Die Zeiten werden härter – so leitet Landrat Zeno Danner am Dienstagvormittag die wöchentliche Corona-Konferenz des Landratsamtes ein. „Seit Montag 11.31 Uhr – also nur seit Mittag – haben wir 62 neue Corona-Fälle und sind bei einer offiziellen Sieben-Tage-Inzidenz von über 60“, sagt Danner. Der aktuelle Wert liegt laut Landesgesundheitsamt in Stuttgart bei 60,8. Im Landkreis Konstanz gelten momentan 248 Menschen als infiziert.

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Kompletten Lockdown verhindern

Deshalb gilt seit Montagabend im Kreis eine Allgemeinverfügung des Landratsamtes. Diese geht einher mit strengeren Regeln und Maßnahmen (der SÜDKURIER berichtete). Darunter fällt zum Beispiel eine kreisweite Maskenpflicht auf Wochenmärkten und Sportveranstaltungen, eine Sperrstunde und ein Alkoholausschankverbot in der Gastronomie.

„Ich bin der Überzeugung, dass wir möglichst schnell einschneidende Maßnahmen ergreifen müssen, um einen kompletten Lockdown zu verhindern“, begründet Danner die neuen Regeln. Auch weitere strengere Regeln können noch folgen, wenn die Infektionszahlen nicht runtergehen. „Wir besprechen mit den Gemeinden und Städten ein gemeinsames Vorgehen“, berichtet Danner.

Ab sofort gilt: Verschärfte Maskenpflicht im Landkreis Konstanz.
Ab sofort gilt: Verschärfte Maskenpflicht im Landkreis Konstanz. | Bild: Trippl, Norbert

Kliniken rechnen mit einem Anstieg der Fallzahlen zum Wochenende

„Die Zahlen sind dynamisch“, bestätigt Frank Hinder, Ärztlicher Direktor am Klinikum in Singen. In Radolfzell und Singen werde je eine Allgemeinstation für Covid-19-Fälle vorgehalten. Bei der Betrachtung der Infektionszahlen geht Hinder davon aus, dass es zum Wochenende hin einen weiteren Patientenzulauf bei den Krankenhäusern im Landkreis geben werde. Deshalb überlege man schon, wo man die nächste Allgemeinstation für Covid-19-Patienten öffnen könne.

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Noch im Pandemie-Normalbetrieb befinde sich das Klinikum in Konstanz, sagt Marcus Schuchmann, Ärztlicher Direktor im Konstanzer Klinikum. Aber man bereite sich schon darauf vor, „Teile des planbaren Betriebs – wenn nötig – runterzufahren“.

Lange Schlangen den Abstrichzentren in Singen und Konstanz

Das steigende Infektionsgeschehen zeichnet sich auch in den Abstrichzentren in Singen und Konstanz ab. Je mehr Menschen eine Warnung von der Corona-Warn-App erhalten, desto mehr reihen sich in die Schlange vor den Abstrichzentren ein. „Wir bitten um Verständnis, dass es in den Schlangen dann etwas längern dauern kann“, sagt Danner. Aber man sei mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Zentren betreibt, im ständigen Austausch, um das Prozedere zu optimieren.

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Auch das Konstanzer Gesundheitsamt „ist in riesen Action“, wie es der Landrat nennt. Je mehr Infizierte es gibt, desto mehr Kontaktpersonen müssen gefunden und informiert werden. Aus diesem Grund wird das Kontaktnachverfolgungsteam weiter verstärkt. „Wir überlegen auch, ob wir aus jeder Gemeinde nochmals eine Person als Verstärkung erbitten. Das wären dann noch mal 25 Personen“, erklärt Danner.

Rat des Landrats an Vereine: Hauptversammlungen absagen

Große Sorgen bereiten dem Landratsamt und dem Gesundheitsamt die Privatveranstaltungen. „Da gehören auch Hauptversammlungen von Vereinen dazu“, erklärt er, „Wir raten den Vereinen, auf Versammlungen zu verzichten.“ Auch die Verwaltung des Landkreises ist in „sehr konkreten Überlegungen“, Sitzungen ins Virtuelle zu verlegen. „Um einen Lockdown vermeiden zu wollen, müssen wir uns auf das Allernötigste konzentrieren“, sagt Danner nochmals eindringlich.