Während das Coronavirus die Welt im Griff hat, hört man von einer anderen Infektionskrankheit kaum noch: Was ist mit der Grippewelle der zurückliegenden Wintersaison?

Die Zahlen des Landratsamts sprechen eine klare Sprache: die Grippewelle ist schlicht ausgefallen. Im Winter 2018/19 wurden dem Gesundheitsamt 248 Grippefälle gemeldet, in der Saison gab es drei Todesfälle, im Jahr darauf waren es 363 Fälle, dafür keine tödlich verlaufenen. 2020/21 wurden dem Gesundheitsamt drei Grippefälle, null Todesfälle gemeldet.

Die Gründe für die ausgefallene Saison liegen auf der Hand: Die Menschen sind wegen der Corona-Pandemie gezwungen, Abstand zu halten, man verzichtet auf den Händedruck, trägt Mundschutz, Kontakte sind reduziert. Senioren haben sich im Herbst 2020, als es noch keinen Impfstoff gegen Corona gab, verstärkt gegen Grippe impfen lassen. Wie soll man sich da mit einem Grippevirus anstecken?

Rückgang auch bei anderen Infektionskrankheiten

Ähnliches gilt für andere Viruserkrankungen: So gab es laut Daten des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2020 kreisweit 52 bekannt gewordene Fälle des Norovirus, 2019 waren es noch 210; 2021 bisher nur sieben.

Auch niedergelassene Ärzte bestätigen das Phänomen: „Wir hatten keinen einzigen nachgewiesenen Grippefall“, schreibt Stephan Scholtes, Mitinhaber der Praxis Hausärzte im Paradies in Konstanz, allerdings sei auch deutlich seltener auf Grippe getestet worden. Das Auftreten von Magendarminfekten sei kaum nennenswert gewesen. Die jahreszeitlich üblichen Norovirusinfektionen in den Pflegeheimen seien komplett ausgeblieben.

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Spricht das also für eine Beibehaltung der strengen Hygieneregeln nach der Pandemie? Vielleicht nicht ganz. Scholtes verweist darauf, dass der Preis für das Herunterfahren des öffentlichen Lebens durch andere Krankheiten gezahlt werde: Psychische Belastungsstörungen wegen existenzieller Ängste, diffuse Angststörungen und Depressionen hätten durchweg zugenommen. Gegen Einsamkeit bleibt ein Mund-Nasen-Schutz eben machtlos.