Der Laie liest die Statistik der Kriminalfälle für das Jahr 2020, als wäre sie ein Fest für die Polizei. Beinahe bei allen Delikten sind starke Rückgänge zu verzeichnen, bei Einbrüchen beträgt der Rückgang sogar 43 Prozent. Trotzdem: Ganz so heil wie es scheint ist die Welt im Corona-Jahr 2020 nicht geworden.

Rückgang von 20 Prozent

Alle Straftaten sind im Landkreis Konstanz von 18.208 im Jahr 2019 auf 14.470 im Jahr 2020 zurückgegangen, das entspricht einem Rückgang von 20 Prozent. Der stärkste Rückgang betrifft die Wohnungseinbrüche, er liegt bei 43 Prozent. Das sei nicht weiter verwunderlich, sagt Uwe Vincon, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. „Wenn spätestens um 20 Uhr alle zuhause sein müssen wegen der Ausgangssperre, ist es kein Wunder, dass Einbrecher ein Problem haben.“

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Reisende Täter haben ein Problem

Auch „reisende Täter“, die klassisch auf Wohnungseinbruch spezialisiert seien, hätten schlechte Karten während der nächtlichen Ausgangssperre: zu wenig Verkehr auf den Straßen, zu groß die Gefahr, in eine Polizeikontrolle zu geraten. Und tagsüber seien das ganze Jahr über die meisten Menschen zuhause gewesen – im Homeoffice und mit den Kindern, die in der eigenen Wohnung betreut wurden. Es habe auch kaum Einbrüche bei Firmen im Kreis Konstanz gegeben.

Auch der Ladendiebstahl ist 2020 erschwert

Beim Diebstahl gelte ähnliches. Bei Ladendiebstählen, die einen Großteil der Kleindelikte in diesem Bereich ausmachen, habe schlicht die Gelegenheit gefehlt: Mehrere Monate lang waren die Geschäfte im Jahr 2020 zu.

Schock-Anrufe statt Wohnungseinbrüche

Ein Grund zu großer Freude sei das für die Polizei allerdings noch lange nicht, wie Uwe Vincon erläutert. Man könne stattdessen beobachten, dass sich die Delikte verlagerten – in erster Linie ins Internet. „Die Bereiche der Cyberkriminalität verzeichnen einen Zuwachs“, erläutert Vincon: „Phishing-Mails, Schock-Anrufe, Anrufe mit dem falschen Polizeibeamten.“

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Symbolbild | Bild: Eich
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Bei Schock-Anrufen versucht der Täter den Angerufenen mit einer schlimmen Nachricht, etwa, dass ein naher Verwandter verunglückt sei, zu schockieren. Der Angerufene ist nicht in der Lage, klar zu denken und bereit, einem unbekannten Anrufer Geld auszuhändigen. Ähnlich läuft es beim falschen Polizeibeamten. Bei diesen Anrufen gibt sich der Täter als Polizeibeamter aus und fordert den Angerufenen auf, Geld an einer bestimmten Stelle abzugeben – als angeblichen Schutz vor Einbrechern.

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Cyberkriminalität: zwei Prozent mehr

Die meisten derartigen Delikte tauchen in der Rubrik Cyberkriminalität auf. Der Anstieg in diesem Bereich beträgt für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz zwei Prozent, ist also nicht als wesentlich zu bezeichnen, wie Jürgen Kaiser, Referent für Kriminalitätsbekämpfung am Polizeipräsidium Konstanz, erläutert.

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Symbolbild | Bild: Arne Dedert

Allerdings gebe es einen bereits länger anhaltenden Trend zu Betrugsstraftaten über Internet. „Dieser Trend dürfte sich fortsetzen“, sagt Kaiser. Ein weiteres Thema sei die Verbreitung von sogenannter Ransomware, mit der die Täter versuchten auf Rechner oder Handys zuzugreifen.

„Keine voreiligen Schlüsse“

Kaiser warnt davor, allzu voreilige Schlüsse bezüglich der Sondersituation Pandemie zu ziehen. „Die Fallzahlen sind rückläufig. Ein Grund sind sicherlich die Einschränkungen, die durch die Pandemie verursacht sind“, sagt er. So habe es im vergangenen Jahr keine Feste, keine Festivals gegeben, Clubs und Diskotheken waren geschlossen.

Prävention half bei Reduktion der Wohnungseinbrüche

Es gebe aber auch relevante andere Gründe: Seit Jahren betreibe die Polizei Prävention etwa im Bereich Einbruchsdelikte. Wohnungs- und Hausbesitzer seien also besser sensibilisiert, die Fallzahlen seien seit Jahren rückläufig. „Irgendwann greifen die Präventionsprogramme“.

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Auffällig seien allerdings Zunahmen beim Subventionsbetrug mit einer Steigerung von zwei auf 37 Fälle. „Dies ist im Zusammenhang mit Corona-Soforthilfen zu sehen. Bei Betrugshandlungen kam es hier zu einem Schaden von über 500.000 Euro“, schreibt Jürgen Kaiser auf Anfrage.