Für eine Wettervorhersage gibt es verschiedene Methoden, sagt Jürgen Schmidt. Er ist Meteorologe und der Geschäftsführer vom Wetterportal Wetterkontor. Bei einer Kurzfristvorhersage, die das Wetter für die nächsten sechs Stunden vorhersagen soll, nutzen Wetterexperten die aktuellen Beobachtungen an den Wetterstationen. Außerdem verwenden die Meteorologen Satellitenbilder sowie Radarbilder für ihre Prognosen, so Schmidt.

Bei Voraussagen, die darüber hinausgehen, helfen den Meteorologen Wettermodelle. Diese erstellen die staatlichen Wetterdienste wie beispielsweise der Deutsche Wetterdienst (DWD) mithilfe von Großrechnern. Die Daten dazu erhalten die Wetterexperten wiederum von den Wetterstationen, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

Welche Rolle spielen Flugzeuge?

Wetterstationen befinden sich nicht nur an einem bestimmten Ort, sondern sind unter anderem auch an Fliegern angebracht. „Sie messen mit am Flugzeug verbauten Sensoren die Wetterbedingungen im Flug“, sagt Ronald Porschke, Meteorologe bei der Plattform Wetter.com. Diese hat ihren Sitz in Konstanz.

Eine Nebelwolke hängt über dem Bodensee bei Überlingen, darüber hat sich ein Regenbogen gebildet.
Eine Nebelwolke hängt über dem Bodensee bei Überlingen, darüber hat sich ein Regenbogen gebildet. | Bild: Alexander Schnurer

Die Flieger senden dann die gesammelten Daten an Bodenstationen, die sie auswerten. Flugzeuge seien deshalb so wichtig für die Wettervorhersage, weil sie in verschiedenen Höhen Daten erheben können, an die Meteorologen wie Porschke vom Boden aus nicht so leicht herankommen. Porschke fasst es so zusammen: „Wetterdaten von Flugzeugen machen die Wettervorhersage also insgesamt genauer.“

Fehlende Flugzeuge, fehlende Daten

Doch während der coronabedingten Lockdowns blieben viele Flugzeuge am Boden. Und so konnten sie auch keine Daten aus der Luft liefern. Wurden dadurch also Wettervorhersagen schlechter? Porschke sagt: „Es gibt ein paar Studien, die bestätigen, dass die Qualität der Wettervorhersagemodelle während der ersten Krise etwas nachgelassen hat.“

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Er sagt aber auch: „Auch wenn die Wetterdaten gefehlt haben und teilweise noch fehlen, die Wettermodelle sind dadurch nicht unbrauchbar. Der Qualitätsverlust war und ist an der Stelle nur klein.“

Dass ein geringerer Flugverkehr die Wettervorhersagen ungenauer machen, sieht hingegen Jürgen Schmidt nicht. Er sagt: „Fehlende Daten der Flugzeuge wurden teilweise durch Satellitenmessungen und zusätzliche Radiosondenaufstiege ausgeglichen.“ Radiosonden werden von einem Wetterballon in die Höhe transportiert und liefern Daten wie Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Und wie genau sind jetzt Wettervorhersagen?

Laut Porschke sind Wetterprognosen für die kommenden drei Tage sehr verlässlich. Auch bis zu einer Woche könne man sich noch auf Vorhersagen verlassen, zumindest was die Tendenz angeht. Doch er sagt auch: „Trotz aller Technik, die für die Wettermodelle eingesetzt wird, sind sie eher nur als grober Trend zu sehen.“ Eine 100-prozentige Wettersicherheit gibt es also nicht.

Jürgen Schmidt sagt: „Durch die immer höheren Rechenleistungen der modernen Computer und verbesserter Wettermodelle hat sich die Wettervorhersage in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert.“

Manchmal werde aber das Wetter selbst für die Meteorologen zur Herausforderung. Beispielsweise, wenn Nebel herrscht, wie es am Bodensee gerade im Herbst und Winter oft der Fall ist. Wetterexperten könnten nämlich schwer voraussagen, ob und wann sich dieser auflöst. Und er habe erhebliche Auswirkungen auf Höchsttemperaturen oder Sonnenstunden.

Nebel, wie hier über dem Bodensee von der Ruine Altbodman aus gesehen, erschwert es Meteorologen Wettervorhersagen zu treffen.
Nebel, wie hier über dem Bodensee von der Ruine Altbodman aus gesehen, erschwert es Meteorologen Wettervorhersagen zu treffen. | Bild: Stefan Arendt

Besonders schwer sei es für die Meteorologen, das Wetter vorherzusagen, wenn sich Hochs und Tiefs abwechseln, denn das mache es kaum berechenbar. Auch der zeitliche Faktor spiele eine Rolle – je weiter man in die Zukunft gehe, desto häufiger träten bei der Vorhersage Fehler auf. Schmidt fasst es zusammen: „Man kann sagen, je kürzer der Vorhersagezeitraum, desto genauer die Prognosen.“

Und welche Rolle spielt die Klimakrise?

Porschke sagt dazu: „Die Klimakrise wird Wettervorhersagen deutlich wichtiger machen, da besonders die Extremwetter-Ereignisse – wie zum Beispiel zuletzt das Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz – wahrscheinlicher werden und deren Häufigkeit zunehmen wird.“

Auf die Qualität der Wettervorhersagen habe die Klimakrise allerdings keinen Einfluss. Denn: Klimaprognosen beziehen sich auf einen Zeitraum von mehreren Jahren, während das Wetter sich auf einen kurzfristigen Zeitraum bezieht, so Schmidt.