Probleme mit dem Job wegen einer psychischen Erkrankung? Sorge um einen Bekannten, der sich schon seit Monaten auffällig verhält? Für Sorgen wie diese gibt es in Konstanz das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ). Und das hatte gerade selbst eine Ausnahmesituation zu bewältigen: Denn die ambulanten Spezialisten für psychische Notfälle sind umgezogen.

Arbeitsretter an einem Ort

Nach 15 Jahren auf dem Gelände der Spitalstiftung und damit in direkter Nachbarschaft zum Klinikum Konstanz ging es in den Konstanzer Stadtteil Stromeyersdorf, wo die Berater jetzt gegenüber der Arbeitsagentur anzutreffen sind. Das hat nach bewältigtem Umzugsstress auch sein Gutes. Denn die Anlaufstelle gehört zwar zum Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Reichenau, doch die Angebote unterscheiden sich von denen eines Krankenhauses – und das Thema Arbeit spielt dabei eine wichtige Rolle.

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In der Psychiatrischen Institutsambulanz (Pia) des GPZ geht es darum, psychisch Kranke in einer Krise zu begleiten. In Stromeyersdorf sitzen Fachleute, die helfen, wenn es brennt. Zudem unterstützt der Sozialpsychiatrische Dienst, wenn jemand persönliche, familiäre oder wirtschaftliche Probleme hat. „Man kann sich an uns wenden, wenn man sich in einer psychischen Notlage befindet“, betont Chefarzt Simon Senner. Und auch Angehörige und Freunde sind mit ihren Fragen und Ängsten willkommen.

Nach 15 Jahren ist das GPZ von Petershausen nach Stromeyersdorf umgezogen. Im Hintergrund sind die Container der Flüchlingsunterkunft ...
Nach 15 Jahren ist das GPZ von Petershausen nach Stromeyersdorf umgezogen. Im Hintergrund sind die Container der Flüchlingsunterkunft Dörfle zu sehen. | Bild: Claudia Rindt

Laut Oberärztin Sonja Krug ist die Beratung anonym und unentgeltlich. Experten klären ab, was es braucht, damit ein Erkrankter wieder bei seinem Arbeitgeber einsteigen oder bei einem neuen anfangen kann. Der ärztliche Direktor Uwe Herwig sagt: „Wir schauen, welches Angebot für wen richtig ist und unter welchen Bedingungen ein psychisch Kranker am ersten Arbeitsmarkt bleiben oder wieder unterkommen kann. Jede psychische Erkrankung ist anders.“

Jeder ist anders

Welche Unterschiede es gibt, macht Jobcoach Timo Loos an Beispielen deutlich: „Für manche ist eine reizarme Umgebung wichtig, für andere nicht. Manchmal sind flexiblere Arbeitszeiten angebracht oder eine individuelle, längere Pausenregelung.“ Profis begleiten die Betroffenen dabei, im Berufsleben zurechtzukommen. Experten wie Loos stehen für Fragen rund um die Arbeit zur Verfügung, unterstützen zum Beispiel beim Bewerbungsprozess oder bei Konflikten.

Das ZfP bietet das vom Landkreis Konstanz finanzierte Modellprojekt seit 2015 an. Dass Erfolge möglich sind, haben schon internationale Studien gezeigt. Regional kommt eine Untersuchung hinzu: „Bis 2024 nehmen wir an einer Multicenter-Studie teil, in welcher überprüft werden soll, ob junge Menschen mit Psychosen im beruflichen Kontext effektiver begleitet werden können als durch bestehende Hilfsmöglichkeiten“, sagt Loos.

Etage teilweise umgebaut

Die Angebote sind am neuen Standort auf 320 Quadratmetern untergebracht. Die Etage im Bürogebäude in Stromeyersdorf musste dazu teilweise umgebaut werden, bekam Trennwände und Sichtfenster. Dass die Einrichtung umgezogen ist, hat mit einem beendeten Mietvertrag zu tun. „Die Spitalstiftung hat den Vertrag über die vom ZfP in der Luisenstraße 9 angemieteten Räume aber nicht gekündigt“, stellt Stiftungssprecherin Rebecca Koellner klar. Der zeitlich befristete Vertrag sei nach 15 Jahren ausgelaufen und in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert worden.

Rebecca Koellner, Sprecherin der Spitalstiftung.
Rebecca Koellner, Sprecherin der Spitalstiftung. | Bild: Jennifer Moog | SK-Archiv

Die Spitalstiftung sei in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewachsen, so Koellner. Trotz der Möglichkeiten, von daheim zu arbeiten, seien die Kapazitätsgrenzen der Räume erreicht. Deshalb benötige man die ehemaligen Räumlichkeiten der Pia.

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