„Es ist Detektivarbeit“, sagt Landrat Zeno Danner bei der wöchentlichen Corona-Konferenz des Landratsamtes. Gemeint ist die Kontaktnachverfolgung von Corona-positiv-Getesten durch das Gesundheitsamt Konstanz. Wie schwer es manchmal ist, alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen, das zeigt ein Stück Papier. Mehrere Kreise und verbindende Linien befinden sich darauf.

Mit einer Art Mindmap verdeutlicht das Kontaktnachverfolgungsteam des Gesundheitsamtes Konstanz, wie schnell aus Kontaktpersonen Indexpatienten werden.
Mit einer Art Mindmap verdeutlicht das Kontaktnachverfolgungsteam des Gesundheitsamtes Konstanz, wie schnell aus Kontaktpersonen Indexpatienten werden. | Bild: Steinert, Kerstin

Ein Schaubild hilft bei der Kontaktverfolgung

Jeder Kreis zeigt einen sogenannten Indexpatienten – also einen Patienten Null. Jede Linie ist die Verbindung zu einer Kontaktperson oder einer Einrichtung, wo sich der Erkrankte, als er infektiös war, aufgehalten hat. Nach und nach entstehen dadurch immer mehr Kreise und Linien – bis das Blatt voll ist. Skizziert hat das Paul Glaßner. Er leitet im Amt für Gesundheit und Versorgung das Sachgebiet Kontaktnachverfolgung.

„Ich möchte Ihnen die Nachverfolgung anhand dieses Schaubildes mal verdeutlichen. Es gab im Prinzip eine Familienfeier. Aus dieser haben sich wiederum zwei Indexfälle ergeben. Die beiden Indexfälle waren wiederum in einer Einrichtung“, erklärt Glaßner. Die Menschen in der Einrichtung seien vorsorglich in Quarantäne geschickt und mehrere Personen abgestrichen worden. „Dabei wurden drei Kontaktpersonen zu neuen Fällen“, sagt Glaßner. Sie hatten sich mit dem Virus angesteckt. Von diesen neuen Fällen gilt es nun wiederum die Kontaktpersonen zu ermitteln. Und diese Sisyphus-Arbeit geht in einem Fort so weiter.

In einer Woche 210 Kontakte zurückverfolgen

Mit dem Schaubild wolle Glaßner aufzeigen, wie schnell und einfach sich der Virus nach dem Besuch einer Familienfeier verbreiten und wie viele Kontaktpersonen daraus entstehen könnten. Im Schnitt ziehe jeder Fall zehn Kontaktpersonen nach sich. „Wenn man das in Zeit hochrechnet, ist klar, dass wir die Kontaktnachverfolgung nicht an einem oder zwei Tagen leisten können“, sagt Glaßner.

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Bei einer Familienfeier sei die Nachverfolgung noch verhältnismäßig einfach. In konkrete Zahlen verpackt das Landrat Danner: „Wir hatten vergangene Woche 24 Infizierte und daraus haben sich 210 Kontaktpersonen ergeben, die zum Teil wieder zu Fällen geworden sind. Das ist schon ein ganz ganz großer Aufwand, den wir da betreiben.“

Mit Darth Vader und Harry Potter im Restaurant

Bei offiziellen Feiern, wie Hochzeiten, gibt es meist Listen, auf die sich das Team um Glaßner stützen kann. Schwieriger wird es, wenn einer der Patienten zuvor in einem Restaurant essen war, sagt Hannes Winterer, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Konstanz. „Zwar muss man im Restaurant seine Kontaktdaten hinterlassen. Aber da steht dann auch schon mal, dass Harry Potter und Darth Vader zu Besuch waren“, sagt er nüchtern.

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Das Infektionsgeschehen im Landkreis Konstanz sollte man nicht unterschätzen. Zurzeit gibt es laut Auskunft des Landratsamtes 33 aktive Fälle. Weitere 313 Personen sind Kontaktpersonen der Klasse 1. Das heißt, sie hatten direkten Kontakt mit Erkrankten, sind aber nicht getestet. Sie müssen dazu nicht unbedingt Symptome aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel Personen aus dem gleichen Haushalt.

Was ist, wenn ein Covid-19-Patient unter den Demonstranten war?

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„Was wir noch nicht beurteilen können, ist, ob sich etwas am Infektionsgeschehen ändert durch das Demonstrationsgeschehen in Konstanz am vergangenen Wochenende. Ich hoffe es nicht. Wir werden das aber genau im Blick behalten“, sagt Landrat Danner. Gibt es einen positiven Fall, der in der Menge mitgelaufen ist, wird die Nachverfolgung deutlich schwieriger.