Der Konstanzer Oberbürgermeister möchte nicht mehr zusehen, wie es seiner Stadt immer schlechter geht. Nicht alle leiden gleichermaßen im Dauer-Lockdown, wohl aber die Händler, Gastronomen und Hoteliers. Und von ihnen gibt es viele im Landkreis. „Es gibt Händler in Konstanz, denen steht das Wasser bis zur Nasenspitze“, erläutert er in der wöchentlichen Corona-Konferenz des Landratsamts. Manche Branchen kämen mit dem nun nur noch erlaubten „Click and Collect“ gut zurecht, für andere funktioniere das gar nicht.

Uli Burchardt möchte trotz der dritten Infektionswelle Perspektiven eröffnen. Das wird nicht einfach, denn eigentlich sind die Regeln klar: Gerät ein Landkreis – wie der Kreis Konstanz – mit der Sieben-Tages-Inzidenz über 100, dann gelten die Regeln wie vor dem 7. März: Geschäfte dürfen nur noch „Click and Collect“ anbieten, nicht mehr „Click and Meet“. Kontakte sind begrenzt auf einen Haushalt plus eine Person eines anderen Haushalts. Freizeiteinrichtung bleiben geschlossen.

Nur bis an die Grenze des Landkreises reisen

Burchardt denkt aber weiter: Wenn schon angesichts der dritten Corona-Welle nicht viel möglich sei, dann könne man doch die Reisefreiheit einschränken: und zwar auf die Grenzen des eigenen Landkreises. „Ich wundere mich, dass diese Diskussion nicht geführt wird“, sagt Burchardt, „alle sagen, dass man die Mobilität reduzieren muss. Das geht nicht, wenn Menschen von außen zu uns kommen.“

Oberbürgermeister Uli Burchardt
Oberbürgermeister Uli Burchardt | Bild: Lukas Ondreka/SK-Archiv

Seine Idee: Einzelhandel, Gastronomie sowie Freizeiteinrichtungen haben Hygienekonzepte, die Ansteckungen verhindern. Unkontrolliertes privates Reisen aber berge eine erhöhte Gefahr der Virusausbreitung.

Aber ist ein solches Szenario realistisch? Die Marketing und Tourismus GmbH (MTK) äußert sich sehr verhalten zur Realisierbarkeit. Grundsätzlich werde die Corona-Verordnung von der Landesverwaltung vorgegeben. „Hier sind uns als MTK die Hände gebunden“, schreibt Andrea Mauch, Sprecherin der MTK. Dennoch arbeite man seit einiger Zeit an Lösungswegen. „Aktuell entwickeln wir mit Hochdruck ein touristisches Öffnungskonzept und stimmen uns mit den Partnern ab – der Mainau, den Stadtwerke, den Schifffahrtsbetrieben, der Gastronomie und Hotellerie.“

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Bei der Blumeninsel Mainau wird man konkreter: Die Gesellschaft sei aufgefordert, Ideen zu entwickeln, wie eine Öffnungsstrategie aussehen könnte. „Selbst wenn die dritte Welle abflacht, wird uns dieses Thema weiter beschäftigen“, schreibt Andrea von Maur, Pressereferentin. „Es gehört dazu, Ideen zu sammeln und zu schauen, was man als Gesellschaft umsetzen kann.“

Beim Sozialministerium schließt man nichts aus

Den Ideen Burchardts gegenüber gibt sich die Blumeninsel aufgeschlossen: „Eine Einschränkung der Reisefreiheit wünschen wir uns nicht, aber das ist vielleicht eine Alternative, über die wir diskutieren müssen“, schreibt Andrea von Maur weiter. „Wir sind sehr motiviert, zu einer Lösungsfindung beizutragen und ja, wir würden uns als Mainau auch sehr über Gäste aus dem Kreis Konstanz freuen. Denn das wäre ein erster Schritt in ein normaleres Leben.“

Und wie denkt man in Stuttgart über solche Ideen? Im Sozialministerium gibt man sich aufgeschlossen. Baden-Württemberg sei bei der Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten mit dem Pilotprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ in Tübingen seit Mitte März neue Schritte gegangen, schreibt Pascal Murmann, Sprecher des Sozialministeriums. Dies sei ein Impuls gewesen, die Thematik im bundesweiten Rahmen anzugehen.

Viele wollen Modellprojekt werden

Inzwischen seien viele Anträge für Modellprojekte eingegangen, schreibt Murmann weiter. „Die Erfahrungen aus dem Tübinger Pilotprojekt werden wir mit dem Oberbürgermeister intensiv auswerten. Wir sind offen für weitere Modellversuche“, wird Gesundheitsminister Manne Lucha zitiert. Uwe Lahl, Amtschef des Sozialministeriums, werde das Thema mit den Spitzen der Kommunalen Landesverbände weiter beraten – immer vor dem Hintergrund der Infektionszahlen.

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