Seit Kurzem ist klar: Im Landkreis Konstanz gibt es nachgewiesene Fälle der Vogelgrippe. Nachdem man zunächst am Seerhein in Konstanz einen verendeten Schwan mit dem Virus H5 gefunden hatte, war in Radolfzell am Montag ein zweiter Fall registriert worden. Dabei handelte es sich um eine flugunfähige Krähe.

Eine Untersuchung durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg bestätigte den zweiten Fall im Landkreis. Damit sind jetzt vor allem Federviehhalter in Alarmbereitschaft versetzt. Auf dem Buchhof in Radolfzell, der oberhalb der Weinburg liegt, hat man bereits die nötigen Maßnahmen ergriffen. Dort hält die Familie Keller Hühner, Gänse, Puten und Enten. Immerhin sei ihr Bestand derzeit gering.

„Wir haben alle Puten, Gänse und Enten vor Weihnachten verkauft“, berichtet Josef Keller, Seniorchef des Betriebes. „Damit haben wir schon einmal Glück gehabt.“ Die Rede ist von 120 Gänsen, die die Familie in der Weihnachtszeit gewinnbringend verkaufen konnte. Momentan sind alle Freiflächen, auf denen sich die Vögel aufhalten könnten, tabu.

Luise Keller vom Buchhof in Radolfzell. Ihre Hühner sind aktuell nicht akut durch die Vogelgrippe gefährdet.
Luise Keller vom Buchhof in Radolfzell. Ihre Hühner sind aktuell nicht akut durch die Vogelgrippe gefährdet. | Bild: Gerald Jarausch

Die wenigen verbliebenen Laufenten, die nur aus privaten Zwecken auf dem Hof leben, müssen nun ebenfalls in den Stall. Und die Hühner, die bei den Kellers leben, werden generell in Bodenhaltung gehalten. Damit verbringen sie ihr Leben ohnehin im Stall, was eine zusätzliche Unterbringung wegen des gefährlichen Vogelgrippevirus nicht notwendig macht.

Einzig eine Desinfektionswanne, in der sich die Betreiber vor jedem Betreten des Stalls die Schuhe desinfizieren müssen, weist auf die besondere Situation hin. Denn das Virus ist schnell übertragen. Es kann nicht nur durch andere Tiere, sondern auch durch einen verunreinigten Untergrund übertragen werden. Daher gehören auch Fahrzeuge und Dinge wie der Eintrag durch Schuhe zu den möglichen Übermittlern.

Das Virus wird aktuell überwiegend bei Wasservögeln, aber auch bei Vogelarten wie Greif- und Rabenvögel nachgewiesen. Greif- und Rabenvögel ernähren sich zum Teil von Aas und sind deswegen dafür bekannt, Krankheiten zu übertragen. Die Tiere können das Virus ausscheiden, ohne sichtbar zu erkranken. Diese, oft lange Zeit symptomlos, infizierten Wildvögel sind mobile Virusträger und verbreiten das Virus von den Rastgewässern weg in das Hinterland.

Keine Gefahr für Menschen

Zusätzlich sind Greifvögel und Rabenvögel sogenannte Räuber. Sie öffnen tote Wasservögel, verschleppen Körperteile, die mit Viren belastet sind und kontaminieren so Acker- und Weideflächen. Die frei lebenden Wasservögel sind laut Thomas Giesinger von der Naturschutzorganisation BUND in Möggingen längst nicht so gefährdet wie Tiere in der Haltung: „Obwohl sie teilweise in großen Mengen auftauchen, sind die Abstände zueinander größer als in der Haltung“, sagt er.

Auch wenn keine Gefahr für den Menschen besteht: Verendete oder kranke Vögel sollten nicht berührt oder vom Fundort weggebracht werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden. Außerdem sollten sie den jeweiligen Städten oder Gemeinden gemeldet werden.