Sie waren im ganzen Land selten geworden, inzwischen sind sie wieder regelmäßig zu sehen. In Deutschland ist die Zahl der Weißstorchenpaare laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) seit 2010 von 4600 auf 7500 angewachsen.

Auch im Kreis Konstanz und im Hegau können jedes Jahr mehr Tiere beobachtet werden, die hier ihre Jungen ausbrüten. Wir haben Experten gefragt, wie viele es sind und wie die Population sich am Bodensee und im Hegau entwickelt hat.

(Archivbild) „Storchenvater“ Wolfgang Schäfle schätzt, dass die Zahl der Storchenpaare im Landkreis seit dem vergangenen ...
(Archivbild) „Storchenvater“ Wolfgang Schäfle schätzt, dass die Zahl der Storchenpaare im Landkreis seit dem vergangenen Jahr noch weiter gewachsen ist. | Bild: SK-Archiv/Tesche, Sabine

In den Siebzigern gab es nur 15 Storchenpaare im Land

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark sich die Storchen-Population im Land verändert hat. Im Jahr 1975 gab es laut Wolfgang Schäfle, dem Radolfzeller Storchenvater, lediglich 15 Brutpaare in ganz Baden-Württemberg. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass sich dieser Bestand auf 1500 verhundertfacht hat. „Ich empfinde diese Entwicklung als sensationell“, sagt Schäfle.

Vor einigen Jahren gab es im Landkreis Konstanz schon weit über 100 Paare, im vergangen Jahr waren es laut Schäfle etwa 150. Jetzt dürften noch einige mehr dazugekommen sein. Der Radolfzeller Storchenvater schätzt, dass es zwischen 160 und 170 Storchenpaare sind, die sich aktuell im Landkreis aufhalten.

Viele Storche nisten jedes Jahr in Böhringen. (Archivbild)
Viele Storche nisten jedes Jahr in Böhringen. (Archivbild) | Bild: Jarausch, Gerald

Ob das Gebiet rund um den Bodensee besonders geeignet oder beliebt bei den Vögeln ist, beantwortet Schäfle ganz einfach: „Storche wollen da leben, wo sie Lebensraum haben.“ In den Stadtgebieten ist das seltener der Fall, die meisten Störche im Landkreis Konstanz finden sich im Hegau. Eine größere Population findet sich auch in Böhringen.

„Dazu übergehen, die Störche sich selbst zu überlassen“

Ohne die Unterstützung der Menschen in Form von verschiedenen Schutzmaßnahmen hätten es die Störche wohl nicht geschafft, sich in den vergangenen Jahrzehnten so zu erholen. „Der Storch ist ein schönes Beispiel dafür, dass es funktionieren kann“, sagt Lisa Maier vom NABU-Bodenseezentrum. Von der Hilfe für den Storch, etwa feuchten Wiesen, die nur selten gemäht werden, würden auch andere Arten profitieren.

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Doch durch die intensive Betreuung könnten auch Probleme entstehen, führt Maier aus. Die immer weiter steigende Zahl der Tiere könnte in das Naturgleichgewicht eingreifen. Sie erklärt das an einem einfachen Beispiel: Störche fressen unter anderem Frösche und Kröten. Wenn es davon in trockenen Jahren ohnehin weniger gibt, und diese dann von immer mehr Störchen gefressen werden, kann es zu einem Ungleichgewicht kommen.

Störche bleiben ihren Nestern für gewöhnlich treu und kehren jedes Jahr zurück. (Archivbild)
Störche bleiben ihren Nestern für gewöhnlich treu und kehren jedes Jahr zurück. (Archivbild) | Bild: Löffler, Ramona

„Da muss man langsam vorsichtig sein“, sagt Maier. Inzwischen könne die Storchenpopulation wieder auf eigenen Füßen stehen. Weitere Unterstützung, wie etwa Zufüttern, sei dem natürlichen Gleichgewicht nicht dienlich. Man könne „dazu übergehen, die Störche sich selbst zu überlassen“, sagt Maier.