Es ist wohl einer der schönsten Termine, den Ralph Brinkhaus auf seiner Sommer-Werbetour für seine Partei hat. Der CDU-Fraktionsvorsitzende schreitet am Mittwochabend zum Rednerpult, das auf der Hochwart, am höchsten Punkt der Reichenau, aufgestellt ist. Immer wieder bleibt er kurz stehen und lässt seinen Blick über den Bodensee schweifen. „Hier muss man ja fast Eintritt zahlen“, sagt er und blickt über die Weinberge. „Bei meinen Terminen habe ich selten einen so schönen Anblick. Daher entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie manchmal nicht direkt anblicke, sondern den See. Der ist noch viel schöner als Sie.“ Knapp zweieinhalb Stunden später wird er aber froh sein, die Weinberge in der Dämmerung verlassen zu können. Aber dazu später mehr.

Die Kulisse des Bodensees gefiel dem Politiker ganz offensichtlich.
Die Kulisse des Bodensees gefiel dem Politiker ganz offensichtlich. | Bild: Steinert, Kerstin

Ralph Brinkhaus ist an den See gekommen, um kräftig die Werbetrommel für den CDU-Bundestagskandidaten Andreas Jung zu rühren. Doch dieser ist den 70 Anwesenden bestens bekannt. Weshalb wohl der wichtigste Satz aus Brinkhaus Mund über Jung ist: „Wir brauchen Andi in Berlin.“

Wichtiger für die Zuhörer ist es, zu erfahren, wie in Berlin für den Landkreis Konstanz Politik gemacht wird. Denn Berlin ist weit weg. Die Probleme im Landkreis Konstanz können auf dem Weg dorthin leicht vergessen werden. So geht Brinkhaus zum Beispiel auf das Thema Mobilität im ländlichen Raum ein. „Wir sind hier ja im ländlichen Raum“, fragt er rhetorisch. „In Berlin muss man seine Kinder nur über die Straße schicken, schon sind sie in der Musikschule. Auf dem Land geht das nicht. Das vergessen manche in Berlin schnell“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Andreas Jung geht auch auf der Thema ein. Die Infrastruktur sei im ländlichen Raum oft zu schwach. Daher sei man auf dem Land auf das Auto angewiesen. „Wir müssen also dafür sorgen, dass das Auto klimaneutral wird“, erklärt er.

Auch Klimaschutz und die Laschet-Kandidatur kamen zur Sprache.
Auch Klimaschutz und die Laschet-Kandidatur kamen zur Sprache. | Bild: Steinert, Kerstin

Auch dem Thema Klimaschutz räumt Brinkhaus einen wichtigen Stellenwert ein. Er weist aber daraufhin, dass Umweltschutz „mehr als Dekarbonisierung ist. Es ist auch der Schutz des Waldes und der Kreislaufwirtschaft. Umweltpolitik darf nicht gegen Arbeitsplätze gehen“, findet er. Daher möchte er sich an das Prinzip von Ludwig Erhard (CDU, ehemaliger Wirtschaftsminister und Bundeskanzler) halten: Wohlstand für alle. Damit das aber klappe, müsse die Wirtschaft laufen.

Ein großer Unsicherheitsfaktor sei die Corona-Pandemie. Deshalb möchte ein Besucher wissen, wie sich Deutschland auf den Herbst vorbereiten sollte. Sollten dann weiterhin die Inzidenzwerte über die Regelungen bestimmen? „Viele Menschen sind bis zum Herbst hin geimpft. Das ist gut so“, findet Brinkhaus. „Wer geimpft ist, kann zwar erkranken. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufes ist geringer. Das heißt auch, dass wir einen neuen Indikator brauchen.“ Er sei dafür, dass die Belastung der medizinischen Bereiche ausschlagend für die Regelungen seien sollte.

Die Abendstimmung litt ein wenig unter der Stechmücken-Invasion: Brinkhaus und der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung.
Die Abendstimmung litt ein wenig unter der Stechmücken-Invasion: Brinkhaus und der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung. | Bild: Steinert, Kerstin

Ein älterer Herr steht in der Menge auf. Er hat eine brisante Frage: „Ich möchte gerne von Ihnen wissen, warum die älteren Herren der CDU nicht Herrn Söder gewählt haben? Mit ihm hätten Sie gewinnen können. Mit Laschet wird das nicht gelingen.“ Brinkhaus und Jung sehen sich kurz an. Es scheint so, als ob keiner auf die Frage antworten will. Doch dann ergreift Brinkhaus das Wort. „Glauben Sie nicht den Umfragen. Da kann sich noch viel ändern“, sagt Brinkhaus. Und Jung ergänzt: „Ich habe Armin Laschet als absolut verlässlich empfunden. Er hat eine hohe Integrationskraft.“

Nicht mehr ganz so ruhig stehen Andreas Jung und Ralph Brinkhaus in der Dämmerung auf der Hochwart. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Die Stechfliegen und Junikäfer schwirrend immer wilder durch die Luft. „Das werden ja immer mehr Tiere, und die kommen immer näher“, sagt Brinkhaus. Alle lachen, aber haben den gleichen Gedanken. Das ist dann wohl jetzt das Schlusswort.