In Singen gibt es gemischte Gefühle

Folkmar Metz, Lehrer am Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen und Vater von drei Kindern, sieht der Maskenpflicht im Unterricht ab Montag mit gemischten Gefühlen entgegen. „Es wird auf jeden Fall anstrengend, die ganze Zeit Maske zu tragen und ich bin gespannt, wie Lehrer und Schüler das schaffen werden“, erklärt er. Das permanente Sprechen vor der Klasse sei an sich schon eine Herausforderung für die Stimme. Mit Maske müsse man noch lauter reden, um verstanden zu werden. „Wir werden sehen, wie die Stimme das mitmacht“, sagt Metz. Andererseits ist er der Meinung: „Wenn es hilft, müssen wir da durch.“

Folkmar und Inga Metz aus Steißlingen sagen zur Maskenpflicht: Es wird anstrengend, aber wenn es hilft, muss man durch.
Folkmar und Inga Metz aus Steißlingen sagen zur Maskenpflicht: Es wird anstrengend, aber wenn es hilft, muss man durch. | Bild: Jacqueline Weiß


Inga Metz, seine Frau und dritte Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule der Gemeinschaftsschule in Steißlingen, fände es grundsätzlich gut, wenn die Maskenpflicht außerhalb

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Unterrichts auch an Grundschulen eingeführt würden. Die unterschiedliche Regelung für Grundschüler und Schüler der weiterführenden Schule der Gemeinschaftsschule sei schwer zu vermitteln.

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Grundsätzlich funktioniere die räumliche Trennung der Klassen in den Pausen gut. Doch in Zeiten des Lehrermangels werde es manchmal schwierig, wenn ein Lehrer noch zusätzlich eine weitere Klasse als Vertretung beaufsichtigen müsse. „Ich würde mir wünschen, dass Schulen je nach Infektionsgeschehen mehr in Eigenverantwortung entscheiden können, ob zum Beispiel eine Maskenpflicht im Unterricht notwendig wird“, sagt sie. Auf jeden Fall braucht sie für ihre Familie ab dieser Woche mehr Masken: Für jeden Tag mindestens eine und noch eine als Ersatz.

In Konstanz ist die Zustimmung groß

„Ich finde es völlig in Ordnung und absolut richtig, dass diese Maßnahme nun umgesetzt wird“, sagt Ramona Krieg, deren Sohn Daniel die sechste Klasse der Geschwister Scholl-Schule besucht. „Wir stehen voll dahinter, denn es geht um den Schutz der eigenen Person und der Mitmenschen.“ Daniel Krieg pflichtet seiner Mutter bei: „Die Maske muss jetzt nun mal sein. Ich möchte ja auch nicht meine Familie anstecken.“

Ramona und ihr Sohn Daniel: Mit Maske geht‘s besser. Ab Montag muss der Junior, der die Scholl-Schule besucht, den Mund-Nasen-Schutz zu jedem Zeitpunkt in der Schule tragen.
Ramona und ihr Sohn Daniel: Mit Maske geht‘s besser. Ab Montag muss der Junior, der die Scholl-Schule besucht, den Mund-Nasen-Schutz zu jedem Zeitpunkt in der Schule tragen. | Bild: Andreas Schuler

Es gibt aber auch Eltern, die Kritik an der Maskenpflicht äußern. Tamara Haase bezeichnet die Maskenpflicht auf dem Schulhof zwar als angemessen, doch im Unterricht hält sie die Idee nicht für gut. „Durch die reduzierte Sauerstoffaufnahme kann es zu Konzentrationsproblemen und Müdigkeit kommen.“

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Der Vorschlag der zweifachen Mutter: „Vor allem bei Klassenarbeiten sollten Schüler von der Maskenpflicht befreit werden.“ Es sei außerdem zu hinterfragen, wie in Zukunft der Sportunterricht aussehen werde, „da dort in der Regel eine höhere Infektionsrate als in den anderen Unterrichtsfächern besteht“

Tamara Haase, zweifache Mutter aus Konstanz, steht dem Tragen der Masken im Unterricht skeptisch gegenüber.
Tamara Haase, zweifache Mutter aus Konstanz, steht dem Tragen der Masken im Unterricht skeptisch gegenüber. | Bild: Andreas Schuler

Hanna Schönfeld, Schulleiterin des Ellenrieder-Gymnasiums, setzt auf ein Wechselspiel zwischen Eltern und Schülern. „Bitte besprechen Sie mit Ihren Kindern die Notwendigkeit, sich an dieses Gebot zu halten“, schreibt sie in ihrem Elternbrief.

Ihr Kollege Jürgen Kaz vom Humboldt kennt die Problematik vielleicht am besten in Konstanz – die gesamte Jahrgangsstufe elf ist seit Montag in Quarantäne, ebenso vier Lehrer. „Das höchste Gut ist der gemeinsame Unterricht„, sagt er. „Dem müssen wir alles unterordnen. Daher müssen wir jetzt da durch.“ Er befürworte die Maßnahme unbedingt: „Ich weiß, dass es Therapeuten und Kinderärzte gibt, die gegen das Tragen der Maske sind und Schäden befürchten. Doch ich bin da anderer Meinung und die Wissenschaft ist auf meiner Seite.“

Jürgen Kaz, Schulleiter des Humboldt-Gymnasium in Konstanz, erklärt, dass höchste Gut sei der gemeinsame Unterricht. Diesen gelte es zu schützen.
Jürgen Kaz, Schulleiter des Humboldt-Gymnasium in Konstanz, erklärt, dass höchste Gut sei der gemeinsame Unterricht. Diesen gelte es zu schützen. | Bild: Oliver Hanser

Frank Raddatz, Direktor der Theodor-Heuss-Realschule, beobachtete zuletzt bereits einige Schüler, die die Maske während des Unterrichts trugen. „Von daher ist die Maskenpflicht für viele Schüler kein Ding. Außerdem halten wir uns strikt an die Lüftungspflicht: alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten die Fenster öffnen.“

Theo-Schulleiter Frank Raddatz bei einer der wichtigsten Handlungen im kommenden Schuljahr: Lüften!
Theo-Schulleiter Frank Raddatz bei einer der wichtigsten Handlungen im kommenden Schuljahr: Lüften! | Bild: Kirsten Astor

Petra Rietzler vom Gesamtelternbeirat weiß, dass es auch Eltern gibt, die gegen die Maskenpflicht sind. „Doch wir müssen uns alle daran halten. Lieber die Maske auf als wieder Schule zu Haus.“

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Sie bricht auch eine Lanze für die Lehrer: „Ihnen wird derzeit sehr viel abverlangt. Klar, das ist ihr Job. Aber wir müssen auch an ihren Schutz denken.“

Petra Rietzler, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt Konstanz, findet: „Lieber die Maske auf, als wieder Schule zu Haus.“
Petra Rietzler, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt Konstanz, findet: „Lieber die Maske auf, als wieder Schule zu Haus.“ | Bild: Oliver Hanser

Stockach setzt Pflicht schnell um

Keine Zeit bei der Umsetzung der Maskenpflicht haben die Schulen in Stockach verloren. Martin Pohlmann-Strakhof, der geschäftsführende Leiter der Kreisschulen im Kreis Konstanz, habe die Schulleitungen sofort informiert und entsprechend angewiesen. Schüler und Lehrer waren also schon am Freitag mit Maske im Unterricht.

Martin Pohlmann-Strakhof, geschäftsführender Leiter der Kreisschulen im Kreis Konstanz.
Martin Pohlmann-Strakhof, geschäftsführender Leiter der Kreisschulen im Kreis Konstanz. | Bild: Franz Domgörgen

So auch Saskia Metzler, stellvertretende Schulleiterin Berufsschulzentrum Stockach: „Wir haben die Maskenpflicht gleich am Freitag direkt umgesetzt.“ Sie erwartet in dieser Woche eine schwierige Zeit, denn: „Es fehlt ein riesiger Teil der Kommunikation, der sonst über die Mimik läuft.“ Die Arbeit werde anstrengender, man müsse lauter und deutlicher sprechen.

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Doch für Eltern sei es auch ein beruhigendes Gefühl, wenn die Masken auch im Unterricht getragen werden – gerade vor dem Hintergrund der derzeit hohen Infektionszahlen in Stockach. Angesichts dessen dürften viele eine Maskenpflicht vielleicht auch erwartet haben, so Metzlers Einschätzung. Einzelne Lehrbetriebe hätten sich in der vergangenen Woche schon bei ihr gemeldet, mit der Bitte, die Schüler zum Masketragen zu ermutigen.

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Auch Petra Huber, Vorsitzende des Elternbeirats am Nellenburg-Gymnasium Stockach, ist der Meinung: Ehe man die Schule wieder komplett schließen müsse, solle man lieber Masken tragen. Allerdings wünsche sie sich, dass dann auch anständige Masken her sollten, die einen nicht zu sehr belasten. Wenn nämlich auch noch ständig gelüftet werde, könnten sich Schüler und Lehrer erkälten.

In Radolfzell gibt es auch Frust

Sandra Lahmann, Elternbeiratsvorsitzende des Friedrich-Hecker-Gymnasiums Radolfzell, ist für die Maskenpflicht. Zwar sei es sicherlich nicht angenehm, für eine lange Zeit im Unterricht die Masken zu tragen, allerdings herrsche aktuell eine Ausnahmesituation, die derartige Maßnahmen nötig mache. Trotz Regeln sei es an den Schulen nur schwer zu vermeiden, dass Schüler sich nahe kommen, die Infektionsgefahr sei darum recht groß.

Sandra Lahmann, Elternbeiratsvorsitzende.
Sandra Lahmann, Elternbeiratsvorsitzende. | Bild: Natalie Reiser

Allerdings teilen nicht alle Eltern ihre Meinung: Wie Lahmann berichtet, seien auch einige Rückmeldungen von Eltern eingegangen, „die eine Gesundheitsgefährdung sehen“ und an die Wirksamkeit der Masken nicht glauben. Zum Teil richte sich der Ärger gegen die Lehrer und das tue ihr Leid, sagt Lahmann, denn diese haben mit der Verordnung schließlich gar nichts zu tun.

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