Die schlechte Nachricht zu Beginn: Bis 5. Februar werden keine weiteren Impftermine vergeben. Allein diese Information dürfte vieles klären, was etliche Senioren im Moment umtreibt.

Elisabeth Bürgermeister hat es probiert. Funktioniert hat es nicht. Die Hotline 116 117, die zur Vereinbarung eines Impftermins führen soll, bringt viele Senioren an ihre Grenzen. „Drücken Sie die 1 oder die 2, hieß es“, berichtet die 83-Jährige aus Stockach, das habe sie alles befolgt. „Am Schluss kam noch der Verweis auf die Homepage zusammengegencorona.de. Die habe ich aus Frust ignoriert“, sagt Elisabeth Bürgermeister.

Probleme mit neuen Medien

Wie ihr geht es vielen. Jeder, der mal versucht hat, eine Hotline zu erreichen, weiß, dass man an diesen schnell verzweifelt. „Ältere Menschen sind nicht geübt im Umgang mit neuen Medien“, verweist Bürgermeister auf ein Problem, das die Behörden nicht bedacht haben. Fazit: Die impfwilligen Senioren brauchen Hilfe. Zum Beispiel so: Eine Freundin aus Augsburg habe ihr erzählt, dass dort die Stadtverwaltung alle über 80-Jährigen anschreibt.

Auch in Konstanz machen sich Engagierte Sorgen

Ähnliche Sorgen macht sich Fredis Feiertag in Konstanz. „Vor allem um die Hochbetagten, die ohnehin Mühe haben, sich zurechtzufinden“, sagt sie. Die Hotline 116117 helfe kaum weiter. Feiertag erwähnt, dass viele Ältere vorm Telefonieren zurückschreckten, weil sie schlechte Erfahrungen mit Betrugsanrufen gemacht hätten. Auch Feiertag plädiert dafür, dass die Stadt Konstanz die Älteren schriftlich informiert.

Die Stadt will die Konstanzer Senioren in den nächsten Tagen anschreiben und bietet ab dem 13. Januar unter der Telefonnummer (0 75 31) 900-3000 Unterstützung bei der Impfanmeldung an.

In Gottmadingen will der Seniorenbeirat unterstützen

Walter Benz, Vorsitzender des Seniorenbeirats in Gottmadingen, ist aktiv geworden. Die Idee seines Gremiums: die Senioren bei der Anmeldung zum Impfen zu unterstützen. Er hielt Rücksprache mit der Hauptamtsleiterin der Gemeinde. Nun soll es einen Brief geben, in dem die Senioren darüber informiert werden, dass es beim Seniorenbeirat Ansprechpartner gibt, die, bei der Anmeldung helfen, sobald es Termine gibt.

Auch in Gailingen will man Senioren anschreiben

„Wir wären bereit, unsere Senioren anzuschreiben“, sagt Thomas Auer, Bürgermeister von Gailingen. Immerhin leben in Gailingen 239 Person über 80 Jahre. Bei 3000 Einwohnern macht das etwa acht Prozent aus. „Für die Senioren ist es ein Tohuwabohu, wie sie sich einen Termin zur Corona-Impfung schaffen sollen“, findet er. Dieser Teil der Impfstrategie sei von der Landesregierung schlecht organisiert worden. „Ursprünglich wollten wir die Senioren anschreiben. Aber es ist schwierig, weil wir als Gemeinde keine Termine vergeben können“, sagt Auer.

Freigeschaltet werden die Termine für das Kreisimpfzentrum (KIZ) in Singen durch das Landratsamt über die Webbseite www.impfterminservice.de oder die Telefonnummer 116 117. Allerdings gibt es derzeit nur 180 Termine pro Woche, wie Jens Bittermann, Pressesprecher des Kreises, betont. Diese waren in kurzer Zeit ausgebucht.

Immer noch zu wenig Impfstoff

Grund dafür sind die wenigen Impfdosen, die der Kreis pro Woche vom Land erhält. Ab 15. Januar kommen vorerst pro Woche 975 Impfdosen nach Singen. Die Impfstrategie sieht vor, dass nicht alle Dosen gespritzt werden. „Wir teilen die Impfdosen durch zwei, damit wir Stoff für die zweite Impfung haben“, erklärt Bittermann. Diese muss 21 Tage nach dem ersten Piks stattfinden. „Etwa 300 Impfdosen gehen an die mobilen Impfteams“, sagt Landrat Zeno Danner in der wöchentlichen Corona-Konferenz. Übrig bleiben etwas über 180 Impfdosen – und danach richtet sich die Anzahl der verfügbaren Termine.

Weitere Termine frühestens ab Kalenderwoche sechs

Wann es wieder freie Termin geben werde, sei unklar, sagt Bittermann. „Bis zur Kalenderwoche fünf gibt es keine. Wenn wir wissen, wie viel Impfdosen ab KW sechs kommen, schalten wir Termine frei“, erklärt Danner.

Keine Information über bereits vergebene Termine

Was vielen Impfwilligen sauer aufstößt: Nirgends gibt es einen Hinweis, dass die Termine vergeben sind. Stattdessen ist der Standort Singen auf der Webseite gar nicht aufgeführt. Bürgermeister Auer findet das sehr unglücklich. „Man sollte den Standort auswählen können und die Info bekommen, dass es zurzeit keine Termine gibt“, sagt er. Das habe er ans Landratsamt weitergeleitet. Ein solcher Vorschlag müsse auf Landesebene umgesetzt werden. „Wir tragen solche Punkte weiter. Aber bei nicht allem gibt es eine Rückkopplung“, erklärt Danner auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Singen will ebenfalls unterstützen

Dass es einen erhöhten Informationsbedarf um die Impftermine des KIZ gibt, glaubt auch die Stadt Singen. Mit dem Seniorenbüro will sie Senioren bei der Organisation unterstützen. Die Lösung: „Senioren ab 80 Jahren können sich beim Seniorenbüro melden, das ihnen hilft, ihren Impftermin zu bekommen“, schreibt Pressesprecher Martin Burmeister. Außerdem plant die Stadt, ein Schreiben an die 3871 Bürger über 80 zu verschicken. Auch andere Städte und Gemeinden im Kreis können sich das vorstellen, wollen aber auf ein Signal vom Landratsamt warten. „Selbstverständlich wird Stockach, wie sicherlich auch die anderen Gemeinden des Landkreises bereit sein, den Landkreis bei seinen Bemühungen um eine schnelle und unbürokratische Impfstrategie zu unterstützen“, schreibt etwas Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz.

Noch gibt es vom Landratsamt noch keine diesbezügliche Weisung an die Städte und Gemeinden. Aber die Gespräche mit den Bürgermeistern laufen. „Ich halte es für einen Informationsbrief an Senioren für eine sinnvolle Maßnahme“, sagt Danner.