren“, so Steidle. Die Folgen von Long Covid seien außerdem noch nicht abzusehen. Darüber hinaus trage die Testpflicht zu einer genaueren Statistik bei, was die Infektionshäufigkeit bei Kindern angehe.

Die fünfjährigen Zwillinge Mila (links) und Lea haben im Konstanzer Kinderhaus am Salzberg ein Teststäbchen gelutscht, den sogenannten ...
Die fünfjährigen Zwillinge Mila (links) und Lea haben im Konstanzer Kinderhaus am Salzberg ein Teststäbchen gelutscht, den sogenannten Lolli. Nun stecken sie ihre Proben in ein Röhrchen (Pool), in das weitere Lollis zur Untersuchung im Labor hineinkommen. | Bild: Kirsten Astor

Kinder machen gut mit

Isabel Schlögl, Kindergartengeschäftsführerin für die katholischen Kitas in Konstanz, berichtet ebenfalls von überwiegend positiven Rückmeldungen von Erziehern und Eltern zur neuen Vorgabe. Insgesamt ist ihr Arbeitgeber, die Verrechnungsstelle Radolfzell, für knapp 30 Einrichtungen im Kreis verantwortlich. „Die Leitungen bestätigen ausnahmslos, wie sehr die regelmäßige Testung zu einer zuverlässigen Arbeitsweise führt“, sagt Schlögl. Neben dem erhöhten Sicherheitsgefühl könnten mögliche Schließungen und der Personalstand noch besser abgeschätzt werden. Auch bei der Umsetzung mit den Kindern gebe es keine Probleme: „Ich bin selbst überrascht, wie gut die Kleinen das mitmachen.“ Wenn ein Kind doch mal die Teilnahme verweigert, wird es nicht gezwungen. „Es geht darum, das Risiko einzudämmen, die Kinder aber nicht in ihrer individuellen Situation zu übergehen“, sagt Schlögl und ergänzt: „Es wäre schön, wenn das Ganze endlich ein Ende hätte. Früher haben wir überlegt, welche pädagogischen Angebote wir noch entwickeln können. Heute sind wir dankbar, wenn wir überhaupt welche machen dürfen!“