Vermummungsverbot war gestern, heute gilt die Maskenpflicht. Fast überall auf den Straßen, in Geschäften und in Bussen tragen die Menschen Masken. Aber der Griff zu FFP-Masken ist nicht immer sinnvoll, sagte Stefan Bushuven, Oberarzt für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen, neulich gegenüber dem SÜDKURIER. Warum das so ist, erklärt er nochmals:

  1. Warum rät der Gesundheitsexperte davon ab, als Privatperson FFP-Masken mit Ausatemventil zu tragen? FFP-Masken mit Ventil (es gibt auch FFP-Masken ohne Ventil) haben ein spezielles Ausatemventil, um den Widerstand bei der Ausatmung zu vermindern. „Die Einatmung erfolgt über einen Filterstoff, die Ausatmung über ein offenes Ventil, die ausgeatmete Luft wird also nicht gefiltert“, erklärt Bushuven.
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    Jeder, der diese Maske tragen würde und potenziell an Corona erkrankt sei, atme virusbelastete Luft in die Umgebung aus. „Genau das wollen wir nicht“, sagt Bushven. Der Mund-Nasen-Schutz sei ein Tröpfchenfänger, um Streuung zu vermindern. „Das würde die für diesen Zweck vermeintlich hochwertigere FFP-Ventilmaske nicht tun“, erklärt er. Auch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte schreibt auf ihrer Homepage, dass FFP-Masken mit Ventil nicht für den Fremdschutz geeignet sind.

    FFp-Masken mit Ventil leiten die Atemluft ungefiltert ab. Gefiltert wird die Luft dafür bei FFP-Masken ohne Ventil.
    FFp-Masken mit Ventil leiten die Atemluft ungefiltert ab. Gefiltert wird die Luft dafür bei FFP-Masken ohne Ventil. | Bild: Ingo Schneider
    1. Sind FFP-Masken ohne Ventil in der aktuellen Krise unbedenklich? „Ja, wenn sie verfügbar sind und die tragende Person mit der Maske zurecht kommt und auch weiß wie sie anzulegen ist“, sagt Bushuven. Er rät allerdings dazu, die Masken einem Anpass-Test zu unterziehen. „Zeigen diese Anpass-Tests, dass Luft an den Seiten der Maske aus- oder eintreten kann, wie typischerweise bei Bart-Trägern, hat sie keine ausreichende Schutzwirkung und sollte dann auch nicht verwendet werden“, so der Experte.
    2. Wen sollen FFP-Masken in erster Linie schützen? Träger oder Umgebung? „FFP-Masken schützen vorrangig den Träger. Masken ohne Ventil schützen aber auch andere Personen in der Umgebung“, erläutert Bushuven.
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      1. Warum werden im medizinischen Bereich FFP-Masken getragen? FFP-Masken, auch bekannt als Staubmasken, werden im medizinischen Bereich genutzt, wenn mit schwebstoff- und tröpfchenbildenden Untersuchungs- und Behandlungsmethoden direkt an den Atemwegen von Patienten gearbeitet werde – zum Beispiel bei Eingriffen an den Atemwegen oder bei Spiegelungen von Lunge, Luftröhre oder Magen sowie bei der intensiven Stimm- und Atemtherapie durch die Physiotherapeuten und Logopäden.
        Stefan Bushuven ist der leitende Oberarzt in der Krankenhaushygiene und Intensivmediziner am Hegau-Bodense-Klinikum Singen.
        Stefan Bushuven ist der leitende Oberarzt in der Krankenhaushygiene und Intensivmediziner am Hegau-Bodense-Klinikum Singen. | Bild: Hegau-Bodensee-Klinikum

        „Somit ist das medizinische Personal deutlich häufiger einer durch Erreger belastete Luft ausgesetzt als die Allgemeinbevölkerung“, verdeutlicht der Arzt. Um das Personal zu schützen, verwende man in diesen Situationen die stärker filternden FFP-Masken.

      2. Es gibt FFP-1-, -2- und -3-Masken. Was sagen die Sicherheitsstufen aus? Die Stufen zeigen an, wie stark die Filtrierung ist. „FFP-1-Masken filtrieren 80 Prozent der Einatemluft, FFP-2 circa 94 Prozent und FFP-3 rund 99 Prozent“, erklärt Bushuven. Für Corona und viele andere Erkrankungen auch reiche eine FFP-2-Maske aus, da eine Erkrankung immer auch von der Virusmenge abhänge, der man ausgesetzt sei. „Von einem einzelnen eingeatmeten Corona-Virus wird man nicht krank“, versichert er.
      3. Beugt eine Maske aus Baumwolle wirklich der Verbreitung des Virus vor? Das effektivste Mittel aus medizinischer Sicht sei das Vermeiden unnötiger Kontakte und das Einhalten des Mindestabstands. „Effektiver als Maskentragen“, sagt Bushuven, „Es liegt aber nahe, dass wenn ich mit Maske niese oder huste, infektiöse Tröpfchen nicht so weit fliegen können, als wenn ich keine Maske trage.“
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        Die logische Konsequenz sei, dass die Infektionsrate durch Coronaviren geringer sei. „Bis das Gegenteil nachgewiesen ist, sollten wir also Masken tragen“, findet der Experte. Die Maske sei nur ein Bestandteil eines ganzen Maßnahmenbündels zum Schutz vor Corona. Dazu zählen neben der Abstandsregel auch das Händewaschen sowie die Nies- und Hustenetikette. „Je mehr Maßnahmen von allen eingehalten werden, desto sicherer sind wir“, sagt er.

      4. Wie kann ich eine wiederverwendbare Maske desinfizieren? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Laut Bushuven wäscht man die Maske am besten bei mindestens 60 Grad, besser 95 Grad. Andere Möglichkeit: Man kocht die Maske zehn Minuten aus. Ein weiterer Rat: Möglichst die Maske abschließend noch bügeln. „Solange der Stoff es mitmacht“, rät der Experte. Keine gute Idee dagegen ist es, die Maske in die Mikrowelle zu legen – solange die Maske ein integrierte Metallstück hat. Feuerwehren warnen, dass dies eine Mikrowelle zum Explodieren bringen kann.
      5. Kann man durch das Tragen einer Atemmaske Asthma entwickeln? Die gute Nachricht: Es ist sehr unwahrscheinlich. „Asthma werden Sie dadurch wahrscheinlich nicht entwickeln, wenn die Maske sauber und frei von Staub ist. Wenn Sie aber Asthma oder eine andere Lungenkrankheit haben, kann es sein, dass das Atmen schwerer fällt“, so der Mediziner.
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        Asthmatiker sollten statt selbstgenähter Masken auf medizinische Mund-Nasenschutz-Masken zurückgreifen. Diese seien leichter zu tragen. „Ist das Tragen einer Maske nicht möglich, weil man Atemnot bekommt, sollte man auf jeden Fall ärztlichen Rat suchen“, empfiehlt Bushuven.

      6. Warum soll das Pflegepersonal im Krankenhaus Einmal-Handschuhe tragen, beim Einkaufen sollen die Menschen aber darauf verzichten? Einmal-Handschuhe sind aus einem empfindlichen Material hergestellt, das auch mal reißen kann. „Das Personal im Krankenhaus wechselt die Handschuhe nach den jeweiligen Tätigkeiten und trägt die Handschuhe in der Regel seltener länger als zehn bis 20 Minuten.
        Einmal-Handschuhe werden in Krankenhäusern viel benutzt. Dort werden sie aber maximal zehn bis 20 Minuten getragen.
        Einmal-Handschuhe werden in Krankenhäusern viel benutzt. Dort werden sie aber maximal zehn bis 20 Minuten getragen. | Bild: Angelika Warmuth

        Im Supermarkt, wo ich auch mit Verpackungen und Schweißnähten von Verpackungen zu tun habe, kann es sein, dass die Handschuhe dadurch kaputt gehen und sich Stellen bilden, die Nährboden für Krankheitserreger bieten, insbesondere wenn die Handschuhe lange getragen werden“, sagt Bushuven. Er rät deswegen, entweder Schutzhandschuhe nur ganz kurz tragen und diese ständig zu wechseln. Es reiche aber auch, sich die Hände lange mit Seife zu waschen. „Durch Händewaschen werden die Erreger abgewaschen und durch Seife sogar abgetötet“, erklärt er.

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      7. Wie lange überleben Bakterien und Viren auf Oberflächen? Kann man dazu auch eine Aussage bezüglich des Coronavirus treffen? „Die Überlebensdauer auf Oberflächen hängt ganz vom Erreger ab“, sagt Bushuven, Corona-Viren seien bis zu neun Tage nachweisbar, dann seien sie aber meistens schon so geschädigt, dass sie nicht mehr krank machen könnten.

„Aus verschiedenen Untersuchungen schätzt man, dass Corona-Viren, vor allem bei niedrigen Außen-Temperaturen bis zu drei Tage infektiös bleiben“, berichtet der Gesundheitsexperte. Andere Viren und Bakterien überlebten teils deutlich kürzer, so zum Beispiel das Aids auslösende HI-Virus, welches nach Minuten nicht mehr ansteckend ist.

„Dagegen überleben einige Bakterien, wie Enterokokken, teils Jahre auf Oberflächen, wenn sie nicht von anderen Erregern, die dort leben verdrängt werden“, so Bushuven.