Es regnet. Und regnet. Und dann regnet es noch einen Tag. Das Wetter schlägt auch Menschen mit stabiler Psyche aufs Gemüt. Sind Niederschläge in dieser Häufigkeit und Intensität in der Region normal? Und was hat der Niederschlag mit dem Klimawandel zu tun?

Typisch für den Sommer 2021: Ein Gewitter zieht über dem Bodensee bei Dingelsdorf auf. Mehr denn je aber stehen Wetterphänomene für den Klimawandel.
Typisch für den Sommer 2021: Ein Gewitter zieht über dem Bodensee bei Dingelsdorf auf. Mehr denn je aber stehen Wetterphänomene für den Klimawandel. | Bild: Tesche, Sabine
  1. Ist der jetzige Pegelstand (Konstanz: 4,57 Meter; Stand 14. Juli) ungewöhnlich für diese Jahreszeit? Der Wasserstand am Pegel Konstanz liege mit 4,57 Meter rund 25 Zentimeter über dem Wert, der für diese Jahreszeit im langjährigen Mittel üblich ist. Dies sei zwar ein etwas überdurchschnittlicher Wasserstand, schreibt Harald Hetzenauer von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, aber kein Rekordwert (weder jahreszeitlich für Mitte Juli, noch auf das Gesamtjahr gesehen). Wegen weiterer Niederschläge werde zum Wochenende hin ein Anstieg des Pegels bis 4,60 oder 4,80 Meter erwartet. Ein Wasserstand von 4,60 Meter entspräche einem Hochwasser, das im Mittel etwa alle zwei Jahre auftritt, ein Seewasserstand von 4,80 Meter wird im statistischen Mittel etwa alle vier bis fünf Jahre erreicht.
  2. Welche Auswirkungen hat das auf die Pflanzenwelt des ufernahen Bereichs? Der pflanzliche Bewuchs des Bodenseeufers sei an periodische Überschwemmungen angepasst, schreibt Hetzenauer weiter. Bei den Bäumen seien das Weiden und die Schwarzpappel, die „mit den Füßen“ längere Zeit im Wasser stehen könnten. Auch verschiedene Röhrichtpflanzen (Schilf, Rohrkolben) stünden gern im Wasser. Auf nährstoffarmen Kiesufern kommen am Bodensee Strandrasen-Gesellschaften vor, die eine mehrmonatige Überflutung überstehen (etwa Bodensee-Vergissmeinnicht, Ufer-Hahnenfuß).
  3. Was sind die Ursachen für die vielen Niederschläge in diesen Tagen? Einen einzelnen Grund für die Abfolge von Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa könne man nicht benennen, sagt Uwe Schickedanz, Leiter der Regionalen Wetterbeobachtung beim Deutschen Wetterdienst Stuttgart. Es handele sich um eine Wetterlage, die immer wieder vorkomme: sich eindrehende Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik Richtung Frankreich und nach Baden-Württemberg weiterziehen. „Sie haben alle eine fast identische Zugbahn und beeinflussen den Südwesten Deutschlands.“ Ob sich im Sommer früh ein stabiles Hoch bilde, das Mitteleuropa abdecke, oder eine Abfolge von Tiefdruckgebieten, sei mehr oder weniger Zufall.
  4. Hängt dieses Wetter mit dem Klimawandel zusammen? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Die Wetterlage selbst – also ob ein stabiles Hoch das Wetter bestimme oder kreisende Tiefdruckgebiete – sei Zufall. „Was aber der Klimawandel daraus macht, ist entscheidend“, sagt Schickedanz. Liege über Mitteleuropa eine stabile Hochlage, „dann wird daraus inzwischen ein Dürresommer in extremem Ausmaß“. Sei hingegen viel feuchte Luft im Spiel wie im Sommer 2021, „kommen die Unwetter ins Spiel: Regenfälle fallen heftiger aus, es kommt zu starken Gewittern“. Klimaforscher erwarteten eine Abfolge von Dürrejahren und Sommern mit Sturzregen – und genau diese Wetterlagen erlebten wir jetzt, sagt der Meteorologe.
  5. Warum kommt es häufiger zu Gewittern? Die Atmosphäre kann bei höherer Temperatur deutlich mehr Wasser gasförmig speichern, die Luft sei feuchter, es kommt vermehrt zu Wolkenbildung. Außerdem sei die Atmosphäre stärker mit Energie aufgeladen, ergänzt Schickedanz. „Der Temperaturunterschied zwischen der Luft in Bodennähe, die sehr warm ist und den hohen, kalten Luftmassen ist groß, das hat Gewitter zur Folge.“
  6. Wie wird sich der Klimawandel voraussichtlich auf den Bodensee-Pegel auswirken? Wegen des alpinen Einzugsgebietes sei die Hochwasserentstehung im Bodensee ein komplexes Zusammenspiel, schreibt Harald Hetzenauer. Eine Auswertung der Jahre von 1909 bis 2007 habe für den Pegel Konstanz eine Tendenz zu jahreszeitlich etwas ausgeglicheneren Wasserständen gezeigt, also etwas höhere Wasserstände im Winterhalbjahr sowie etwas niedrigere Wasserstände im Sommer. Auch Effekte wie der Ausbau von Talsperren im Bodensee-Einzugsgebiet spielten aber eine Rolle.
  7. Kann der Regen dabei helfen, dass der Grundwasserspiegel wieder steigt? In den vergangenen Jahren sei die Trockenheit dominierend gewesen. Die Grundwasserneubildung eines Jahres erfolge überwiegend von November bis April. Daher schlugen sich die überdurchschnittlich nassen Monate Mai und Juni 2021 weniger als erwartet in steigenden Grundwasserständen nieder, erläutert Hetzenauer. „Wir konnten jedoch eine Stabilisierung und auch leicht steigende Entwicklungen beobachten.“
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