Mit der Forderung, den Klimaschutz nun ernsthaft in Angriff zu nehmen, sind in Konstanz, Radolfzell und Singen zeitversetzt Hunderte Demonstranten der Fridays-for-Future-Bewegung auf die Straße gegangen. Der Protestzug in Konstanz war der größte. Er hatte nach übereinstimmender Schätzung von Polizei und Veranstaltern 1200 Teilnehmer. Diese besetzten für eine Viertelstunde die Bodanstraße, eine der zentralen Verkehrsstraßen in der Konstanzer Innenstadt. Dort forderten die Protestierenden die Verkehrswende. Die Konstanzer Organisatoren setzten auch einen neuen Maßstab für den Corona-Schutz bei einer Demonstration.

Polizei lobt Demonstranten

Zum Start im Konstanzer Herosépark waren Planquadrate abgesteckt, in die sich jeweils maximal 50 Teilnehmer mit Abstand und Mundschutz stellen sollten. Die Demonstranten folgten den Anweisungen und teilten sich, wie von den Organisatoren gewünscht, auf. In diesen Gruppen blieben die Teilnehmer während des gesamten Zugs durch die Innenstadt und in den Stadtgarten.

Um die Abstandsregeln einhalten zu können, wurde einzelne Gruppen der Demonstration auf verschiedenen Wegen durch die engen Gassen der Altstadt gelotst. Der Einsatzleiter der Polizei zog symbolisch die Kappe vor den jungen Organisatoren und bedankte sich für den reibungslosen Ablauf.

Wissenschaftler spricht in Konstanz

Prominenter Redner zur Auftaktkundgebung in Konstanz war Volker Quaschning, Professor für erneuerbare Energien und Mitbegründer von Scientists for Future, also der Gruppe von Wissenschaftlern, die die Klimaaktivisten von Fridays for Future unterstützen. Er warnte, das Weltschicksal werde jetzt entschieden. „Wir haben Systeme, die kippen können.“ Steige die Erderwärmung nochmals mehr als 1,5 Grad an, dann seien für den Menschen katastrophale Entwicklungen zu erwarten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und mit Wasser seien dann in Gefahr.

Kein Grad weiter: Der Klimastreik in Radolfzell der Fridays for Future-Bewegung setzt sich bei strömendem Regen in Gang. Bild: Georg Becker
Kein Grad weiter: Der Klimastreik in Radolfzell der Fridays for Future-Bewegung setzt sich bei strömendem Regen in Gang. Bild: Georg Becker | Bild: Becker, Georg

Ziel: 1,5 Grad

Grundsätzlich habe die Politik das 1,5-Grad-Ziel beschlossen, doch sie handle nicht, um dieses umzusetzen. So komme in Deutschland der Kohleausstieg viel zu spät. Volker Quaschning forderte dazu auf: „Macht die nächste Wahl zur Klimawahl!“ Zoe Blumberg kündigte für Fridays for Future an: „Wir werden nicht klein beigeben. Wir sind laut, und wir werden laut bleiben.“ Ein erster Erfolg der Bewegung sei es, dass der Klimaschutz wieder Gewicht bekommen habe. „Ohne Fridays for Future wäre der Klimaschutz in Europa ganz schön tote Hose.“ Der zehn Jahre alte Nelson Ritzi aus Worblingen beeindruckte in Konstanz mit seinen gerappten Texten zum Klimaschutz.

80 Demo-Teilnehmer in Radolfzell

Als der Staffellauf der Fridays-for-Future-Bewegung im Kreis Konstanz in Radolfzell um 14.30 Uhr seine Fortsetzung mit einem Klimastreik und einem Demonstrationszug fand, setzte in der Altstadt prompt strömender Regen ein. Die Radolfzeller Aktivisten um Carolina Groß konnten sich am Anfang mit ihren Megaphonen kaum verständlich machen, doch über die Mundpropaganda kam die Botschaft auch so an: „Mit Mundschutz marschieren, am Demonstrations-Seil sind Knoten in 1,50-Meter-Abstand angebracht, bitte daran halten.“

Ein jugendlicher Demonstrant stellt in Radolfzell die Fridays-for-Future-Frage: Klimaschutz – wann, wenn nicht jetzt und wer, wenn nicht Du?
Ein jugendlicher Demonstrant stellt in Radolfzell die Fridays-for-Future-Frage: Klimaschutz – wann, wenn nicht jetzt und wer, wenn nicht Du? | Bild: Georg Becker

Und los ging es durch die Innenstadt über Stadtgartenbrücke und Mettnaubrücke hinunter zum Konzertsegel. Der Demonstrationszug wuchs von 50 auf 80 Teilnehmer an, sie skandierten immer wieder: „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf diese Politik.“ Carolina Groß spielte bei ihrer Ansprache auf die widrigen Wetterverhältnisse bei diesem Klimastreik in Radolfzell an: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, egal unter welchen Bedingungen, wir werden kämpfen.“

Rund 50 Demonstranten in Singen

Auf der Fridays-for-Future-Demonstration in Singen zogen die Teilnehmer auf Fahrrädern und Rollern durch die Straßen. Eine überschaubare Anzahl von rund fünfzig Demonstranten versammelte sich zunächst auf dem Herz-Jesu-Platz. Dabei waren auffallend wenig jugendliche Schüler oder Studenten vor Ort.

Die Radler in Singen, so sah dort die Demonstration aus.
Die Radler in Singen, so sah dort die Demonstration aus. | Bild: Nina Kemmerling

Ausgestattet mit Mund- und Regenschutz fuhren die Klima-Aktivisten durch die Innenstadt bis zum Rathaus und dem ebenfalls in der Innenstadt gelegenen Heinrich-Weber-Platz. Während der Fahrt schlossen sich immer mehr Radfahrer der Demonstration an. Begleitet wurden sie von zwei Polizeiwagen, die sowohl die Verkehrslage als auch die Hygienevorschriften im Auge behielten.

Am Rathaus haben die Singener Demonstranten zu einer Kundgebung gestoppt.
Am Rathaus haben die Singener Demonstranten zu einer Kundgebung gestoppt. | Bild: Nina Kemmerling
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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, schrie der Singener Fridays-for-Future-Delegierte Benjamin Janke in sein Megafon und brachte damit die Fahrradglocken der Demonstranten lautstark zum Läuten. Trotz der vergleichsweise geringen Resonanz auf die Aktion zog er eine positive Bilanz: Die Bemühungen von Fridays for Future in Singen seien längst nicht umsonst und die Bewegung habe gerade in Zeiten der Corona-Pandemie Standhaftigkeit bewiesen.

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