Der CDU-Kreisverband Konstanz hat nach seinem 62. Parteitag am vergangenen Freitag ein neues Vorstandsteam. Fabio Crivellari übernimmt künftig den Vorsitz, aber nicht alleine, wie er betonte: Im Vierer-Team mit seinen Stellvertretern Marianne Guthoff (Frauenunion), Levin Eisenmann (Junge Union) und Dominique Emerich (Mittelstands- und Wirtschaftsunion) will der 54-Jährige Themen wie Wirtschaft, Soziales, Infrastruktur und Integration aufgreifen.

Dem Geschäftsführer der „Binational School of Education“ (Binationale Schule der Bildung) an der Universität Konstanz liegt auch die Bildung am Herzen: „Bildung ist ein klassisches CDU-Thema, Teil unserer Genetik. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen“, sagte er.

Bereits festgesetzte Ziele

Crivellari rief dazu auf, sich nach schwierigen, schmerzhaften Jahren wieder neu zu orientieren: „Die CDU stellt die meisten Gemeinderäte, wir sind keine Randgruppe“, hob er hervor. Es gelte, nach der Analyse in die Arbeitsphase überzugehen: Vernetzung und enger Kontakt zur Basis seien seine Ziele. Damit setzt er die Arbeit seines Vorgängers Willi Streit fort.

Der scheidende Vorsitzende lobte in seinem Bericht, dass der Erneuerungsprozess, den die Kreis-CDU nach Landtags- und Bundestagswahl gefordert hatte, begonnen habe: Mehr Mitspracherecht an der Basis, mehr Frauen in Führungspositionen, Wahlrechtsreform und Verjüngung, nannte Streit als Ziele.

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„Dass ein Mittdreißiger wie Manuel Hagel Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag wird, war vor einigen Jahren noch undenkbar“, sagte er. „Auch Grundsatzbeschlüsse, wie Energiewende, Wehrpflichtabschaffung oder Flüchtlingspolitik sollten nicht nur in höheren Gremien entschieden werden“, so Streit, der im Rahmen des Kreisparteitages verabschiedet wurde.

Zwei schwierige Jahre liegen hinter der Partei

Elf Jahre lang hatte der Steißlinger die Geschicke der Partei gelenkt. Besonders die vergangenen zwei Jahre seien schwierig verlaufen. Aufgrund der Pandemie habe es digitale Sitzungen statt persönlicher Begegnungen gegeben, der Kreisparteitag musste zweimal verschoben werden. Die Landtagswahl 2021, bei der Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann ein historisch schlechtes Wahlergebnis erzielt hatte, habe viele Mitglieder enttäuscht.

„Auch von der Bundes-CDU kam kein Rücken- sondern Gegenwind in Gestalt von Maskenaffäre, Impfstoffmangel und Kanzler-Frage“, so Streit. „Die Basis war nur noch Stimmvieh. Die CDU soll wieder eine Mitmachpartei werden“, forderte Streit. Deshalb habe der Kreisverband Konsequenzen gefordert – und an dem Erneuerungsprozess mitgearbeitet.

Gesundheitsverbund als wichtiges Thema

„In Ihrer Amtszeit sind viele wichtige Entscheidungen gefallen“, betonte der südbadische Europaabgeordnete Andreas Schwab in seinem Grußwort. Nach Corona und mit dem Angriff auf die Ukraine sei die Welt eine andere geworden. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarstaaten.

„Putin will Europa spalten. Wir müssen ihm zeigen, dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen“, appellierte Schwab. Der Singener OB Bernd Häusler würdigte in seinem Bericht Willi Streits Engagement. „Es ist nicht einfach, Landes- und Bundespolitik an die Bürger vor Ort zu vermitteln.“ Viele Herausforderungen seien in Streits Ära nicht vom Landkreis verursacht, aber von diesem zu bewältigen gewesen. „Wir wollen gerade im Hinblick auf den Gesundheitsverbund das Thema Bürgerbeteiligung intensivieren“, so Häusler.

Optimnistischer Blick in die Zukunft: Der neue CDU-Kreisvorsitzende Fabio Crivellari mit Vorstandsteam und Delegierten nach dem ...
Optimnistischer Blick in die Zukunft: Der neue CDU-Kreisvorsitzende Fabio Crivellari mit Vorstandsteam und Delegierten nach dem Kreisparteitag. Bild: Holle Rauser

Andreas Jung über engagierten Mann und Politiker

Der Landtagsabgeordnete Andreas Jung sagte, dass Willi Streit bereits in seiner Rolle als Steißlinger Gemeinderat viel bewirkt habe. Streit sei ein aufrichtiger Mann, der etwas bewegen wolle. „Davon, dass wir etwas bewirken, leben wir, wenn wir uns politisch engagieren“, so Jung. Streit habe ihn durch schwierige Zeiten begleitet, Vertrauen und Rückendeckung vermittelt.

„Das zeigt Leidenschaft für die Partei, und Ehrlichkeit braucht es, damit Erneuerung kommt.“ Die Mitgliederbefragung und Grundsatzdebatte nach Land- und Bundestagswahl sei in Konstanz angestoßen worden. „Deine Arbeit wird lange Früchte tragen“, sagte Jung im Namen der Partei.