Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) in Konstanz behandelt verschiedenartige Störungen bei Kindern, die eine langfristige Behandlungsstrategie voraussetzen. Im Gegensatz zur Kinderklinik oder ambulanten Behandlung arbeitet hier ein interdisziplinäres Team zusammen, um den Patienten zu helfen.

Im Einsatz sind neben Ärzten auch Physio- und Ergotherapeuten sowie Sozialpädagogen. Zu den Patienten gehören Kinder mit Entwicklungsstörungen, Teilleistungsstörungen oder Lernbehinderungen. Hinzu kommen verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, etwa mit ADHS oder einer emotionalen Störung.

Verstärkung für die Neuropädiatrie

Ein weiterer Bereich ist die Neuropädiatrie bei Kindern und Jugendlichen, „in diesem Feld sind wir inzwischen Referenz“, sagt Jens Teichler, Leiter des SPZ. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Krankheitsbilder, etwa Kopfschmerzen, Muskelschwäche oder auch Epilepsie.

Das letztere Behandlungsfeld soll nun weiter gestärkt und ausgebaut werden. Judith Kröll-Seger, die viele Jahre lang als Oberärztin am Schweizerischen Epilepsie-Zentrum in Zürich tätig war, wird ihre Erfahrung einbringen und weitere Behandlungskapazitäten schaffen.

„Familie stehen unter enormem Stress“

„Epilepsie ist in den ersten fünf Lebensjahren die häufigste neurologische Erkrankung bei Kindern“, sagt Kröll-Seger bei einem Pressetermin. Ursachen könnten eine Hirnfehlbildung oder auch eine Hirnblutung sein. „Die betroffenen Familien stehen unter einem enormen Stress“, erläutert die Oberärztin. Deshalb sei es so wichtig, dass ein ganzes Team für sie ansprechbar sei, wie es am SPZ der Fall ist.

Neben Ärzten stehen Therapeuten und Sozialpädagogen bereit, so dass auch soziale Probleme geklärt werden können. Zunächst werde die Ursache der Anfälle durch Blutuntersuchung, MRT und EEG geklärt. Dann entscheide man sich für eine Behandlung – meist, aber nicht immer, durch Medikamente. Manchmal sei auch eine Spezialdiät angebracht. „Wenn unsere Methoden nicht ausreichen, überweisen wir die Patienten an die Uniklinik Freiburg.“

Patienten auch von weiter her

In den meisten Fällen sei die Elternarbeit entscheidend, erläutern Teichler und Kröll-Seger. Es gehe darum, dass diese die Angst vor der Medikamentengabe verlören. Oder auch, dass sie dem Kind wieder etwas zutrauten, auch, wenn ein epileptischer Anfall erneut auftreten könne. Später gehe es darum, mögliche Folgen der Epilepsie zu behandeln, etwa Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen.

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Bislang habe das Konstanzer SPZ viele Kinder und Jugendliche mit Epilepsie betreut, nun stoße man aber quantitativ und operativ an Grenzen. Das SPZ sei offiziell für den Landkreis zuständig, tatsächlich würden Kinder weit über die Grenzen des Kreises hinaus betreut. Mit Judith Kröll-Seger als Verstärkung und einer intensiveren Zusammenarbeit mit der Kinderklinik seien nun neue Kapazitäten geschaffen worden, erläutert Teichler.