Was tun, wenn man nicht darauf verzichten will, einen Angehörigen im Pflegeheim an Weihnachten zu besuchen, diesen aber auf keinen Fall in Gefahr bringen möchte? Ein Corona-Schnelltest könnte die Lösung sein, und genau diese Möglichkeit wollen das Land Baden-Württemberg und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Bürgern geben. Allerdings bringt auch die gut gemeinte Testaktion einige Schwierigkeiten mit sich.

Wo wird getestet und wann soll die Aktion stattfinden?

Entgegen der ursprünglichen Planung werden die kostenlosen Tests nun doch nicht auf dem Radolfzeller Marktplatz angeboten. Es wird jetzt an zwei Stellen möglich sein, sich testen zu lassen: zum einen im DRK-Rettungszentrum in Radolfzell (Konstanzer Straße 74), zum anderen am DRK in Konstanz (Luisenstraße 1). Die Zeiten, in denen die Aktion läuft: jeweils am Mittwoch, 23. Dezember, von 13 bis 16 Uhr, und nur in Konstanz auch am Donnerstag, 24. Dezember, von 13 bis 16 Uhr.

Die Rettungsleitstelle in Radolfzell: Hier ist ein Standort für die Schnelltests kurz vor Weihnachten, der zweite in der Luisenstraße in Konstanz.
Die Rettungsleitstelle in Radolfzell: Hier ist ein Standort für die Schnelltests kurz vor Weihnachten, der zweite in der Luisenstraße in Konstanz. | Bild: Oliver Hanser

Wer kann sich testen lassen?

Das Sozialministerium hat für Baden-Württemberg mit seinen rund elf Millionen Einwohnern nach eigenen Angaben 80.000 kostenlose Tests zur Verfügung gestellt. Werden diese nach Bevölkerungszahl verteilt, fallen für den Kreis Konstanz mit seinen rund 286.000 Einwohnern nur rund 2000 Tests ab. Vor Ort stehen also voraussichtlich deutlich weniger Tests zur Verfügung als nachgefragt werden. Das DRK begrenzt daher den Personenkreis, auf den sich die Möglichkeit des Schnelltests bezieht: Das Rote Kreuz biete Angehörigen von Personen, die in Pflegeheimen untergebracht sind, und die diese an den Feiertagen unbedingt besuchen wollen, Corona-Schnelltests an, heißt es in einer Pressemitteilung des DRK. Es wird also ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Corona-Schnelltests nicht von jedem in Anspruch genommen werden dürfen. Durch die begrenzte Zahl an Schnelltests und die logistischen Probleme werde auch nur eine begrenzte Zahl an Testungen möglich sein.

Ist eine Anmeldung notwendig?

Nein. Das DRK weist aber ausdrücklich darauf hin, dass vor Ort die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten seien. Die Tests finden anonym statt, jedem Test wird eine Nummer zugeteilt

Wie sicher ist ein solcher Schnelltest?

Ein Corona-Schnelltest sei zu 95 Prozent validiert, erläutert Peter Mayr, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Konstanz. Das bedeutet, dass er zu 95 Prozent verlässlich ist, aber eben nicht zu 100 Prozent. „Je optimaler er gemacht wird, desto sicherer ist das Ergebnis“, sagt Mayr. Birgit Kloos, Pandemiebeauftragte des Landkreises Konstanz, ergänzt: „Der Schnelltest zeigt eine mögliche Infektion mit SarsCov2 erst bei höherer Anzahl von Viren im Nasenrachenraum an als der übliche PCR-Test, der im Labor gemacht wird.“ Wichtig sei, dass der Abstrich richtig gemacht werde, nämlich tief im Rachenraum und tief in der Nase. Seien diese Voraussetzungen gegeben, dann sei der Test recht verlässlich. Aber: Den Getesteten müsse bewusst sein, dass er nur 24 Stunden lang gültig sei. Schon am darauffolgenden Tag, etwa dem ersten Weihnachtsfeiertag, könne man sich auf das negative Testergebnis nicht mehr verlassen. Bei kleinsten Infektsymptomen (Schnupfen, Halsschmerzen) sollte man auch nach einem negativen Schnelltest Kontakte unbedingt einschränken, rät Kloos.

Was passiert im Fall eines positiven Testergebnisses?

Für den Fall, dass der Test positiv ausfällt, muss sich der positiv Getestete sofort in häusliche Quarantäne begeben, darauf weist auch das DRK hin. Der- oder diejenige muss sich dann einem PCR-Test unterziehen, um das Ergebnis zu überprüfen. Das Problem: Über die Weihnachtsfeiertage wird es solche Tests nicht geben, die Testzentren sind an diesen Tagen geschlossen, da die Personalkapazitäten erschöpft sein. Erst ab 27. Dezember wird ein PCR-Test zur Überprüfung möglich sein

Warum war der Aufbau eines Testzelts auf dem Radolfzeller Marktplatz nicht möglich, wie ursprünglich geplant?

Notarzt Peter Mayr erläutert den Hintergrund, der mit der Außentemperatur zu tun hat. „Aufbewahrt werden die Tests bei zwei bis 36 Grad“, erläutert Mayr. Der Gebrauch sei allerdings nur bei Raumtemperatur empfohlen. Es gehe bei den Tests um chemische Reaktionen, die temperatur- und zeitabhängig seien. Der Test müsse deshalb auch 15 bis 30 Minuten, nachdem man den Abstrich genommen habe, abgelesen werden. Aus diesen Gründen habe sich das DRK dazu entschieden, die Tests in geschlossenen Räumen und nicht im Freien anzubieten – die Verlässlichkeit, dass das Ergebnis stimmt, sei dadurch einfach höher.