Was haben wir im Sommer geschwitzt. Am 8. August kletterte die Temperaturanzeige auf 35,8 Grad Celsius in Konstanz. Aber was folgt auf diesen heißen Sommer? Ein paar milde Monate? Oder eher ein kalter Winter? Oder besser gefragt: Wie hoch müssen wir in diesem Winter die Heizung drehen, damit wir keine kalten Füßen bekommen?

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Kommende Monate werden wohl zu warm

„Jeder hofft darauf, dass jetzt kein Eiswinter kommt“, sagt Jürgen Schmidt, Meteorologe bei Wetterkontor. Auch er denkt darüber nach, dass die Energiekosten in diesem Jahr höchstwahrscheinlich stark steigen werden. Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Aber bei Minusgraden ausharren? Bleibt uns das in den kommenden Monaten erspart? Schmidt spendet ein klein wenig Hoffnung.

Eine Garantie kann der Wetterfrosch beim Blick auf die Langzeitprognosen der verschiedenen Wetterdienste aber nicht geben. Jedoch: „Momentan zeigen alle Modelle, dass die kommenden drei Monate (Oktober, November und Dezember) 0,5 bis 2 Grad über dem langjährigen Temperaturmittel liegen werden – auch am Bodensee. Vom Niederschlag her soll es durchschnittlich kommen, mit der Tendenz eher trocken auszufallen“, erläutert der Wetterexperte.

Jürgen Schmidt von Wetterkontor: „Jeder hofft darauf, dass jetzt kein Eiswinter kommt.“
Jürgen Schmidt von Wetterkontor: „Jeder hofft darauf, dass jetzt kein Eiswinter kommt.“ | Bild: Wetterkontor

Und tatsächlich scheinen die Prognosen aktuell zu zutreffen. Bisher sind die ersten Tage des Oktobers laut Schmidt um 1,5 Grad zu warm – immer im Vergleich zum langjährigen Mittelwert betrachtet. Der Oktober könne daher wohl eher warm ausfallen. „Das schließt aber nicht aus, dass der November und Dezember nicht sehr kalt werden“, erklärt er. Wenn der Oktober deutlich zu warm werde, könne das einen kalten November und Dezember nicht ausgleichen.

Schmidt betont, dass die verschiedenen Langzeitprognosen der deutschen, europäischen und amerikanischen Wetterdienste nie in Stein gemeißelt seien. „Eine verlässliche Wettervorhersage ist nur für maximal zehn bis 15 Tage möglich“, erklärt er. Längerfristige Prognosen müssten daher immer wieder abgeändert werden und basieren meist auf Erfahrungswerten. Ob die Prognose, dass der Herbst und Winter eher mild werden, so bleibt, stehe daher noch nicht fest.

Vom Herbst ist am Hohentwiel aktuell noch nicht so viel zu sehen. Die Bäume sind alle noch recht grün. Die Aufnahme stammt vom Anfang ...
Vom Herbst ist am Hohentwiel aktuell noch nicht so viel zu sehen. Die Bäume sind alle noch recht grün. Die Aufnahme stammt vom Anfang Oktober. | Bild: Achim Mende

Wetter am Bodensee ist ein Sonderfall

Und sowieso: Die Region um den Bodensee sei manchmal ein Sonderfall. Das Wetter am Bodensee könne sich schon vom Rest von Deutschland unterscheiden. Schmidt nennt ein Beispiel: ‚Der Sommer war vielerorts zu trocken. Aber am Bodensee gab es relativ viel Niederschlag‘, sagt der Meteorologe.

Diese Aussage überrascht. Deshalb fügt er an: Ende August habe es an einem Tag einen Niederschlag von 80 Litern pro Quadratmeter geben. Das habe die Statistik entsprechend verändert. „Im Schwarzwald ist dagegen deutlich weniger Regen gefallen“, berichtet Schmidt.

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Auch bei den Temperaturen sei es rund um den Bodensee nicht so warm gewesen wie andernorts. „Es war ein warmer Sommer, aber kein extremer“, sagt er und schiebt hinterher: „Wetter sind immer regional.“ Besonders deutlich wird das aktuell beim Vergleich der Regionen im Schwarzwald und Bodensee. Während im Schwarzwald schon der Herbst eingezogen ist, färben sich die Blätter der Laubbäume am Bodensee nur zögerlich.

Buntes Herbstbild in Überlingen mit Blick auf Yachthafen und Bodensee.
Buntes Herbstbild in Überlingen mit Blick auf Yachthafen und Bodensee. | Bild: Hilser, Stefan

Doch welche Faktoren sind verantwortlich, dass wir hier einen kalten oder milden Winter bekommen? „Milde Winter werden vom Atlantik beeinflusst. Der Jetstream bringt milde Luft zu uns“, sagt Schmidt. Die bitterkalten Winter, wie zum Beispiel im Januar 2021, würden meist aus Skandinavien zu uns rüber ziehen. „Die kälteste Luft kommt aus dem Osten“, sagt Schmidt.

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