Groß war die Hoffnung der Narrenzünfte und der Vereinigungen, dass sie zumindest kleinere Aktionen an der Kernfasnacht vom 11. bis 15. Februar ausführen dürfen. Eine Gipfel-Videokonferenz zwischen Vertretern der Polizeidirektion Konstanz, der Narrenvereinigung (NV) Hegau-Bodensee, der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, zwei kleineren Verbänden und dem Tuttlinger Landrat Stefan Bär verlief ohne Einigung. „Wir konnten uns leider nicht auf ein gemeinsames Papier verständigen, dass die Regelungen enthält, was an kleineren Aktionen erlaubt ist und was nicht. Wir werden uns aber an die Vorgaben der Behörden und der Polizei halten“, erklärt Rainer Hespeler, Präsident der NV Hegau-Bodensee.

Seine Enttäuschung und die der Kollegen kann er aber nicht verhehlen. „Gerade die Narrenzünfte verhalten sich sehr gewissenhaft und verantwortungsvoll, um schon im Ansatz Gefahren von Corona-Infektionen zu verhindern. Es ist aber unser aller Anliegen, den Menschen wenigstens ein ganz klein wenig Fastnachtsfreude und närrisches Flair zu bieten. Andernfalls drohen auch wilde private Fasnachtspartys außerhalb der organisierten Fasnacht“, betont Hespeler.

Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, liest die Narrenzeitung. Es sind aber kaum Fasnacht-Aktivitäten möglich.
Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, liest die Narrenzeitung. Es sind aber kaum Fasnacht-Aktivitäten möglich. | Bild: Tesche, Sabine

„Wenn die Bürger die Auswirkungen der politische Vorgaben als immer unsinniger bewerten, fühlen sie sich nicht mehr mitgenommen“, betont er. Zu den kleineren Aktionen, welche den Zünften erlaubt sein sollten, gehören laut Hespeler unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften neben geringer Präsenz an öffentlichen Stellen oder in Einrichtungen auch das Aufhängen von Narrenbändeln. Schon wegen der Symbolkraft der Fasnacht. Die Leute dürsteten nach Fasnacht. Das beweise die riesige Teilnahme an den virtuellen Narrentagen in Owingen und Hoppetenzell, sagt Hespeler.

Corona-Verordnungen sollen konsequent umgesetztwerden

Die Polizei hat nun die Narrenzünfte schriftlich informiert, wie sie sich an der Kernfasnacht zu verhalten haben. Neben den klaren Verboten von Veranstaltungen aller Art werden auch kleinere Zusammenkünfte genannt, wie einen Narrenbaum aufstellen oder Bändel aufhängen. „Solche Verbote setzen nur konsequent die derzeit geltende Corona-Verordnung um. Es geht dabei um die Einhaltung der Ausgangssperre, die auch tagsüber gilt und nur in Ausnahmen wegen triftiger Gründe – wie bei Einkäufen, Arztbesuchen oder Spaziergängen –, aufgehoben werden darf“, erklärt Dieter Popp, Pressesprecher der Polizeidirektion Konstanz. Gerade Aktionen wie das Aufhängen von Narrenbändeln oder andere fasnachtliche Aktivitäten seien keine triftigen Gründe. Es gehe auch darum, das Ansammlungsverbot einzuhalten. „Wenn ein Bauhof solche Arbeiten übernimmt, ist nichts zu beanstanden“, sagt Popp.

Das könnte Sie auch interessieren

Wer diese Verordnungen nicht einhalte, müsse bei Kontrollen mit Anzeigen und Bußgeldern rechnen. „Wenn aber in Gemeinden schon närrische Dekorationen angebracht sind, müssen die nicht wieder abgehängt werden. Wir gehen einfach davon aus, dass die Arbeiten die Bauhöfe übernommen haben“, sagt Popp etwas süffisant. Wer begründet in den Ausgang gehe, könne dies auch närrisch verkleidet machen.

Walter Benz: „Fasnacht wird ohne Not kaputt gemacht“

Das langjährige Präsidiumsmitglied der NV Hegau-Bodensee, Walter Benz, verschafft sich Luft. „Es wird ohne Not die Fasnacht kaputt gemacht. Es gäbe viele andere Bereiche, wo die Behörden härter durchgreifen könnten. Die Zünfte haben bisher alles getan, um den Verordnungen bis ins kleinste Detail gerecht zu werden“, betont Benz. Bei der Aktion seien der Tuttlinger Landrat Stefan Bär und das Polizeipräsidium Konstanz vorgeprescht. „Mitglieder von Zünften in anderen polizeilichen Zuständigkeitsbereichen haben keine solche Schreiben erhalten“, sagt er. Er wollte mit seinem Enkel samt Leiterwägele durch Gottmadingen marschieren, um das Narrenlied abzuspielen. „Dazu ist mir die Lust vergangen“, erklärt Benz.