Reiserückkehrer. Bei diesem Wort klingen die Alarmglocken bei Stefan Basel, Sozialdezernent im Landratsamt. „Wir beschäftigen uns im Moment sehr intensiv mit diesem Thema“, sagt er bei der wöchentlichen Corona-Video-Pressekonferenz. Grund für diesen Appell sind die seit Ende Juni langsam, aber stetig steigenden Corona-Fälle in Deutschland, aber auch im Kreis Konstanz. Und eines hatten viele der neuerlich positiv Getesteten gemeinsam: Viele waren in den Balkanstaaten.

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Darunter seien auch einige, die laut Basel „jetzt nach Deutschland aus den Sommerferien zurückkehren und möglicherweise in Pflegeeinrichtungen und im Küchenbereich arbeiten.“ Alle Beteiligten sollten hier dringendst verhindern, dass von diesem Bereich Corona-Infektionen ausgehen. Das heißt laut Stefan Basel: „Augen offen halten.“

Ein Appell an Arbeitgeber

Deshalb will Basel auch einen Appell an alle Arbeitgeber im Landkreis Konstanz richten: „Achten Sie darauf, wenn Leute aus Risikogebieten zurückkommen, dass sie sich tatsächlich haben testen lassen oder eben in Quarantäne gehen“, mahnt Basel. Denn eine Ausbreitung des Virus möchten das Landratsamt, Gesundheitsamt, die Krankenhäuser und die niedergelassenen Ärzte vermeiden. „Pro Woche haben wir ungefähr zwei bis sechs positiv bestätigte Fälle“, sagt der Sozialdezernent. Das Gesundheitsamt und die niedergelassenen Ärzte arbeiten auf Hochtouren.

Aber da die Sommerferien in Baden-Württemberg noch nicht vorbei sind, rechnet Basel damit, dass in der zweiten Hälfte der Sommerferien noch einige Reiserückkehrer in die Region kommen werden. Daher hat das Landratsamt auch beschlossen, die Corona-Testzentren, die Ende Juni geschlossen wurden, wieder zu öffnen.

Keine zweite Welle, sondern eine „Dauerwelle“

Christoph Venedey ist der Pandemie-Beauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und wird die Zentren leiten. „Wir müssen sicherlich davon ausgehen, dass das Virus unter uns bleibt. Deshalb würde ich nicht von erster und zweiter Welle sprechen, sondern von einer Dauerwelle. Zumindest solange wir keinen Impfschutz haben“, sagt der Arzt. Alles, was man momentan machen könne, sei eher prophylaktisch.

Mitarbeiter des THW bauen am Flughafen eine Corona-Teststation im Terminal auf.
Mitarbeiter des THW bauen am Flughafen eine Corona-Teststation im Terminal auf. | Bild: Cuko, Katy

„Deshalb finde ich es richtig, dass man sagt: Reiserückkehrer sollen getestet werden“, sagt er. Denn jeder, der von einer Reise zurückkomme, könne potenziell positiv sein. Um diese Leute identifizieren zu können, werde kommende Woche wieder ein Corona-Testzentrum beim Klinikum Konstanz eröffnet. Dort gebe es noch immer die Infrastruktur.

Testzentrum in Singen wird später eröffnet

Ein Grund für die Wiedereröffnung des Testzentrums sei, dass die Arztpraxen sehr viel zu tun haben. Etwa 1200 Abstriche werden pro Woche im Landkreis Konstanz getätigt. Das überlastet viele Ärzte.

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Es sei aber auch nicht so einfach, medizinisches Personal zu finden, das in der Freizeit in den Testzentren die Proben nehme. „Wir haben auch noch nicht genug Freiwillige für das Testzentrum in Singen. Deshalb wird das Testzentrum später eröffnet“, sagt Venedey. Kommen kann jeder Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet, der keine Symptome aufweist.

Erntehelfer kommen aus Polen und Rumänien

Ein zweiter Aspekt, der die Gesundheitsexperten und das Landratsamt bewegt: Die Erntezeit steht bevor. „Jetzt sind die Obstbauern dran, darauf zu achten, dass die Unterkünfte der Ernte­­helfer hygienisch sind und passen“, mahnt Stefan Basel. Das Landratsamt frage gerade ab, wie viele Ernte­helfer aus welchen Ländern in den Landkreis kommen werden.

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„Nach jetzigem Stand kommt ein Großteil aus Polen und damit nicht aus einem Risikogebiet. Ein weiterer Teil kommt aus Rumänien. Da gibt es Teilrisikogebiete“, sagt der Sozialderzernent. Stefan Basel fordert die Landwirte auf, sich daher an die entsprechende Ortspolizeibehörden zu wenden.