Ihr Talent im Planen, Drehen und Schneiden von Videos hat den SÜDKURIER auf die Klasse 4a der Grundschule Volkertshausen aufmerksam gemacht. Genauer gesagt, ihr Projektfilm „Wir denken um!!!“, der sich rund um das Problemthema Plastikmüll dreht. Aber siehe da: Als wir den Nachwuchsfilmern einen Besuch abstatten, sind sie schon mittendrin im nächsten Projekt. „Wir drehen gerade einen Trickfilm“, begrüßt Klassenlehrerin Valeska Osterried Fotografin und SÜDKURIER-Redakteur gut gelaunt.

Die Kulisse sei schon fertig, ergänzt ein Junge und deutet auf eine graue Höhlenlandschaft voller verwegen dreinblickender Gestalten, die er und zwei Mitschülerinnen mithilfe von Pappe, Schere, Kleber und Buntstiften vorbereitet haben. Jetzt wird es spannend. Mithilfe eines festinstallierten Tablets, das in kurzer Zeit eine scheinbare endlose Anzahl Fotos schießt, können die Kinder ihre Papierfiguren in Filmsequenzen aneinanderreihen – und somit zum Leben erwecken.

Mithilfe der Start-Stopp-Technologie erwecken die Kinder ausgeschnittene Papierfiguren zum Leben.
Mithilfe der Start-Stopp-Technologie erwecken die Kinder ausgeschnittene Papierfiguren zum Leben. | Bild: Tesche, Sabine

Ein Musikvideo für Edvard Grieg

Was beeindruckend aussieht, ist für die Viertklässler fast schon Routine. „Lass noch einmal kurz die Musik laufen“, ruft ein Mädchen, während sie konzentriert auf den Bildschirm vor sich blickt. „Diese Filmsequenz soll synchron zu dem Musikstück ‚In der Halle des Bergkönigs‘ aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite ablaufen“, erklärt die Klassenlehrerin den Drehplan. Durchaus eine Herausforderung, denn mit zunehmender Dauer wird das klassische Musikstück immer schneller und wilder.

Ein Gerät, mit dem man filmen, bearbeiten und schneiden kann: Tablets wie dieses kamen auch beim Videodreh zum Einsatz.
Ein Gerät, mit dem man filmen, bearbeiten und schneiden kann: Tablets wie dieses kamen auch beim Videodreh zum Einsatz. | Bild: Tesche, Sabine

Zum Glück sind die Viertklässler fast schon Profis, was die Filmproduktion angeht. Bestes Beispiel: ihr knapp elfminütiger Film „Wir denken um!!!“ zum Thema Plastikmüll, der im Rahmen einer Projektwoche der Grundschule entstanden ist. Anschaulich vermitteln die Kinder, was sich ändern muss, wenn wir nicht im Plastikmüll ertrinken wollen.

Ein Preis als verdiente Belohnung

Wie gekonnt die Mädchen und Jungen Filmmaterial, Bilder, Ton, Musik und Effekte einsetzen, um ihre Botschaft zu vermitteln, hat auch die SÜDKURIER-Klasse-Redaktion begeistert. Folgerichtig erhält die 4a den Online-Preis und 200 Euro Preisgeld, das bald schon in eine gemeinsame Kanutour investiert werden soll.

Dieses Mal vor statt hinter der Kamera: Die Kinder teilen ihre Erfahrungen, während der SÜDKURIER-Redakteur mitschreibt.
Dieses Mal vor statt hinter der Kamera: Die Kinder teilen ihre Erfahrungen, während der SÜDKURIER-Redakteur mitschreibt. | Bild: Tesche, Sabine

„Umgekehrt hat uns das Klasse-Projekt des SÜDKURIER überhaupt dazu inspiriert, uns als Redakteure zu versuchen“, berichtet Klassenlehrerin Valeska Osterried. Es hat sich gelohnt. Auf die Frage, wer sich denn vorstellen kann, später einmal einen Beruf in den Medien anzustreben, schnellen gleich mehrere Arme in die Luft.

Bereit für die Redakteurs-Karriere

Nicht unbedingt verwunderlich: Schließlich haben die Viertklässler im Rahmen der Projektwoche bewiesen, dass sie das nötige Rüstzeug mitbringen. Fragen vorbereiten, Kinder und Lehrer interviewen, Sachverhalte vor der Kamera erläutern, einen Vortrag festhalten – möglichst ohne dabei die Referentin zu stören -, Fotos und längere Filmsequenzen produzieren und mithilfe von Effekten zusammenschneiden: „Die Kinder haben all‘ diese Aufgaben selbst übernommen“, berichtet die Klassenlehrerin begeistert.

Was dabei besonders herausfordernd war: „Die Lehrer“, sind sich die Viertklässler einig. „Da war es immer schwierig, zu schneiden, weil die während der Interviews immer so viel zu sagen hatten“, erklärt ein Junge. Mit dem Gesamtprodukt sind die Kinder trotzdem mehr als zufrieden. Als es am Ende der Projektwoche vorgeführt wurde, hätten ihre Mitschüler aus den anderen Klassen sich den Film immer wieder anschauen wollen, erzählen sie stolz.

Ihren Film schauen sich die Viertklässler immer noch gerne an.
Ihren Film schauen sich die Viertklässler immer noch gerne an. | Bild: Tesche, Sabine

Nachhaltig, im wahrsten Sinne des Wortes

Aber auch inhaltlich hat der Film Eindruck hinterlassen. So bemühen sich die Kinder und ihre Familien auch mehr als ein halbes Jahr danach, Plastikmüll zu reduzieren. „Wir benutzen jetzt einen Sodastream, um Sprudel zu machen“, sagt ein Mädchen. Ein Junge berichtet von seiner Zahnbürste aus Bambus, wieder andere erzählen, dass sie statt Plastik- nur noch Glasflaschen verwenden.

Bei so engagierten Schülern fällt der Lehrerin der Abschied schwer. „Ich werde sie schon sehr vermissen“, gibt Valeska Osterried zu. Sie wünscht ihren Schützlingen, die nach den Sommerferien alle eine neue Schule besuchen werden, nur das Beste. Und als kleine Erinnerung erhält jeder der abgehenden Viertklässler noch ein Geschenk: ein USB-Stick mit all den Filmen, die die Kinder in den vergangenen Jahren produziert haben – einschließlich eines äußerst kurzweiligen Musikvideos zur Peer-Gynt-Suite.

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