Für den einen ist es ein Lebensgefühl, für den anderen Retro und für einen dritten nur Spinnerei. Seit etwa zehn Jahren dürfen in Deutschland wieder Altkennzeichen an den Autos angebracht werden – theoretisch. Nicht alle Landkreise haben sich dafür entschieden.

Im Landkreis Konstanz dauerte es acht Jahre, bis sich der Kreistag am 7. Dezember 2020 dazu durchrang, das Altkennzeichen des ehemaligen Landkreises Stockach wieder zuzulassen. Seit dem 1. April 2021 dürfen die STO-Kennzeichen wieder angebracht werden.

„Überrannt worden sind wir nicht“

Verschwunden waren die alten Schilder nie. Schließlich durften die Fahrzeuge, die vor der Neuordnung der Landkreise ihr Kennzeichen bekommen hatten, dieses behalten. „Von den Altbeständen haben 411 überlebt“, teilt das Landratsamt mit. Im Zeitraum von April 2021 bis Ende März dieses Jahres gab das Landratsamt 38.420 KN-Kennzeichen aus. 1344 waren solche mit STO.

„Überrannt worden sind wir nicht. Wir sind davon ausgegangen, dass der Bedarf größer ist“, erklärt Michael Greineck, Leiter des Amts für Straßenverkehr und Schifffahrt. Das Ungewöhnliche: „Das ist aber nicht die Mehrzahl derer, die in Stockach wohnen. Das hätte ich nicht gedacht.

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Es geht wirklich querbeet“, sagt Paula Elsäßer, Referatsleiterin der Zulassungsstellen, überrascht. Darunter seien etwa viele Zugezogene. In der Stadt Stockach einschließlich der Ortsteile seien es nur an die 300 STO-Kennzeichen. Der Landkreis Stockach war zum 1. Januar 1973 aufgelöst worden. Die Städte und Gemeinden wurden auf die Landkreise Konstanz, Sigmaringen, Tuttlingen und Zollernalb aufgeteilt. Die beiden letztgenannten könnten STO ebenfalls anbieten, tun dies jedoch nicht.

Manche Kombinationen gibt es nur in Sigmaringen

Um ein Chaos bei der Kennzeichenvergabe zu verhindern, musste festgelegt werden, wer welche Buchstaben-Zahlenkombinationen ausgeben darf. So ist das Kennzeichen STO XM 134 nur im Kreis Konstanz verfügbar, aber nicht STO XC 537, das für Sigmaringen reserviert ist. „Die Landkreise mussten sich austauschen und eine gerechte Verteilung finden“, erläutert Greineck.

„Wir mussten die technischen Voraussetzungen schaffen“, ergänzt er. Den Mehraufwand hält er für vertretbar. Gedeckt ist er durch die politische Entscheidung des Kreistags. „Wir sehen das als Dienstleistung. Den Leuten hängt das Herz dran. Für uns ist das in Ordnung, wenn wir sie glücklich machen können“, betont Greineck.

Wie sieht es eigentlich im Bodenseekreis aus?

Der Bodenseekreis war etwas früher dran mit der Freigabe seiner Altkennzeichen ÜB für Überlingen und TT für Tettnang. Seit dem 3. Februar 2020 dürfen Tafeln mit diesen Kennzeichen wieder neu angeschraubt werden. Bis Ende März wurden 65.880 FN-Kennzeichen erteilt. Für TT waren es 10.713 und für ÜB 13.031. In den vorgenannten Zahlen steckt noch eine Ungenauigkeit, weil das System vor 2021 Vorgänge nicht genau trennen konnte.

Trotzdem lassen sich die Zahlen gut miteinander vergleichen. „Erst seit 2021 erlaubt das System, Zahlen nach genauen Vorgängen zu trennen. Das heißt Kennzeichenwechsel können seitdem in der Auswertung gesondert erfasst werden. 2020 war dies noch nicht möglich, hier wurden verschiedenen Verfahren in einer Statistik zusammengefasst. Daher sind die Werte etwas höher“, erläutert Lars Gäbler, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Zahl der ausgegebenen Altkreiskennzeichen TT und ÜB entspreche den Erwartungen.

Was ist mit Radolfzell oder Meersburg?

Weder beim Landratsamt Konstanz noch dem des Bodenseekreises seien Anfragen nach nicht existierenden Kennzeichen wie etwa für Radolfzell oder Meersburg eingegangen. „Der historische Hintergrund scheint den Bürgerinnen und Bürgern bekannt, da uns Anfragen dazu bisher nicht erreicht haben“, erklärt Lars Gäbler. Denn möglich sind nur Kennzeichen, die bereits früher einmal existiert haben.