Wo sollen sie nur hin? Mindestens 100 Flüchtlinge kommen pro Woche in den Landkreis Konstanz. Manchmal auch mehr. „Im Oktober erwarten wir 550 Flüchtlinge. Das ist schon eine große Nummer“, so Landrat Zeno Danner. Der Kreis komme damit immer deutlicher an seine Grenzen.

Danner, der sich extra aus seinem Urlaub in eine eilig einberufene Zoom-Konferenz zur Flüchtlingssituation dazu schaltet, will auf die Situation aufmerksam machen. „Die Lage ist prekär“, sagt er. Bis Ende September werden alle Notunterkünfte im Kreis belegt sein.

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Über 2000 Flüchtlinge in diesem Jahr

„Vor einem Dreivierteljahr witzelte ich noch, dass nach einer Energiekrise und der Corona-Pandemie nur noch eine Flüchtlingskrise fehle. Der Witz ist mir mittlerweile im Hals steckengeblieben“, sagt er. Eine Analyse der Flüchtlingszahlen zeigt wieso: Von Januar bis August 2015 sind 946 Flüchtlinge im Kreis Konstanz angekommen. In diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum 2089 Menschen. „Das sind mehr als doppelt so viele. Wir sehen uns moralisch und rechtlich in der Verpflichtung diesen traumatisierten Menschen zu helfen“, sagt Danner.

Zeno Danner, Landrat des Landkreises Konstanz: „Vor einem Dreivierteljahr witzelte ich noch, dass nach einer Energiekrise und der ...
Zeno Danner, Landrat des Landkreises Konstanz: „Vor einem Dreivierteljahr witzelte ich noch, dass nach einer Energiekrise und der Corona-Pandemie nur noch eine Flüchtlingskrise fehle. Der Witz ist mir mittlerweile im Hals steckengeblieben.“ | Bild: LRA KN/Ulrike Sommer

Das führt aber wieder zum Grundproblem: Wohin mit den Flüchtlingen? Lösungen werden vom Landratsamt und den Kommunen eifrig gesucht. Eine Lösung gibt es auch – zumindest eine vorübergehende. „Wir bauen fünf Leichtbauhallen“, sagt Danner. Diese würden Platz für 2000 Menschen bieten, 400 pro Halle.

Eine der Hallen wird zum Beispiel in Konstanz errichtet. „Das wird wahrscheinlich das Grundstück des LKW-Vorstauraum in der Max-Stromeyer-Straße werden“, sagt Andreas Osner, Konstanzer Bürgermeister für Soziales, Bildung und Kultur.

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Auch in Steißlingen und Rielasingen-Worblingen sei man in Gesprächen. „Aber das in Steißlingen ist noch nicht sicher“, sagt Danner. Sicher sei nur, dass noch Standorte für die restlichen Leichtbauhallen fehlen würden.

Bau von Leichtbauhallen dauert drei Monate

Doch die Leichtbauhallen können nicht sofort aus dem Boden gestampft werden. Drei Monate bräuchte man, um so eine Halle zu errichten. Hinzu komme noch die Schwierigkeit, dass man nie wisse, wie es mit den benötigten Materialien laufe, sagt Karin Seidl, Amtsleiterin im Landratsamt für Hochbau und Gebäudemanagement. „Wir spüren schon, dass manche Materialien und Baustoffe mit Verzögerungen unterwegs sind“, sagt Seidl.

Auch die Uhlandhalle in Singen wird bald zur Notunterkunft für Flüchtlinge.
Auch die Uhlandhalle in Singen wird bald zur Notunterkunft für Flüchtlinge. | Bild: Matthias Güntert

Doch was passiert bis dahin? Bis dahin müssen Sporthallen der Gemeinden herhalten. ‚Das ist natürlich ein Verlust für die Schulen und das Vereinsleben‘, bedauert Danner. Zum Beispiel werde bald die Ten-Brink-Halle in Rielasingen-Worblingen für Flüchtlinge hergerichtet. Die Gemeinde Rielasingen-Worblingen helfe damit dem Landkreis aus, sagt Ralf Baumert, Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen. „Wir sind gerne bereit, zu unterstützen.“