Mehr als 40 Jahre alt sind die großen DLRG-Boote. So ist es kein Wunder, dass sie den Anforderungen nicht mehr genügen. Es zeigen sich Alterserscheinungen. „Die Bootsschale ist fertig“, betont Michael „Mike“ Koch, im Bezirk Bodensee-Konstanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zuständig für den Wasserrettungsdienst.

Ansprüche wachsen

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Ansprüche an die Qualität der Wasserrettung deutlich erhöht. Zwar werden Dienste und Einsätze vor Ort ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet, doch müssen Ausbildung und Ausstattung professionellen Ansprüchen genügen. „Die Entwicklung geht weiter, und die Technik wird immer besser“, erklärt Mike Koch. In den 1980 beschafften Boote wurde immer wieder Technik nachgerüstet. Heute sind Radar, GPS, Echolot und Kartendrucker unabdingbar. „Moderne Radare sind viel feiner“, erläutert Karl-Heinz Rimmele, der stellvertretender Vorsitzender im Bezirk Bodenseekreis und Vorsitzender der DLRG Sipplingen ist.

Gerettete werden gleich auf dem Boot behandelt

Erforderlich seien verschiedene Funksysteme, um etwa mit der Wasserschutzpolizei sowie den Fähren und Schiffen der Weißen Flotte kommunizieren zu können. „Patienten bei Wind und Wetter offen auf dem Boot zu behandeln ist nicht mehr zeitgemäß“, betont Koch. „Früher wurden die Patienten an Land gebracht und dort erst vom Rettungsdienst betreut; heute intubieren wir auf dem Boot“, berichtet er. Intubieren ist das Einführen eines Schlauchs über Mund oder Nase, um die Atemwege offen zu halten. Daher gehören ein Notfallrucksack und ein Sauerstoffgerät zur Grundausstattung.

Zwei Bootsklassen kommen in Frage

Die neuen Boote sollen sturmtauglich sein und beheizbare Kabinen bekommen. Angedacht ist die Beschaffung zweier Bootsklassen, die eine mit etwa zehn Metern und die kleinere mit acht Metern Länge, verteilt auf 13 Standorte. Die größeren Boote sollen bei den vier Stützpunktgruppen in Radolfzell, Konstanz, Bodman und Friedrichshafen stationiert werden. Diese Gruppen besitzen zusätzliche Ausrüstungen und ein Boot, das auf einem Trailer (Anhänger) verladen ist. „Die nächstgelegene Stützpunktgruppe wird zum Einsatz hinzualarmiert und soll das Zehn-Meter-Boot zuführen“, erläutert Koch.

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Die DLRG-Gruppe, in deren Gebiet ein Unfall passiert, sei mit ihrem Boot sehr schnell vor Ort, ergänzt er: „Das Problem ist die Fahrzeit auf dem Wasser. So rechnen wir von Bodman bis zur Marienschlucht mit einer reinen Fahrzeit von zehn Minuten.“ „Neben Friedrichshafen werden auch Langenargen und Immenstaad große Boote erhalten“, sagt Karl-Heinz Rimmele. Auf dem Obersee ist der Seegang oft höher als im Überlinger See oder Untersee.

Sechs Millionen Euro als Investition

Um einen einheitlichen Standard im Bereich des baden-württembergischen Seeufers zu erhalten, hat die DLRG eine Bodenseekonzeption erarbeitet. Diese beinhaltet die Beschaffung neuer Boote und die Einbindung in ein Einsatzkonzept. Mike Koch schätzt, dass Investitionen in Höhe von gut sechs Millionen Euro über etwa sieben Jahre nötig sein werden. „Das ist aber noch vage“, erklärt er. Die Hoffnung, dass erste Gelder im aktuellen Landeshaushalt bereitgestellt werden, hat sich zerschlagen. „Corona kam dazwischen, und wir wurden wieder vertröstet“, erklärt Rimmele. Jetzt hoffen die Wasserretter, dass die ersten Boote im Doppelhaushalt 2022/23 berücksichtigt werden.

Finanzierung bleibt schwierig

Die Finanzierung könnte für die eine oder andere Ortsgruppe im Bezirk Bodensee-Konstanz (das Gebiet entspricht dem Kreis Konstanz) eine Herausforderung darstellen. Unüberwindbare Hürden sieht Mike Koch für die eigenständigen Vereine aber nicht. Für Rettungsmittel gibt es maximal 90 Prozent Zuschuss vom Land. Den Rest müssen die Gruppierungen selbst aufbringen, aus Eigenmitteln, Spenden oder Zuschüssen von Städten und Gemeinden. Geht es nicht anders, nehmen sie ein Darlehen auf. 400.000 Euro bis 500.000 Euro dürfte ein Zehn-Meter-Boot kosten, etwa 100.000 Euro weniger seien es für das kleinere Boot, schätzt Koch. Bedenklich stimmt ihn eine jährlich zu erwartende Preissteigerung. Im Bodenseekreis lastet die anteilige Finanzierung auf dem Bezirk, wie Rimmele erläutert. Die dortigen Ortsgruppen sind direkt dem Bezirk angegliedert.