Die Konstanzer Innenstadt hat man gewiss schon voller gesehen. Wie verlegene, maskierte Schatten huschen sie durch die Gassen: Nicht alle, die an diesem Tag, zwei Tage vor dem Lockdown, noch ihre Weihnachtsgeschenke besorgen wollen, möchten offen darüber sprechen. Oder gar aufgehalten werden. Die neuen Tabus der Corona-Zeit.

Nicht alle haben‘s hektisch

Konstanzerin Janina Blobel ist etwas geruhsamer unterwegs als viele andere, ihr Freund Marco Fehrenbach begleitet sie. „Wir haben mit der Geschäftsschließung gerechnet. Einen Großteil der Geschenke haben wir aber schon zusammen“, sagt Blobel. Die Entscheidung zum kompletten Lockdown findet sie im Prinzip richtig, leid tue es ihr aber um die Einzelhandelsgeschäfte, vor allem die kleineren. Marco Fehrenbach sieht es ähnlich: „Ein wenig Sorgen macht man sich schon, wenn man das Infektionsgeschehen beobachtet, beispielsweise um die Großeltern.“

Bild: Wagner, Claudia

Die Konstanzer bleiben allerdings nicht unter sich. Für einen Montag sind viele Schweizer in der Stadt, die aus den Medien von der Geschäftsschließung in Deutschland ab Mittwoch erfahren haben. Corinne Kagi aus Winterthur ist wegen eines bestellten Päckchens nach Konstanz gekommen. Weihnachtsgeschenke habe sie bereits, das sei dank guter Planung bei ihr kein Problem. Für den deutschen Lockdown hat sie großes Verständnis: „Wir wären froh, wenn man bei uns die Läden schließen würde“, sagt sie.

Bild: Wagner, Claudia

Auch Daniel Spießer und seine Mutter Ruth sind der Meinung, dass es höchste Zeit für die Geschäftsschließung werde. „Wir haben dafür Verständnis“, sagt der Konstanzer. Den Nachmittag haben sie genutzt, um Geschenke für die Kinder und andere Familienmitglieder zu kaufen. „Zur Sicherheit sind wir nochmal los, bevor es nicht mehr möglich ist“. Das Weihnachtsfest selbst werden sie in kleinerem Kreis feiern als sonst.

Bild: Wagner, Claudia
  • Radolfzell: Gabriele Köhler ist kurz vor dem Lockdown am Montag in der Radolfzeller Fußgängerzone unterwegs. Dass Läden so bald schon schließen müssen, findet sie nicht gut. „Ich finde es blöd, dass das so kurzfristig entschieden wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass man die Öffnungszeit bis Freitag ausgedehnt hätte, damit mehr Zeit bleibt für die Weihnachtseinkäufe. Das setzt einen jetzt unter Zeitdruck.“
Gabriele Köhler
Gabriele Köhler | Bild: Marinovic, Laura

Anders geht es Lisa und Simone Helbling. Die beiden nutzen die verbliebene Zeit, um einen schon lange ausgemachten Friseurtermin in Radolfzell wahrzunehmen. „Wir haben Verständnis“, betonte Lisa Helbling. Bei den Weihnachtseinkäufen kommen sie nicht in Bedrängnis – und das aus einem bestimmten Grund: „Wir schenken uns nichts. Stattdessen spenden wir ans Tierheim, das haben wir beschlossen. Irgendwie hat man ja doch schon alles.“

Lisa (rechts) und Simone Helbling
Lisa (rechts) und Simone Helbling | Bild: Marinovic, Laura

Ebenfalls Verständnis hat Hildegard Keppner. „Ich finde es gut, dass man einfach mal total zumacht, damit die Zahlen nach unten gehen“, erklärte sie auf ihrem Weg durch die Radolfzeller Poststraße. „Ich habe nur noch etwas für meine Enkelkinder gekauft. Den Rest werde ich mit Backen erledigen.“

  • Singen: Ein Trend lässt sich an diesem Montag offenbar in der Region nicht ausmachen. Während das Konsumgeschehen in Konstanz moderat läuft, ist die Singener Innenstadt sehr belebt. Vor den Geschäften bilden sich teils lange Warteschlangen im Freien. Die Menschen warten gelassen. Hektisches Weihnachtsgeschäft – nein, dazu sind die Singener zu vernünftig. „Die Schließungen der Geschäfte waren angesichts der weiteren Ausbreitung der Pandemie leider überfällig“, sagt Doris Hausschild. Für sie selbst sei das unproblematisch, da die Weihnachtsgeschenke schon gekauft seien. „Für die Betreiber der Geschäfte ist die Schließung genauso wie für die Gastronomen aber bitter.“
Bild: Bittlingmaier, Albert

  • „Wir müssen leider mit diesen Einschränkungen leben“, findet auch Rentner Ewald Kästle. „Den Handel trifft es aber hart. Viele Menschen hätten jetzt Zeit, in aller Ruhe einzukaufen.“
Ewald Kästle
Ewald Kästle | Bild: Bittlingmaier, Albert
  • Stockach: Auch in Stockach, das nicht als Konsumparadies gilt, aber möglicherweise unterschätzt wird, sind die Last-Minute-Einkäufer unterwegs. Scarlett Mattka aus Ludwigshafen bekennt, dass sie diese Gelegenheit unbedingt nutzen muss: „Ich habe morgen keine Zeit, aber ich brauche noch Geschenke, darum bin ich heute in Stockach unterwegs“, sagt sie. „Natürlich finde ich es traurig, dass die Situation momentan so ist. Aber ich hoffe, dass es etwas nützt und besser wird.“
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  • Und dann gibt es noch die Ausweicher. Also jene, die in der eigenen Stadt nicht einkaufen wollen: Der Konstanzer Erkan Lindberg kauft lieber in Stockach Geschenke, weil es in Konstanz so überfüllt sei: „Der neue Lockdown ist notwendig und wichtig“, so seine Meinung. „Es sind so viele Menschen unvorsichtig und verantwortungslos. Man muss die Leute nun zu ihrem Glück zwingen.“
Bild: Constanze Wyneken

Erst am Mittwoch werden sich die Städte wieder gleichen – in ihrer Menschenleere und als konsumfreie Zone – und das wenige Tage vor Weihnachten.