Da werden unheilvolle Erinnerungen an die Tragödie von Parndorf mit 71 Toten wach: Am Dienstag, 2. August, teilte ein Zeuge am Grenzübergang Bietingen/Thayngen den Mitarbeitern des schweizerischen Bundesamtes für Zoll- und Grenzsicherheit mit, dass er aus einem geparkten Laster Klopfgeräusche gehört habe.

Wie die Bundespolizei in einer Pressemitteilung schreibt, öffneten die Kontrolleure kurze Zeit später die Ladefläche des Fahrzeuges mit serbischer Zulassung: Dabei stießen sie auf zwei Afghanen im Alter von 18 und 30 Jahren.

Männer waren dehydriert

Die Männer, die keine ausreichenden Papiere mit sich führten, waren augenscheinlich dehydriert, sodass sie vor Ort durch Sanitäter medizinisch betreut wurden. „Ihr Zustand war aber nicht so schlimm, dass man sie mit dem Rettungswagen hätte mitnehmen müssen“, so Daniela Schmidt von der Bundespolizeiinspektion Konstanz.

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Während des Einsatzes erschien auch der serbische Fahrer, der von der Zollanmeldung kam. Ersten Informationen zufolge soll der Lastwagen von Serbien über den Balkan nach Deutschland gefahren sein. Zum genauen Tathergang und den Hintergründen der mutmaßlichen Schleusung laufen jetzt die Ermittlungen.

Details sind noch unklar

„Wir wissen noch nicht, wann und wo die Männer in den Lastwagen gebracht wurden“, sagt Schmidt dem SÜDKURIER – und auch nicht, ob der Fahrer selbst an der Schleusung beteiligt war oder die Afghanen ohne eigenes Wissen transportiert hatte.

Lastwagen-Parkplatz am Grenzübergang Bietingen-Thayngen.
Lastwagen-Parkplatz am Grenzübergang Bietingen-Thayngen. | Bild: SK-Archiv/Gudrun Trautmann

Deshalb wurde der 30-Jährige nach Feststellung der Personalien auch wieder auf freien Fuß gesetzt. Um die zwei Männer aus Afghanistan, die laut Schmidt kein Asyl in Deutschland beantragten, kümmere sich jetzt die Ausländerbehörde beim Landratsamt.

Mit Fällen wie diesem bekommt es die Bundespolizei immer wieder zu tun. So hatten am 31. Mai 2021 auf dem Rastplatz Nellenburg an der A98 Klopfgeräusche aus einem verplombten Lkw-Auflieger aus Bosnien zur Entdeckung von fünf Marokkanern geführt. Auch sie überlebten die Tour ohne gesundheitliche Folgen.

71 Tote im Kühllaster

Anders beim Drama an der Autobahn nahe Parndorf im österreichischen Burgenland, das weltweit Entsetzen ausgelöst hatte. Dort hatten Schleuser im August 2015 einen aus Ungarn kommenden Kühllaster mit 71 Flüchtlingen im verschlossenen Laderaum zurückgelassen. Alle starben oder waren bereits während der Fahrt erstickt. Die vier Haupttäter aus der Schlepperbande, die den Transport der Menschen organisiert hatten, wurden später in Ungarn wegen Mordes unter besonders grausamen Umständen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

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