Das nötige Selbstbewusstsein bringen die Sechstklässler der Theodor-Heuss-Realschule immerhin mit. „Ganz okay“ sei der Online-Unterricht während des Lockdowns gewesen, sagt Abdullah Natou. Allerdings auch langweilig und einsam. Dem stimmen seine Mitschüler deutlich zu. „Einsam und stressig war es“, sagt Jana-Sophie Kramer, und es sei schwierig gewesen, dem Lehrer zuzuhören. „Es war auch schwierig, wenn man Hilfe bei den Aufgaben brauchte“. Größere Sorgen, dass sich Lücken beim Schulstoff bei ihnen auftun, machen sich die Schüler weniger – eine gesunde Form, sich mit den Notwendigkeiten des Lebens wie Schule und Lernen auseinanderzusetzen.

Unterstützung für die Schulen

Ihre Lehrer haben einen anderen Auftrag: Sie sollen dafür sorgen, dass der vorgesehene Lehrstoff auch bei den Schülern ankommt. Das war nicht einfach in einem Schuljahr, das zu großen Teilen aus Lockdown und Home-Schooling beziehungsweise Online-Unterricht bestand. Nun sollen mehrere Landes- und Bundesprogramme dazu beitragen, dass Schüler ihre Wissenslücken füllen können.

Lauter Lernbrücken

Im Juli findet das Programm „Bridge the gap“ („Überbrücke die Lücke“) statt, wie Patrick Hartleitner, Direktor des Suso-Gymnasiums Konstanz, berichtet. Dabei bekamen die Schulen, die Interesse signalisierten, jeweils zwei Studierende zugeteilt, die im Umfang von vier Stunden pro Woche für Fördermaßnahmen in Kleingruppen bereitstehen.

Studierende in den Sommerferien

Zusätzlich wird es das Landesprogramm Lernbrücken vom 30. August bis 10. September geben. Eltern würden aktuell informiert, ob eine Teilnahme für ihr Kind empfohlen werde, berichtet Hartleitner. Auch bei diesem Programm in den Sommerferien kommen Lehramtsstudierende der Universität zum Einsatz, zudem pensionierte Lehrer, und eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Thurgau ist geplant. Auch Lehrer dürfen ihre Teilnahme anmelden. Viele sollen es jedoch nicht sein, die mitmachen wollen.

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Schulleiter begrüßt das Angebot

Es gehe dabei darum, in kleinen Lerngruppen Stoff in Mathe, Englisch, Deutsch nachzuholen oder zu üben, erläutert Frank Raddatz, Leiter der Theodor-Heuss-Realschule Konstanz. Er begrüßt das Angebot. „Wir haben schon eine Menge Schüler, die nachholen müssen. Ohne das Angebot hätten sie wieder eine Sechs-Wochen-Lücke“, sagt er. Er freue sich, dass einige Schüler diese Hilfe freiwillig annehmen wollen – mitten in den Ferien.

Ein Wagnis könnte das nächste Schuljahr werden, in dem Versäumtes nachgeholt werden muss. Frank Raddatz, Rektor der Theodor-Heuss-Realschule, versucht, zu helfen.
Ein Wagnis könnte das nächste Schuljahr werden, in dem Versäumtes nachgeholt werden muss. Frank Raddatz, Rektor der Theodor-Heuss-Realschule, versucht, zu helfen. | Bild: Wagner, Claudia
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Kritischer stellt sich Patrick Hartleitner zu den Förderprogrammen von Land und Bund. „Das Land hätte Geld in die Hand nehmen müssen, um Fördermaßnahmen langfristiger Art zu ermöglichen, mit geschultem Personal“, sagt er. Im laufenden Betrieb, flexibel und passgenau. Das Programm sei sehr hektisch umgesetzt und halbherzig. Dass nur wenige Lehrer sich beteiligen, versteht er. Nach den langen Phasen Online-Unterricht seien viele erschöpft – ebenso wie die Schüler. Er verweist darauf, dass die Sommerferien auch für Schüler eine Zeit des Ausruhens seien, die ihnen in ihrer Entwicklung guttue.

Was ist von „Rückenwind“ zu erwarten?

Ab dem kommenden Schuljahr werde es dann das Landesprogramm „Rückenwind“ geben. Er hoffe darauf, dass es langfristig angelegt sei, sagt Hartleitner. Bekannt sei über die Details jedoch noch nichts.

Wie immer gibt es auch Profiteure der misslichen Lage. Private Nachhilfe-Institute verzeichneten eine steigende Nachfrage während der Pandemie. „Eine erhöhte Nachfrage hat sich bereits kurz nach dem ersten Lockdown im letzten Frühjahr gezeigt“, antwortet Petra Hertzsch, Leiterin von „Lernen mit Her(t)z“ in Radolfzell auf Nachfrage. Die Nachfrage verstärkte sich nochmals, als die Schulen nach den Weihnachtsferien weiter geschlossen blieben.

Mathe ist immer noch das wichtigste Nachhilfe-Fach

Besonders bei der Prüfungsvorbereitung seien die Sorgen der Eltern und Schüler groß gewesen, „selbst als für die Abschlussklassen der Präsenzunterricht wieder begonnen hatte“. Am größten sei der Nachholbedarf in Mathematik – wie allerdings schon vor der Pandemie. Großes Interesse habe es aber auch an naturwissenschaftlichen Fächern und Sprachen gegeben, einschließlich Deutsch, vor allem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund.