Für Karl Bosch gibt es nicht die eine Geschichte, die er mit Weihnachten verbindet. Viele kleine Erinnerungen drängen sich auf, wenn er an seine Kindheit und Jugend denkt. Der 76-Jährige ist in Windegg in der Nähe von Stockach aufgewachsen.

Alle Jahre wieder: Die Nachbarin als Nikolaus

Auch in seiner Kindheit war es üblich, dass Kinder im Advent Besuch vom Nikolaus bekamen. „Zu mir kam eine Nachbarin sehr standesgemäß verkleidet“, erzählt Bosch. Irgendwann sei dem Jungen klar gewesen, dass es sich um die Nachbarin handelte, er nahm das stillschweigend hin. „In einem Jahr konnte die Nachbarin den Nikolaus nicht spielen, sie war zu krank.“ Trotzdem musste der Junge nicht auf den Besuch des Heiligen verzichten. „Was mich nicht loslässt: Ich habe nie erfahren, bis heute nicht, wer damals den Nikolaus spielte. Ich habe es nie erraten“, sagt er und schmunzelt.

Karl Bosch kümmerte sich um seine kleinen Halbgeschwister.
Karl Bosch kümmerte sich um seine kleinen Halbgeschwister. | Bild: privat

Wenn Karl Bosch an diese Zeit zurückdenkt, fällt ihm auf, dass das Fest stimmungsvoll gefeiert wurde – aber doch viel bescheidener als heute. „Wir haben aber nicht schlecht gelebt“, sagt er mit Nachdruck. Seine Familie, das waren er, Mutter und Stiefvater – seine Mutter hatte nach dem Tod des Vaters erneut geheiratet – und seine beiden Halbgeschwister. Sie waren viel jünger und so fiel dem jungen Karl die Rolle des Kümmerers zu. „An einem Weihnachten baute ich ihnen eine Krippe und der Nachbar gab mir einen Transformator, um sie zu beleuchten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Junge passt auf seine Geschwister auf

Nicht immer war es gemütlich für den Jugendlichen, auf die Nachzügler aufzupassen. „Einer meiner Freunde hatte auch jüngere Geschwister. Er hatte eine Idee. ‚Lass uns dafür sorgen, dass die Sonne in den Kinderwagen scheint‘, sagte er. ‚Das blendet sie, dann schlafen sie schnell ein.“ Der Trick gelang den Jungs, sie konnten den Kinderwagen nach Hause rollen und doch noch auf den Sportplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

Was er seinen Mitmenschen in diesem ungewöhnlichen Corona-Jahr mitgeben möchte? „Mir scheint, sie haben verlernt, sich zu begrenzen“, sagt Bosch nachdenklich. „Viele meinen, dass alles auf Bäumen wachsen muss. Nicht alles ist so selbstverständlich.“ Eine Erkenntnis, die 2020 vielen Menschen bewusst geworden ist.