Ann-Veruschka Jurisch ist in die FDP eingetreten, als diese gerade am Boden lag. Und zwar im Jahr 2013, nach der Bundestagswahl, als die Freidemokraten ihren Sitz im Bundestag verloren hatten. „Das hat mir einen Ruck gegeben. Ich dachte, ich muss was machen.“ Sie wollte dem Liberalen wieder eine Stimme geben.

Ihre Ziele: Mehr Bildung und Bahnverkehr

Heute ist die 48-jährige Konstanzerin die Bundestagskandidatin für die FDP im Wahlkreis. Die Juristin, Stiftungsgeschäftsführerin und Spezialistin für Internationale Beziehungen möchte sich für einen besseren Bahnverkehr, für eine bessere Bildung und einen Wandel der Wirtschaft in Richtung Umweltschutz einsetzen, ohne diese abzuwürgen.

Sie war schon als Schülerin aktiv

Ann-Veruschka Jurisch sagt, sie knüpfe als dreifache Mutter wieder an das Engagement, das sie schon als Schülerin zeigte, als sie für arme Menschen in der Dritten Welt kämpfte. Seit 2014 setzt sie sich ehrenamtlich im Vorstand der Konstanzer FDP ein und seit 2015 als deren Vorsitzende.

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Die Freidemokratin beschreibt, wie sie die Zeit geprägt habe, als sie sieben Jahre lang in der Schweiz wohnte. Dem liberalen Gedanken der Eidgenossen fühle sie sich bis heute eng verbunden. Sie halte es beispielsweise für richtig, dass jeder Bürger in Schweiz genau wisse, was ein Verwaltungsakt koste und wie viele Steuern er dafür aufwenden müsse.

In Deutschland vermisst sie manchmal den Gedanke, dass ein Beamter auch nur Dienstleister sei, und zwar für die Allgemeinheit. Auf der kommunalen Ebenen sei diese Haltung schon angekommen, aber in den Landes- und Bundesverwaltungen nicht unbedingt. Sie wünscht sich, dass der liberale Gedanke Einzug hält in die Amtsstuben.

Keine Partei hat die Wahrheit gepachtet – auch nicht die FDP

Ann-Veruschka Jurisch gibt sich pragmatisch. Sie weiß, dass das politische Pendel immer wieder auf eine andere Seite schwinge. Mal habe das Liberale mehr Gewicht, mal weniger. Keine Partei aber, so ist sie sich sicher, habe die Wahrheit gepachtet, auch nicht die ihre.

Ihr gehe es um den Ausgleich zwischen den Positionen. Sie trete dafür ein, dass eben auch das Liberale zum Zuge komme. Sie setze auf Diskussion und den Austausch von Argumenten anstelle von persönlichen Angriffen. Sie wolle mit Sachargumenten überzeugen.

Zugverbindungen sind ein wichtiges Thema für die FDP-Frau

Eines der Themen, die sie schon seit langem bewege, seien die miserablen Anschlüsse der Region an die Deutsche Bahn. „Es ist ein Trauerspiel.“ Von Deutscher Seite aus seien internationale Abmachungen nicht oder nur schleppend erfüllt worden. Die Schweiz dagegen gehe mit großen Schritten voran.

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Von Konstanz aus, sei die Anbindung in die Schweiz gut. Doch schon am Bahnhof von Konstanz sei zu erkennen, dass die Anlage für die heutigen Bedürfnisse viel zu klein sei. Sie hält es für wichtig, dass die Region gute Bahnanschlüsse bekomme, um auch im Klimaschutz voran zu kommen. „Es ist tragisch, dass alles so lange dauert. Es wird seit Jahren nur geredet.“ Ann-Veruschka Jurisch will sich als Kandidatin dafür einsetzen, dass der Anschluss der Region an die Schiene besser wird.

Klimaneutralität in der Wirtschaft

Ebenso bewegt sie die notwendige Transformation der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität. Die Universität Konstanz und die Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) spielten dabei eine gewichtige Rolle, ist die FDP-Frau überzeugt. Innerhalb von Partnerschaften mit der Wirtschaft könnten diese Institutionen Innovationen anregen, und Leitlinien für die Zukunft der Region entwickeln.

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Mit solchen Leitsternen vor Augen, sei es einfacher Alltagsentscheidungen zu treffen, ist sich Ann-Veruschka Jurisch sicher. Es müsse klar sein, wie sich die Umwelt-Entscheidungen auf die Arbeitsplätze und den Standort auswirkten, und was der Klimaschutz jeden Unternehmer koste. Planungssicherheit sei die Voraussetzung, um einen so tiefgreifenden und schwierigen Prozess voran zu bringen.

Bildung: Die Schweiz macht es besser

Zu ihren Herzensthemen gehört die Bildung. Die Mutter von drei Söhnen im Alter von sieben, 13 und 17 Jahren geht davon aus, dass sie in Deutschland grundsätzlich einen zu geringen Stellenwert habe.

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Als Beispiel führt sie die Ausstattung von Schweizer Schulen an, die in keinem Verhältnis stünden zu den meisten ziemlich abgewirtschafteten Schulen im Land. „Es ist so ein reiches Land. Es ist nicht zu verstehen, warum hier nicht mehr investiert wird“, sagt die 48-Jährige. Sie sieht mit Sorge, wie das bisher geltende mehrgliedrige System aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium ausgehöhlt werde. Die Gemeinschaftsschule betrachte sie nicht als gleichwertigen Ersatz.

Als Frau, so sagt Ann-Veruschka Jurisch, sei ihr in der FDP immer der rote Teppich ausgelegt worden. „Man hat mir nie Steine in den Weg gelegt.“ Sie hofft auf eine Chance bei der Bundestagswahl.

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